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DominikS
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« Antworten #15 am: 27. April 2009, 20:29:42 » |
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Die Grundlagen sind eine prima Sache zum Nachlesen und mal bei Muse anzuschauen. Solange ich aber noch nicht treffsicher und ohne Nachschlagewerke deutsch blasonieren kann, werde ich nicht noch mit französischen Blasons anfangen.
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Dominik
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #16 am: 27. April 2009, 20:47:40 » |
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Danke für die Rückmeldungen. Dann werde ich zukünftig mehr deutsche Blasonierungen bearbeiten und das hier einfach als "Orchideenfach" weiterführen. Ganz besonders würde mich jedoch freuen, wenn jemand mal was Entsprechendes zur englischen Heraldik bei Gelegenheit machen könnte.
Wichtige "Pièces" la fasce = der Balken burèle = Leiste (schmaler Balken) le pal = der Pfahl vergene = der Stab (schmaler Pfahl) le chef = das Schildhaupt champagne = Schildfuß la bande = der Schrägbalken/Schrägrechtsbalken la cotice = der Schrägfaden/Schrägrechtsfaden la barre = der Schräglinksbalken la traverse = la cotice en barre = der Schräglinksfaden le sautoir = der Schragen, das Andreaskreuz les cotices en sautoir = les traverses en sautoir = Leistenschragen le chevron = der Sparren la bordure = der Bord l'orle = Innenbord l'écusson = Herzschild
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« Letzte Änderung: 27. April 2009, 20:53:48 von Herold-vom-Rhein »
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #17 am: 27. April 2009, 20:53:07 » |
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Fallübung: Pièce und gemeine Figur - was liegt oben bzw. unten?In Wappen haben wir es häufig mit mehreren Ebenen zu tun. Es ist oft hilfreich, sich einen Schild als ein aus mehreren Schichtlagen sukzessive aufgebautes Gebilde vorzustellen. Ist ein Objekt A, das eine Ebene höher liegt als ein Objekt B, dann ist B belegt mit A, sofern A kleiner ist als B. Was aber, wenn A größer ist als B und über dessen Ränder hinausragt? Im Französischen ist das Zauberwort "brochant, brochante" - über etwas spannen, an etwas angeheftet sein, über etwas hinweggehen, das kann alles durch dieses Wort ausgedrückt werden. Das, was "broschiert", liegt immer oben. Im Deutschen ergibt sich häufig die logische Abfolge durch die Reihenfolge, oder man drückt die Staffelung in der Tiefe durch "darüber" o.ä. aus. Im Französischen entscheidet die korrekte Platzierung des Wortes "brochant, brochante" über die Lage einer Schicht.  Deutsch: 1 = In Gold mit rotem Schräglinksbalken ein rotgezungter und -bewehrter, schwarzer Löwe. 2 = In Gold ein rotgezungter und -bewehrter, schwarzer Löwe, darüber ein roter Schräglinksbalken. 3 = In Gold mit rotem Balken ein rotgezungter und -bewehrter, schwarzer Löwe. 4 = In Gold ein rotgezungter und -bewehrter, schwarzer Löwe, darüber ein roter Schräglinksbalken. Französisch: 1 = D'or, à la barre de gueules, au lion de sable, armé et lampassé de gueules, brochant" oder präziser "....de gueules, brochant sur le tout" oder ganz präzise "....de gueules, brochant la barre" 2 = D'or, au lion de sable, armé et lampassé de gueules, à la barre de gueules, brochante" oder präziser "....de gueules, brochante sur le tout" oder ganz präzise "....de gueules, brochante le lion" 3 = D'or, à la fasce de gueules, au lion de sable, armé et lampassé de gueules, brochant" oder präziser "....de gueules, brochant sur le tout" oder ganz präzise "....de gueules, brochant la fasce" 4 = D'or, au lion de sable, armé et lampassé de gueules, à la fasce de gueules, brochante" oder präziser "....de gueules, brochante sur le tout" oder ganz präzise "....de gueules, brochante le lion" Anmerkung: Ist es eine Brisur (Einbruch), dann arbeitet man nicht mit dem Begriff "brochant, brochante". Ein simples "au bâton péri en barre" würde einen Einbruch beschreiben.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #18 am: 27. April 2009, 21:42:00 » |
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Fallübung: Rechtsgestellt und linksgestelltMehrere Objekte können gemeinsam in einer gewissen Anordnung im Schild stehen, dann spricht man von "rangé, rangée". Und sie können zusätzlich eine individuelle Ausrichtung in Bezug auf die Schildkanten haben, dann spricht man von "posé, posée". Wird keine Lage angegeben, ist es immer die aufrechte oder naheliegende. Anordnung insgesamt und individuelle Ausrichtung können verschieden sein, z. B. das eine "en barre" (schräglinksbalkenweise), das andere "en bande" (schrägrechtsbalkenweise). Jeder dieser Ausdrücke kann mit "rangé" oder "posé" kombiniert werden. Sind sie gleich, wiederholt man ungern das Wort, sondern verwendet eine der diversen Möglichkeiten für "genauso", z. B. "de même". Gibt es äußere Begrenzungen, so können auch hier abweichende Lagen blasoniert werden. Ist die Lage die naheliegende, z. B. der Figur folgende, braucht sie nicht unbedingt angegeben zu werden. Ein paar Beispiele mit Rauten (la fusée, les fusées):  Deutsch: 1 = In Gold drei blaue, schräggestellte Rauten schrägbalkenweise. 2 = In Silber ein mit drei goldenen, (schräggestellten) Rauten belegter blauer Schrägbalken. 3 = In Blau sechs goldene, schräglinksgestellte Rauten schrägbalkenweise. 4 = In Rot ein mit sechs blauen, schräglinksgestellten Rauten belegter goldener Schrägbalken. Französisch: 1 = D'or à trois fusées d'azur rangées en bande posées de même. 2 = D'argent à la bande d'azur, chargée de trois fusées (posées en bande, oder: posées de même). 3 = D'azur à six fusées d'or rangées en bande et posées en barre. 4 = De gueules à la bande d'or, chargée de six fusées posées en barre.
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Gernot
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« Antworten #19 am: 28. April 2009, 07:59:18 » |
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Mal eine kurze Zwischenfrage: Ist es zu komplex, zu viel, zu wenig, zu simpel, zu doof, zu schwer, zu falsch, zu abgefahren - wie soll es weitergehen, damit es was bringt?
Ich lese es mit Interesse und Gewinn und bin drauf und dran die Texte zur jederzeitigen Verwendung in ein lokales Verzeichnis zu kopieren. Eine aktuelle Anwendungsmöglichkeit habe ich freilich nicht, abgesehen vom willkommenen Anlass mein altes Schulfranzösisch etwas abzustauben. Ich gestehe freilich, das Übungsbeispiel habe ich ausgelassen, die erforderliche Konzentration war nicht aufzubringen. Trotzdem würde ich es bedauern, solltest du das Projekt vorzeitig abbrechen. Und - Wink mit dem Zaunpfahl - sowas könnte man doch auch in Englisch machen...
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Gernot
Weiß der Geier...
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #20 am: 28. April 2009, 08:44:22 » |
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Ach ja, zur Literatur: Bei den realen Beispielen habe ich eine unersetzliche Hilfe: Den Loutsch, die "Bibel" für Luxemburg und Umgebung:
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974, Publications Nationales Du Ministère des Arts et des Sciences, Imprimerie Saint-Paul, Société Anonyme, Luxembourg
Für das Vokabular sind herkömmliche Lexika unzureichend. Da ist "vol" der Diebstahl und nicht der Flug. Hier ist die Wappenbilderordnung eine unersetzliche Hilfe, denn der Band 2 ist ein Register in allen drei relevanten Sprachen.
Wer mit dem Rietstap arbeitet, kommt im Grunde ohne diesen Band daneben auf dem Tisch nicht aus.
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Petra
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« Antworten #21 am: 28. April 2009, 08:49:22 » |
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Leider spreche ich nicht einen Brocken Französisch. Vor Jahren habe ich mich mit zwei aufgeschriebenen Sätzen durch Frankreich gefragt. excusemon je ne pal pa francais? parle vous anglais o germain? Danach ging es mit Händen und Füßen weiter.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #23 am: 28. April 2009, 23:27:48 » |
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Beispiel: Freiherren de MesnilDie Freiherren de Mesnil (de Mesnil de Volkrange) sind eine französische und luxemburgische Familie, ein uradeliges Geschlecht aus der Gegend von Bastogne. Sie hieß hieß früher angeblich d'Hyves. 2.12.1709 spanischer und 3.5.1721 Reichsfreiherrenstand für Jean Francois Joseph de Mesnil. Bestätigung in den Niederlanden.  Wir haben hier zwei Elemente verschiedener Art gleicher Farbe, aber unterschiedlicher Sorte. Zum einen haben wir mit den drei Balken ein "pièce", zum anderen haben wir mit dem Stern ein "meuble". Beide sind Rot. Im Deutschen hätten wir kein Problem damit, zu formulieren: In Silber drei rote Balken, zwischen dem obersten und dem mittleren ein fünfstrahliger roter Stern. Die französische Blasonierung hat die doppelte Nennung einer Farbe eigentlich gar nicht gerne. Man versucht nun irgendwie, eine zweifache Farbnennung zu vermeiden, wenn es ohne Verlust der Eindeutigkeit möglich ist. Typische Worte dazu sind: du même (genauso tingiert), du premier (wie ersterer tingiert), du second (wie der zweite tingiert), de la figure (wie die Figur tingiert), du champ (wie das Feld tingiert), du meuble (wie die gemeine Figur tingiert), oder, wie wir es schon weiter oben hatten, de l'un en l'autre (in verwechselten Farben) usw. Im Deutschen würde so etwas ungewöhnlich klingen und länger sein als vorher: In Silber drei rote Balken, zwischen dem obersten und dem mittleren ein fünfstrahliger Stern von Balkenfarbe. Im Französischen ist es jedoch guter Stil, zu sagen, der Stern sei "du même", von gleicher Farbe wie die Balken. Also beginnen wir: Feldfarbe - pièce - meuble: Feldfarbe = D'argent. Pièce = drei rote Balken = trois fasces de gueules. Meuble = ein Stern = une étoile, näher spezifiziert hinsichtlich seiner Lage: une étoile entre les deux premières fasces. Nehmen wir alles zusammen: D'argent à trois fasces de gueules, une étoile du même entre les deux premières - kurz und ohne jede verbale Redundanz. Nun zur Helmzier: Auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein fünfstrahliger roter Stern oben angestemmt zwischen einem silbernen, mit je drei roten Balken belegten Adlerflug. Hier haben wir auch zweimal die Farbe Rot, doch ein "du même" würde hier nicht genau klären, ob es sich auf die Farbe Silber oder auf die farbe Rot bezieht, daher: Cimier: Une étoile de gueules entre un vol d'argent à trois fasces de gueules. Vokabeln:du même = genauso du premier = wie ersterer du second = wie der zweite la figure = die Figur le champ = das Feld de l'un en l'autre = in verwechselten Farben une étoile = ein Stern entre = zwischen premier, première = erste/erster un vol = ein Flug
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #24 am: 29. April 2009, 00:52:27 » |
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Beispiel Freiherren de TrauxDie Freiherren de Traux bzw. Traux de Wardin sind luxemburgischer Uradel (d'ancienne noblesse), erstmalig mit Wernard de Traux, Herr von Ozo, 1484 erschienen. Ein Familienzweig (une branche), die nach Österreich ausgewandert war (émigrée en Autriche), bekam am 26.4.1803 den Reichsfreiherrenstand für Pierre Joseph de Traux als Freiherr Traux de Wardin. 3.12.1844 Anerkennung durch König Leopold I. Weitere Zweige in Belgien.  Hier kommt die Anordnung mehrerer gleichartiger Elemente im Schild ins Spiel. "Rangé" bedeutet "angeordnet", "posé" bedeutet "gelegt". "Rangé" bezieht sich auf eine Gruppe gleicher Elemente, "posé" bezieht sich auf das einzelne Element. Hier stehen die Rauten (la fusée, les fusées) senkrecht, also liegt der Normalfall vor, und es braucht kein "posées" beschrieben zu werden. Aber die Rauten sind deutlich "rangées", nämlich in Form eines Balkens: "Rangées en fasce". Alternative Anordnungen wären die Anordnung schrägbalkenweise (rangées en bande) oder schräglinksbalkenweise (rangées en barre) oder gar pfahlweise (rangées en pal). Die Rauten stehen "normal", also vertikal (posées à plomb = lotrecht). Da das der Normalfall ist, wird es bei freistehenden Rauten nicht erwähnt. Also wäre das zugrundeliegende System bislang: "D'argent à cinq fusées de gueules rangées en fasce". Jetzt zu den Kleinteilen: Hier begegnet uns eine der wichtigsten Figuren der französischen Heraldik, identitätsstiftendes Symbol Frankreichs, die Lilie, die fleur de lis. Freilich hier nicht auf blau, sondern der mittleren roten Raute aufgelegt. "Aufgelegt" - dieses Erreichen einer neuen Ebene wird mit "chargé, chargée" eingeleitet, "beladen, belegt". Die mittlere Raute ist "chargée de qc" - was jetzt näher präzisiert wird. Insgesamt haben wir: D'argent à cinq fusées de gueules rangées en fasce, celle du milieu chargée d'une fleur de lis d'or - zu deutsch: In Silber fünf rote Rauten balkenweise, die mittlere mit einer goldenen Lilie belegt. Der Stammhelm trägt einen golden bewehrten, schwarzen, oberhalben Hirsch - un daim naissant de sable, accorné d'or. Der Hirsch wird hier als Damhirsch (le daim) präzisiert, üblicher Ausdrücke für einen Hirsch ist auch "le cerf". "Gehörnt" ist "accorné". Hier wird im Blason das Wort "naissant" benutzt, das ist etwas anderes als "issant". Bedeutet letzteres "wachsend", so ist ersteres "oberhalb". Später kamen übrigens noch zwei weitere Helme hinzu, ein wachsender silberner Adler, auf Brust und Flügeln mit den Wecken aus dem Schild belegt, ferner ein rotgezungter, rotbewehrter wachsender goldener Löwe. Vokabeln: ranger = ordnen, reihen, anordnen rangé, rangée = angeordnet poser = setzen, stellen, legen posé = gelegt (rangés, rangées) en fasce = balkenweise (rangés, rangées) en bande = schrägbalkenweise (rangés, rangées) en barre = schräglinksbalkenweise (rangés, rangées) en pal = pfahlweise à plomb = lotrecht (vgl. Bleilot!) la fusée = die Raute (außerhalb der Heraldik: die Rakete) la fleur = die Blüte le lis = le lys = die Lilie la fleur de lis = la fleur de lys = die Lilienblüte, her. Lilie charger = beladen, belegen, befrachten chargé, chargée de qc. = belegt, beladen mit etw. cel, celle = derjenige, diejenige le milieu = die Mitte celle du milieu = die in der Mitte un daim = ein Damhirsch naissant = entstehend, her. oberhalb la corne = das Horn, das Gehörn accorné, accornée = gehörnt le cerf = der Hirsch ancien, ancienne = alt la noblesse = der Adel émigrer = auswandern Autriche = Österreich une branche = ein Zweig ach ja, und eine gute Nachricht: Das Bisherige hat den Segen aus Frankreich erhalten.
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« Letzte Änderung: 29. April 2009, 01:00:43 von Herold-vom-Rhein »
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Gernot
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« Antworten #25 am: 29. April 2009, 08:13:49 » |
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ach ja, und eine gute Nachricht: Das Bisherige hat den Segen aus Frankreich erhalten.
Wäre je etwas anderes zu erwarten gewesen?
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Gernot
Weiß der Geier...
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #26 am: 29. April 2009, 10:35:11 » |
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ach ja, und eine gute Nachricht: Das Bisherige hat den Segen aus Frankreich erhalten.
Wäre je etwas anderes zu erwarten gewesen? Muß los, Blumenvase kaufen. 
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #27 am: 29. April 2009, 11:33:02 » |
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Beispiel: Comte de Briey, Baron de LandresDie Grafen de Briey und Freiherren von Landres sind lothringer Uradel, ferner kommt das Geschlecht in Luxemburg vor. Ihr erster Name war de Landres, nach einem kleinen Dorf in Meurthe et Moselle, danach nannten sie sich nach ihrem neuen Wohnort Briey.  Hier begegnen uns modifizierte Objekte: In Gold schwebend drei unten zugespitzte rote Pfähle. Die neuen, jetzt benötigten Adjektive sind alésé = schwebend = abgeledigt = alaisé einerseits und fiché = fußgespitzt andererseits. Beide werden dem Substantiv nachgestellt, aber noch vor der Farbbezeichnung gelistet. Bei der Gelegenheit ein paar allgemeine Worte zur Reihenfolge eines französischen Blasons: Man beginnt grundsätzlich und immer mit dem Schild. Erst wenn der gesamte Schild abgearbeitet ist, kommt man zum Oberwappen. Das ist im Deutschen nicht anders. Im Schild beginnt man immer mit dem Feld. Schildteilungen werden zuerst angesprochen (la lecture du blason débute par son partitionnement, s'il existe), dann die "pièces", dann die "meubles". Auch dies ist im Deutschen prinzipiell genauso, wenn auch nicht so starr in der Ausformulierung. Im vorliegenden Fall haben wir keine Teilung, der Punkt entfällt, wir beginnen also mit dem Feld und seiner Farbe (dans ce cas on commence avec l'émail du champ principal), dann kommen die Objekte mit ihren Farben (suivi par des charges avec leur émaux respectifs), hier eine gemeine Figur, die wir aber als aus einem pièce ableiten. Wären mehrere Objekte vorhanden, beginnt man immer mit dem Hauptobjekt und geht dann zu den Nebenobjekten über (lorsqu'on a plusieurs charges, on blasonne en priorité les pièces et les meubles principaux). Die pièces werden vor den meubles beschrieben (les pièces sont énumérées avant les meubles), da letztere meistens den ersteren aufliegen oder sich in ihrer Lage an ihnen orientieren. Haben wir mehrere Objekte, so sind die in der Schildmitte immer die wichtigsten, und mit diesen beginnt man. Wie geht man nun bei einem pièce weiter vor? Man beginnt mit seinem Namen (le nom), bei mehreren identischen pièces kommt vorher noch deren Anzahl (le nombre), der Name wird gefolgt vom Umriß (le contour) des pièce, sofern die Linie keine gerade ist (ist es gebogen, gezähnt, gezinnt, gedornt?) und seinem Zustand (l'état), wenn er vom Normalzustand abweicht (failli = verstutzt, ausgebrochen, fiché, alésé etc.). Danach kommt in der Reihenfolge die Farbe des pièce (l'émail), danach seine flächige Gestaltung, sofern eine vorliegt, also wenn das pièce "rempli" ist mit irgendwas (geschacht, gerautet, bestreut, besät etc.). Wenn all dies in der Ebene des pièce abgearbeitet ist, springt man zur nächsthöheren Ebene und beschreibt die meubles, die auf dem pièce als charge liegen. Ehe wir diese besprechen, noch eine Ausnahme: Haben wir eine mehrfache regelmäßige Teilung (un rebattement) und sind die pièces Teil derselben, wird die Anzahl der Farbbezeichnung nachgestellt (Bsp.: Palé d'azur et d'argent de six pièces = palé d'azur et d'argent (6) - von Blau und Silber zu sechs Plätzen gespalten). Für die meubles geht man nun analog vor: Anzahl (sofern abweichend von 1), Name, besondere Charakteristika (caractéristique particulière), Haltung (la posture), Lage und Orientierung (l'orientation) in Bezug auf die Schildränder (sofern abweichend von Normalstellung, si l'une diffère de sa caractéristique par défaut), Farbe, Attribute, sofern farblich abweichend (Zunge, Kralle, Hörner etc.). Im Deutschen kann man sagen drei (1) rote (2), silbernbewehrte (3) und -gezungte (4), schreitende (5) Löwen (6) - im Französischen ist eine andere Reihenfolge zwingend: trois (1) lions (6) passants (5) de gueules (2), armés (3) et lampassés d'argent (4), entsprechend der oben geforderten Reihenfolge. Die Lage auf dem Schild bei mehreren gleichen meubles (la position sur l'écu), eingeleitet durch "rangé, rangée" und die Orientierung in Bezug auf die Schildränder (l'orientation), eingeleitet durch "posé, posée), wurden bereits im vorherigen Beispiel erläutert. Also haben wir hier, um nach diesen prinzipiellen Überlegungen auf die Grafen von Briey zurückzukommen: D'or à trois pals alésés et fichés de gueules, entsprechend der Reihenfolge l'émail du champ (fond de l'écu) - charges (le nombre - le nom - l'état - l'émail). Helmzier: Auf dem gekrönten Helme schwebend ein roter Hut, gehalten von zwei auswärtsgebogenen, durch die Krempe gestochenen grünen Palmzweigen. Decken rot-golden. Cimier: Un chapeau de gueules, percé aux bord de deux palmes de sinople. Vokabeln:le pal = der Pfahl le palé = mehrfach gespalten alésé = alaisé = schwebend = abgeledigt fiché = fußgespitzt débuter = beginnen le début = der Beginn le partitionnement = die Schildaufteilung le cas = der Fall commencer = beginnen, anfangen l'émail du champ = Feldfarbe suivre = folgen plusieur, plusieurs = mehrere principal, principaux = hauptsächlich énumérer = aufzählen avant = vor le nom = der Name le nombre = die Anzahl le contour = der Umriß l'état = der Zustand failli = verstutzt, ausgebrochen remplir = füllen, ausfüllen un rebattement = eine mehrfache regelmäßige Teilung le fond de l'écu = Schildfarbe le chapeau = der Hut percer = durchstechen le bord = der Rand la palme = der Palmwedel
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #28 am: 29. April 2009, 14:50:21 » |
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Beispiel: Grafen Marchant d'AnsembourgAus der luxemburgischen Familie der Marchant bekam Lambert Joseph de Marchant, Herr zu Ansembourg, Koryck, Siebenborn und Useldange am 16.7.1750 in Wien den Reichsgrafenstand ("Comte du Saint-Empire") mit Namenszusatz "d'Ansembourg" und Wappenbesserung sowie Prädikat "Hoch- und Wohlgeboren". Dieses ist das vermehrte Wappen der Familie:  In diesem Wappen können wir viele oben besprochene Sachen wiederfinden. Betrachten wir jedes Feld erst einzeln und beginnen wir mit dem Hauptschild: In Feld 1 finden wir in Gold einen rot gekrönten, roten Löwen. Hier greift wieder die Regel, daß man nur höchst ungern eine Farbbezeichnung wiederholt und viel lieber mit Wörten wie "genauso" arbeitet: D'or au lion de gueules, couronné du même. In Feld 2 haben wir ein rotes Feld unter einem silbernen Schildhaupt mit schwarzem Schräggitter (fretté). Im Diplom wird es abweichend angegeben mit "chef de sable chargé de losanges d'argent". Solches liegt hier nicht vor, wegen der Farbregel ist die Basisfarbe Silber und nicht Schwarz. Interessant ist aber hier das Wort für Raute: "Losange" und "fusée" bezeichnen beide eine Raute, die "fusée" ist aber die länglichere, spitzere Variante, die "losange" ist mehr ein auf die Spitze gestelltes Quadrat. Aber "fretté" ist hier zutreffender als das Wort im Diplom. Die Reihenfolge-Regel greift hier, zuerst wird das Feld mit der Hauptfarbe (de gueules) genannt, dann das silberne (d'argent) Schildhaupt (le chef): De gueules au chef d'argent fretté de sable. In Feld 3 begegnet uns wieder das oben Gesagte zu "brochant": "In silbern-blauem Eisenhutfeh ein roter Balken" wird zu " de vair, à la fasce de gueules brochant". Im Diplom wird übrigens nicht von "vair" gesprochen, obwohl das viel einfacher wäre, sondern von einem silbernen, mit blauen Eisenhüten besäten Feld: D'argent semé de chapeaux de fer d'azur. In Feld 4 finden wir in Gold einen rotgezungten und -bewehrten schwarzen Adler. Dazu sei angemerkt, daß zwei Worte "mit herausgeschlagender Zunge" bedeuten: Das Wort "lampassé, lampassée" ist uns schon beim Löwen begegnet und das geeignete Wort für solche Raubtiere. Bei Vögeln und Haustieren nimmt man gerne für "gezungt" das Wort "langué, languée". Dieses Feld wird also mit " d'or à l'aigle de sable, languée de gueules" treffend beschrieben. Nun zum Herzschild. Auch hier zunächst jedes Feld einzeln: Feld 1 und 4 enthalten in Silber einen doppelschwänzigen, golden gekrönten, golden gezungten, schwarzen Löwen. Diese ganzen Attribute lauten im Französischen: " D'argent au lion de sable à queue fourchue, couronné, armé et lampassé d'or". Der Schwanz ist hier wörtlich ein "verzweigter" Schwanz, fourchu, fourchue oder fourché, fourchée. Eine "la fourche" ist die Gabel, eine "la fourche à faner" wäre eine Heugabel. Anmerkung: Zunge und Bewehrung werden im Loutsch zwar als rot angegeben, würden aber so weder zur logischen Entwicklung noch zum entsprechenden Löwen in der Hemzier passen. Feld 2 und 3 zeigen in Silber eine dreieckige schwarze Egge, also ganz schlicht " d'argent à la herse de sable". "La herse" bedeutet aber nicht nur Egge, sondern auch Fallgatter. Ein Tor, welches "hersé" ist, ist mit einem Fallgatter versehen, ein alternatives Wort wäre übrigens "coulissé", mit einem in einem Falz gleitenden Tor. Man findet auch den Ausdruck "la herse sarrasine" für ein Fallgatter. Hier jedoch ist die Bedeutung "Egge" zutreffend. Jetzt kommen wir zum eigentlich Spannenden: Wie werden diese 8 Felder mit 6 unterschiedlichen, auf zwei Schilde verteilten Inhalten verknüpft? Wenn ein Schild geviert ist, heißt er "écartelé". Da er ebenfalls geviert ist, ist der Herzchild "contre-écartelé". Hauptschild und Herzschild werden mit "sur le tout" verknüft, "über dem Ganzen". Also lautet der korrekte Aufbau des Gesamt-Blasons: " Écartelé.......sur le tout.......contre-écartelé......". Die einzelnen Felder werden mit à angegeben, beim Herzschild mit nur zwei Komponenten genügt "et": " Écartelé: au 1 ......, au 2 ....., au 3 ......, au 4 ........, sur le tout contre-écartelé ...... et ........" Selbstverständlich kann auch der Herzschild alleine nur als "écartelé" angesprochen werden: " Écartelé: aux 1 et 2 ....., aux 3 et 4 ........." - man achte auf die Verwendung von Singular und Plural bei der Ansprache der Felder. Gibt es keine figürlichen Inhalte in den Felder, können die Zahlen entfallen, z. B. écartelé d'argent et de gueules - von Silber und Rot geviert, damit ist automatisch klar, daß 1 et 4 d'argent sind sowie 2 et 3 de gueules - wie im Deutschen auch. Insgesamt kommen wir also zu folgendem Blason: " Écartelé: au 1 d'or au lion de gueules, couronné du même, au 2 de gueules au chef d'argent fretté de sable, au 3 de vair, à la fasce de gueules brochant, au 4 d'or à l'aigle de sable, languée de gueules. Sur le tout contre-écartelé d'argent au lion de sable à queue fourchue, couronné, armé et lampassé d'or, et d'argent à la herse de sable." Zum Oberwappen: Helm 1 (Mitte): gekrönt, ein schwarzer Adler, Decken schwarz-golden ( une aigle de sable). Helm 2 (optisch links der Mitte): gekrönt, doppelschwänziger schwarzer Löwe wachsend, nach innen gekehrt, golden gekrönt, gezungt und bewehrt. Decken schwarz-silbern ( un lion issant contourné de sable, armé, lampassé et couronné d'or). Helm 3 (optisch rechts der Mitte): gekrönt, ein rot gekrönter, roter Löwe wachsend, Decken rot-golden ( un lion de gueules couronné du même). Helm 4 (optisch links außen): gekrönt, ein Flügel (oder Flug), tingiert wie Feld 2 (Rot unter einem silbernen Schildhaupt mit schwarzem Schräggitter), Decken rot-silbern ( un vol aux armes de 2). Helm 5 (optisch rechts außen): gekrönt, drei grüne Straußenfedern, Decken blau-silbern ( trois plumes d'autruche de sinople). Vokabeln:contourné = linksgekehrt la couronne = die Krone couronné = gekrönt du même = genauso fretté = schräggegittert le chef = Schildhaupt le losange = die Raute la fusée = die (länglichere) Raute brochant = darüberhinweggehend vair = Eisenhutfeh semé = besät, bestreut le chapeau de fer = der Eisenhut lampassé, lampassée = mit herausgeschlagener Zunge bei Raubtieren langué, languée = mit herausgeschlagener Zunge bei Vögeln und Haustieren la queue = der Schwanz, der Schweif, außerhalb der Heraldik auch: die Warteschlange, das Zugende fourchu, fourchue = fourché, fourchée = verzweigt, gegabelt la fourche = die Gabel la fourche à faner = die Heugabel la herse = Egge, Fallgatter. hersé = mit einem Fallgatter versehen la herse sarrasine = das Fallgatter écartelé = geviert contre-écartelé = gegen-geviert sur le tout = über dem Ganzen une aigle = der Adler de sable = schwarz de sinople = grün un vol = ein Flug la plume d'autruche = die Straußenfeder
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« Letzte Änderung: 07. Mai 2009, 00:40:04 von Herold-vom-Rhein »
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #29 am: 29. April 2009, 15:10:04 » |
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Wer traut sich nun, dafür einen französischen Blason zu schreiben?  (bekannte Abbildung aus Burghausen) einzige zusätzlich nötige Vokabeln: fuselé = gerautet le globe terrestre = Weltkugel le globe impérial = Reichsapfel alles andere steht oben.
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« Letzte Änderung: 29. April 2009, 15:19:27 von Herold-vom-Rhein »
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