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Autor Thema: französischer heraldischer Sprachkurs  (Gelesen 5677 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 16. April 2009, 12:30:12 »

Teil 1: Französische heraldische Farben und Farbbezeichnungen
Die Farbbezeichnungen der französischen Heraldik sind nicht die gängigen heutigen umgangssprachlichen Farbbezeichnungen, sondern traditionelle. Die englische Heraldik verwendet übrigens ähnliche, aber nicht immer die selben Bezeichnungen. Die heraldischen Tinkturen (les couleurs f.) werden wie in Deutschland in die Farben im engeren Sinne (les émaux m., sg. émail) und in die Metalle (les métaux m., sg. métal) geschieden:

Silber = Argent, nicht hingegen blanc (weiß)!
Gold = Or, nicht dagegen jaune (gelb)!
Rot = Gueules, nicht dagegen rouge!
Blau = Azur, nicht dagegen bleu!
Grün = Sinople, nicht gagegen vert!
Schwarz = Sable, nicht dagegen noir!

Daneben sind manche Farben in der französischen Heraldik anzutreffen, die bei uns in Deutschland nicht zum akzeptablen Farbenkanon gehören:

Purpur = Pourpre
Orange = Orange
Braun = tanné, nicht hingegen marron!

Auch für das Pelzwerk (fourrures f.) existieren Spezialbegriffe:

Eisenhutfeh = Vair, auch beffroi, immer blau-silber, bei anderen Farben heißt es vairé, z. B. vairé de gueules et d'or, was dem deutschen Buntfeh entspricht.
Sturzfeh = vair renversé
Pfahlfeh = vair en pal, vairé en pal
Gegeneisenhutfeh = Contrevair
Krückenfeh = vair potencé
Hermelin = Hermine, Hermelinschwänzchen = mouchetures f., wörtl. Tüpfel
natürliches Hermelin = hermine au naturel
Gegenhermelin = Contre Hermine
Goldhermelin = d'or semé de mouchetures d'hermine; hermine d'or
Gegengoldhermelin = de sable semé de mouchetures d'hermine d'or; contre-hermine d'or
Kürsch = plumeté
Wolkenfeh = vair à l'antiques
Doppelwolkenfeh = vair nebulé

Sonstige Farbangaben:

naturfarben = naturel
Hautfarben, fleischfarben = de carnation f.
Schraffuren = les hachures, la hachure
verwechselte Farben = de l'un en l'autre
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« Antworten #1 am: 20. April 2009, 19:23:37 »

Französische heraldische Basisvokabeln
Die grundlegenden Ausdrücke der Heraldik (l'héraldique) und der heraldischen Kunst (l'art héraldique) sollen uns nun beschäftigen. Vier Ausdrücke gibt es für die Benennung eines Wappens, je nachdem, welcher Aspekt im Vordergrund steht, die aber in der Praxis stellvertretend füreinander benutzt werden:

l'écu (m.) = der Schild, der Wappenschild, Träger heraldischer Symbolik. Ist mehr der Schild als Schutzschild im technischen Sinne ohne heraldische Bedeutung gemeint, spricht man von "le bouclier". L'écu = le bouclier qui sert de support à la figuration héraldique. L'écusson (m.) = der Wappenschild, Schildchen, Herzschild, auch das Abzeichen. Streng genommen ist der Wappenschild nicht identisch mit dem Wappen, auch wenn es umgangssprachlich gleichermaßen gebraucht wird, weil sich in einem Schild z. B. bei einem Ehewappen auch mehrere Wappen befinden können.
le blason = der Blason, die Beschreibung der signifikanten Elemente einer heraldischen Gestaltung, also der gestalterische Inhalt einer Wappens in Form von Worten.
les armes = das Wappen als identifizierendes Rechtsgut, die auf einen Schild gemalten und in Worten definierbaren Inhalte, die den Träger identifizieren und sich einem Rechteinhaber zuordnen lassen, aber nicht notwendigerweise als gegenständliches Objekt gemeint, auch das Wappen im figurativen Sinne, man würde den Ausdruck auch für Wappeninhalte auf Fahnen, Stickereien, Kleidungsstücken etc. anwenden.
les armoiries (f., immer Pl.) = Wappendarstellung, das Wappen im Sinne eines künstlerisch ausgearbeiteten oder graphisch dargestellten (Voll)wappens, immer an die Anbringung in Form eines Wappenschildes geknüpft, mit ggf. Oberwappen, Prunkstücken etc., oder eine Anordnung mehrerer Schilde. Staatswappen heißt z. B. "les armoiries d'État", wobei die künstlerische Ausformung bei diesem Begriff im Vordergrund steht.

Interessant ist, welche Redewendungen heraldische Basisausdrücke verwenden:
redorer son blason = wörtlich: seinen Blason neu vergolden, fig. für: reich einheiraten, oder, je nach Zusammenhang: sein Image aufpolieren
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Gernot
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« Antworten #2 am: 22. April 2009, 08:09:18 »

...redorer son blason...
Wunderschön, das muss ich mir unbedingt merken.
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Gernot

Weiß der Geier...
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« Antworten #3 am: 23. April 2009, 01:52:50 »

Aufbau eines Wappens:
l'écu (m.) = der (heraldisch belegte) Schild
le champ = das Feld, die Oberfläche eines Schildes, ggf. partitioniert
le timbre = Oberwappen, entweder Helm mit Helmzier oder Bischofsmütze oder Rangkrone o.ä.
le heaume = der Helm. Generelle Vokabel, die "Helm" bedeutet: le casque. Le heaume ist eher der Helm, der für Turniere verwendet wird. Le heaume cylindrique = Topfhelm, le heaume à grille = Bügelhelm
le cimier = Helmzier
le volet = frühe Helmdecke, die nur aus einem kurzen Tuch besteht, les lambrequins = spätere, gezaddelte Helmdecken
le tortil = Helmwulst (häufigeres Wort)
le bourrelet = Helmwulst
la couronne = Krone, couronne murale = Mauerkrone, couronne navale = Schiffskrone, une couronne nobiliaire à trois fleurons et deux perles = Helmkrone, Laubkrone
le collier = Ordenskette eines Ritterordens (un ordre chevaleresque), z. B. vom Goldenen Vlies = la Toison d'Or
la devise = Devise, Motto, cri de guerre
le manteau = Wappenmantel
le pavillon = Wappenzelt
les partitions = Schildteilungen
le lambel = Turnierkragen

Das Französische kennt drei verschiedene Ausdrücke für Schildhalter
les supports = tierische Schildhalter, Hunde, Löwen, Einhörner, Drachen
les tenants = menschliche Schildhalter: Engel, Wilde Männer, Mohren, Mönche, Ritter
les soutiens = pflanzliche oder andere unbeseelte Schildhalter, Bäume, Äste, Pfeiler, Säulen

Das Französische benennt Schildinhalte (les charges) wie folgt:
les pièces = geometrische Heroldsstücke: Sparren, Schildhaupt, Spitze, Balken, Deichsel, Pfahl, Bord, Schragen Schildchen etc.
les meubles = gemeine Figuren, "bewegliche" Inhalte: Löwe, Rose, Stern, Lilie etc.
« Letzte Änderung: 28. April 2009, 23:55:19 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #4 am: 23. April 2009, 02:03:11 »

Wichtige französische Schildteilungen
Die grundsätzlichen Schildteilungen werden wie folgt benannt:
parti = gespalten. Parti de X et de Y = gespalten von X und Y.
Coupé = geteilt. Coupé de X et de Y = geteilt von X und Y.
Tranché = schrägrechtsgeteilt. Tranché de X et de Y = schrägrechtsgeteilt von X und Y.
Taillé = schräglinksgeteilt. Taillé de X et de Y = schräglinksgeteilt von X und Y.
Écartelé = geviert. Écartelé de X et de Y = geviert von X und Y.
Écartelé en sautoir = schräggeviert. Écartelé en sautoir de X et de Y = schräggeviert von X und Y.
Gironné = geständert. Gironné de 16 pièces de X et de Y = zu 16 Plätzen geständert von X und Y.
« Letzte Änderung: 26. April 2009, 07:57:03 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #5 am: 26. April 2009, 07:56:46 »

Schildteilungen zu drei Farben
tiercé en fasce de... = zweimal geteilt von X, Y und Z
tiercé en pal de... = zweimal gespalten von X, Y und Z
tiercé en bande de... = zweimal schräggeteilt von X, Y und Z
tiercé en barre de... = zweimal schräglinksgeteilt von X, Y und Z
tiercé en pairle de... = im Deichselschnitt gespalten von X, Y und Z
coupé mi-parti en pointe de... = geteilt und halbgespalten von X, Y und Z
coupé mi-parti en chef de... = halbgespalten und geteilt von X, Y und Z
parti mi-coupé à dextre de... = halbgeteilt und gespalten von X, Y und Z
parti mi-coupé à senestre de... = gespalten und halbgeteilt von X, Y und Z
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« Antworten #6 am: 26. April 2009, 15:17:35 »

Beispiel: Freiherren von der Heyden
Diese mittlerweile erloschene Familie gehört zum rheinländisch-luxemburgischen Uradel.



Was liegt vor? Ein Schild (écu), dessen Grundfarbe silbern (argent) ist, trägt ein "pièce", einen Balken (la fasce). Wir sagen im Deutschen "In Silber", im Französischen "de", "von Silber", also "D'argent". Im Deutschen stellen wir Adjektive voran, also "ein schwarzer Balken", im Französischen ist der Balken "von Schwarz", also "une fasce de sable", ebenfalls mit hintangestellter Farbbezeichnung. Ber Balken wird von gemeinen Figuren (les meubles) begleitet, das können wir wörtlich übersetzen: "accompagnée". Der Löwe ist "le lion", die Farbbezeichnung wird nachgestellt, also: "....accompagnée de trois lions de gueules". Nun, was für ein Löwe ist es? Steigt er, dann ist er "rampant", schreitet er, dann ist er "passant", schaut er her, ist er "la tête posée de face" oder "taré en front". Hier ist es ein steigender Löwe, wiewohl es auch eine Variante mit schreitenden Löwen bei diesem Wappen gibt. Nehmen wir alles zusammen, dann entspricht der deutschen Blasonierung "In Silber ein schwarzer Balken, begleitet von 3 (2:1) roten Löwen" im Französischen "D'argent à la fasce de sable, accompagnée de trois lions rampants de gueules". Die Helmzier (le cimier) wäre ein wachsender (issant), roter (de gueules) Löwe (le lion), die Helmdecken wären rot-silbern. Oder noch einfacher: Ein Löwe wie im Schild, wachsend. Also: Cimier un lion issant de l'écu.

Vokabeln:
l'écu = Schild
d'argent = silbern
de sable = schwarz
de gueules = rot
pièce = Heroldsstück
la fasce = Balken
les meubles = gemeine Figuren
accompagnée de = begleitet von
le lion = Löwe
rampant = steigend - Eselsbrücke: "Rampe hoch"
passant = schreitend - Eselsbrücke: passierend
issant = hervorkommend, wachsend
la tête posée de face = taré en front = hersehend
regardant = widersehend
le cimier = Helmzier
de l'écu = wie im Schild
« Letzte Änderung: 26. April 2009, 17:08:56 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #7 am: 26. April 2009, 15:52:35 »

Beispiel: Lontzen, gen. Roben
Dieses Geschlecht stammt aus der Eifel und kam auch in Luxemburg vor.



Wo fangen wir an? Wir lassen erst einmal die Abweichungen weg und gehen von einem goldenen (or) Schild (écu) aus, der als Grundstruktur und Heroldsbild (pièce) ein rotes (de gueules) Kreuz (la croix) trägt: "D'or à la croix de gueules". Das Wörtchen "à" ist ein vielfältig verwendbares Wort, um Belegungen und sonstige Verbindungen anzuzeigen. Nun wird das Kreuz näher durch im Deutschen vorangestellte, im Französischen nachgestellte Adjektive beschrieben: Es ist gedornt (engreslé), also "D'or à la croix engreslée de gueules". jetzt zu den Abweichungen: Das erste Viertel ist nämlich abweichend von silberner Grundfarbe: "le premier quartier d'argent", und es ist mit einem Stern belegt. Das "belegt mit" wird im Französischen am einfachsten mit "à" gelöst: "le premier quartier à une étoile". Der Stern muß näher bezeichnet werden, denn er ist schwarz (de sable) und sechsstrahlig (à six rais). Insgesamt ergibt sich für die deutsche Blasonierung "In Gold ein gedorntes, durchgehendes rotes Kreuz, das erste Viertel silbern und belegt mit einem schwarzen, fünf- bis sechsstrahligen Stern. " im Französischen "D'or à la croix engreslée de gueules, le premier quartier d'argent à une étoile à six rais de sable". Nun zur Helmzier. Nach Loutsch ist das ein wie der Schild bez. rundes Schirmbrett, besetzt mit drei schwarzen Straußenfedern, oder auch eine goldene Lilie. Helmdecken rot-golden. Schirmbrett - hierfür wird das selbe Wort benutzt, das auch einen Computerbildschirm bezeichnet: "L'écran m.". Es ist wie der Schild bezeichnet: "aux armes de l'écu". Und es ist rund (rond). Es wird überhöht (surmonté, wörtl. überstiegen) von drei schwarzen (de sable) Straußenfedern (plumes d'autruche). Also insgesamt: "Cimier un écran rond aux armes de l'écu, surmonté de trois plumes d'autruche de sable." Nach Gruber ist die Helmzier übrigens eine mit schwarzen Hahnenfedern besteckte goldene Kugel.

Vokabeln:
l'écu = Schild
d'or = golden
de sable = schwarz
d'argent = silbern
de gueules = rot
pièce = Heroldsstück
la croix = das Kreuz
engreslé = gedornt
le quartier = das Viertel
le premier quartier = das 1. Viertel
une étoile = ein Stern
six = sechs
le rai = Strahl
à six rais = sechsstrahlig
le cimier = Helmzier
l'écran m. = Schirmbrett
rond = rund
surmonté de = überhöht von
aux armes de l'écu = mit den Inhalten des Schildes
la plume = die Feder
l'autruche f. = der Strauß
une plume d'autruche = eine Straußenfeder
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« Antworten #8 am: 26. April 2009, 16:44:39 »

Beispiel: de Feller
Die de Feller gehörten zum luxemburgischen Adel und erhielten den Reichsadelsstand 28.1.1741 für Dominique de Feller, Sekretär des Rates von Brabant. Die Familie ist mittlerweile erloschen.



Wir sehen ein Heroldsbild, das von drei gleichen gemeinen Figuren begleitet wird. Also ist die Reihenfolge der Ansprache: Grundfarbe des Schildes (écu), dann das "pièce", dann die gemeinen Figuren (meubles). Die Grundfarbe des Schildes ist blau, und im Französischen wird aus "In Blau" ein "Von Blau" - "D'azur". Das "pièce" ist ein Sparren (le chevron). Er ist golden (d'or), die Farbbezeichnung wird nachgestellt. Schild und Sparren werden mit der Allerweltsverknüpfung "à" verbunden. Nun zu den Kleeblättern: Wenn der Sparren selbst damit belegt wäre, würde man wieder mit "à" weitermachen, da er aber begleitet wird, übersetzen wir das wörtlich: "accompagné", wobei sich die Form des Adjektivs nach dem pièce richtet, ist es la fasce, der Balken, heißt es accompagnée, hier ist es le chevron, also accompagné. Von was begleitet? Das Kleeblatt ist le trèfle, und es ist silbern (d'argent). Die Stellung ergibt sich aus der Dreizahl der Objekte, passend zu den drei Lücken, deshalb sind die Angaben ausreichend. Also lautet der deutsche Blason "In Blau ein goldener Sparren, begleitet von drei (2:1) silbernen Kleeblättern" im Französischen "D'azur au chevron d'or, accompagné de trois trèfles d'argent." Zur Helmzier: Immer taucht das Kleeblatt aus dem Schild auf, entweder alleine ("Un trèfle de l'écu), oder auch zwischen einem rechts blauen und links silbernen Flug (parfois entre un vol d'azur et d'argent). Es findet sich auch folgende Beschreibung: Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken ein schwarzer Kremphut ("Südwester") mit schwarzem Bande, welches rechts (vorn) mit einem silbernen Kleeblatt besteckt ist (ou un chaperon de sable portant un trèfle de l'écu).

Vokabeln:
l'écu = der Schild
d'azur = blau
d'or = golden
d'argent = silbern
de sable = schwarz
le chevron = der Sparren
la pièce = das Heroldsbild
accompagné de = begleitet von
un trèfle = ein Kleeblatt
trois = drei
parfois = manchmal
un vol = ein Flug
un chaperon = Kappe, Turnierhut
porter = tragen
portant = tragend
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« Antworten #9 am: 26. April 2009, 17:54:48 »

Übung:
So, ich finde, ich habe genug für heute getan. Wer schreibt für dieses Wappen einen französischen Blason?
In Gold ein rotes Schragenkreuz, bewinkelt von vier grünen Seeblättern, Herzschild: In Silber ein roter Drache. Drei gekrönte Helme: der rote Drache wachsend, ein silberner, rotgezungter Pferderumpf, ein schwarzer Adler.



Vokabeln:
l'écu = der Schild
un écu en coeur = ein Herzschild
un écusson en abîme = Herzschild
l'abîme m. = die Kluft
un écusson en coeur = Herzschild
brochant = etwas broschierend, über etwas liegen, an etwas geheftet sein
le sautoir = das Andreas- oder Schragenkreuz
les meubles = die gemeinen Figuren
la feuille = das Blatt
le nénuphar = die Seerose
issant = wachsend, hervorkommend
la tête = der Kopf
quatre = vier
cantonner = einquartieren, unterbringen
charger de = beladen, belegen mit
le dragon = der Drache
ailé = geflügelt
le serpent = die Schlange
la patte = die Pfote, Pranke, Tatze
d'or = golden
d'argent = silbern
de sinople = grün
une aigle = der Adler
lampassé = gezungt
le cheval = das Pferd
sur le tout = über allem

Zur Motivation sei angemerkt, daß der Rietstap, eines der wichtigsten Nachschlagewerke der Heraldik, komplett in Französisch abgefaßt ist.
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« Antworten #10 am: 27. April 2009, 19:38:25 »

Eine Auflösungsmöglichkeit:

Neue Schwierigkeit: Uns begegnet in dieser Serie zum ersten Mal ein Herzschild. Wir haben zwei Möglichkeiten, das zu beschreiben: Ein Herzschild wird écu en coeur genannt, un écusson en abîme, un écusson en coeur. Oder man sagt einfach: "sur le tout" und macht mit den Inhalten des Herzschildes weiter. Hier begegnet uns eine Möglichkeit, ein Blasonierungs-Universalwort einzusetzen: "brochant". Dieses Wort bedeutet, daß ein Objekt über alles darunterliegende hinweggeht, sich über andere Linien hinüberzieht, etwas überdeckt, vor etwas liegt - wie eine Brosche über Teile der Kleidung spannt. Also, um es ganz genau zu machen, kann man schreiben: "un écusson en coeur brochant", wenn man betonen will, daß der Herzschild über allem liegt und nicht ein Schildchen irgendwo in einen freien Platz gequetscht wurde. Beginnen wir mit dem Hauptschild: Das Grundfeld ist golden, also beginnen wir mit "D'or". Das Heroldsbild ist ein Andreas- oder Schragenkreuz (le sautoir). Beide werden mit der Universalverknüpfung "à" verbunden. Nun kommen die gemeinen Figuren (meubles), die Seeblätter (feuilles de nénuphar). Nénuphar ist die Seerose. Der Schragen wird von den vier (quatre) Blättern bewinkelt, der Schragen ist also "cantonné de". Das Verb "cantonner" bedeutet unterbringen, einquartieren. Der Herzschild ist belegt (chargé = beladen) mit einem roten Drachen. Eine geflügelte Drachenschlange ohne Beine, aber mit Flügeln wäre un serpent dragonné ailé, ein Drache mit Flügeln und mit Beinen wäre ein dragon ailé, und ein Drache ohne Flügel, aber mit vier Beinen, also ein Lindwurm, wäre ein dragon à quatre pattes. Nehmen wir alles zusammen, haben wir für den deutschen Blason "In Gold ein rotes Schragenkreuz, bewinkelt von vier grünen, rund ausgeschnittenen, aufrechten Seeblättern, Herzschild: In Silber ein roter Drache" das französische Äquivalent: "D'or au sautoir de gueules cantonné de quatre feuilles de nénuphar de sinople, un écusson en coeur brochant d'argent, chargé d'un dragon ailé de gueules." Oder kürzer: "D'or au sautoir de gueules cantonné de quatre feuilles de nénuphar de sinople, sur le tout d'argent, au dragon ailé de gueules." Nun zur Helmzier: Zu Kesselstatt gehört der rote Drache wachsend (un dragon ailé issant de gueules), Helmdecken rot-silbern. Zu Orsbeck gehört ein silberner, rotgezungter Pferderumpf mit rotem Zaum und roten Zügeln (une tête de cheval issante, lampassé de gueules), Helmdecke rot-silbern. Im reichsgräflichen Wappen kommt noch ein schwarzer Adler als Helmzier vor (une aigle de sable).
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« Antworten #11 am: 27. April 2009, 19:39:37 »

Teilung von Schild und/oder gemeiner Figur: Eine Fallunterscheidung
Wie sehr die französische Kunst der Blasonierung logisch aufgebaut ist und in wenigen, unterschiedlichen Konstruktionen gänzlich unterschiedliche Zusammenhänge beschreibt, soll an diesem Beispiel erläutert werden: Der Schild (l'écu) und/oder der Löwe (le lion) ist/sind geteilt (coupé). Der Löwe ist rotbewehrt (armé de gueules) und rotgezungt (lampassé de gueules) und ansonsten aufrecht (rampant). Da "rampant" der als natürlich und selbstverständlich angesehenen Stellung eines Löwen entspricht, wird dieses präzisierende Wort nur verwendet, wenn es besonders wichtig erscheint, genau diese Stellung zu betonen, ansonsten nicht. Ohne Teilung wäre es "De X au lion (rampant) de Y armé et lampassé de gueules". Nun kommt es darauf an, was wie geteilt ist:



Deutsch:

    * 1 = Im von Gold und Blau geteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter Löwe in verwechselten Farben.
    * 2 = Im von Gold und Blau geteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter, von Blau und Silber geteilter Löwe.
    * 3 = In Blau ein rotgezungter und -bewehrter, von Gold und Silber geteilter Löwe.
    * 4 = Im von Silber und Gold geteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter, blauer Löwe.

Französisch:

    * 1 = Coupé d'or et d'azur, au lion de l'un en l'autre, armé et lampassé de gueules"
    * 2 = Coupé d'or et d'azur, au lion coupé d'azur et d'argent, armé et lampassé de gueules"
    * 3 = D'azur au lion coupé d'or et d'argent, armé et lampassé de gueules"
    * 4 = Coupé d'argent et d'or, au lion d'azur, armé et lampassé de gueules"
« Letzte Änderung: 28. April 2009, 23:53:31 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #12 am: 27. April 2009, 19:40:37 »

Schräglinksteilung von Schild und/oder gemeiner Figur: Eine Fallunterscheidung
Ganz analog soll der Fall eines schäglinksgeteilten Feldes und/oder Inhaltes durchgespielt werden: Der Schild (l'écu) und/oder der Löwe (le lion) ist/sind schräglinksgeteilt (taillé).



Deutsch:

    * 1 = Im von Blau und Gold schräglinksgeteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter Löwe in verwechselten Farben.
    * 2 = Im von Blau und Gold schräglinksgeteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter, von Silber und Blau schräglinksgeteilter Löwe.
    * 3 = Im von Gold und Silber schräglinksgeteilten Schild ein rotgezungter und -bewehrter, blauer Löwe.
    * 4 = In Blau ein rotgezungter und -bewehrter, von Gold und Silber schräglinksgeteilter Löwe.

Französisch:

    * 1 = Taillé d'azur et d'or, au lion de l'un en l'autre, armé et lampassé de gueules"
    * 2 = Taillé d'azur et d'or, au lion taillé d'argent et d'azur, armé et lampassé de gueules"
    * 3 = Taillé d'or et d'argent, au lion d'azur, armé et lampassé de gueules"
    * 4 = D'azur au lion taillé d'or et d'argent, armé et lampassé de gueules"
« Letzte Änderung: 28. April 2009, 23:53:08 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #13 am: 27. April 2009, 20:00:38 »

Mal eine kurze Zwischenfrage: Ist es zu komplex, zu viel, zu wenig, zu simpel, zu doof, zu schwer, zu falsch, zu abgefahren - wie soll es weitergehen, damit es was bringt?
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Bernhard Fox
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« Antworten #14 am: 27. April 2009, 20:06:36 »

Da ich leider kein Wort französisch kann, ist es zu abgefahren für mich.    Weinen
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