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Autor Thema: Heraldik in Sachsen  (Gelesen 6706 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 08. März 2009, 21:58:30 »

Eine herausragende Gruppe heraldischer Denkmäler in Sachsen: Kursächsische Postdistanzsäulen - ein Dokument der Heraldik und der Postgeschichte sowie der Kartographie zugleich - hier mal en bloc aufgearbeitet

http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1092.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1093.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1094.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1095.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1096.htm
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Alex
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« Antworten #1 am: 09. März 2009, 09:02:24 »

Ja, das ist mal was besonderes... hast DU toll gemacht.
Ciao
Alex
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #2 am: 11. März 2009, 10:14:48 »

historische Hintergründe zur Allianz Sachsen-Polen-Litauen

Die Union von Polen und Litauen
Bei den Postdistanzsäulen (und anderswo) begegnet uns im kurfürstlich-königlichen Wappen die feste Kombination Polen und Litauen. Wie kam es zu dieser Verbindung? Über welche Staatsform herrschten die beiden sächsischen Kurfürsten? Dazu ein kurzer Blick in die litauische Geschichte:

Aufstieg Litauens
Die zu den Balten zählenden litauischen Stämme wurden im 13. Jh. an der oberen Memel und Düna durch Mindaugas (Mindowe, gest. 1263) zusammengefaßt. Litauen wurde im 14. Jh. eine osteuropäische Größe, als es sich als Großfürstentum über weit größere Teile als Litauen selbst erstreckte, nämlich Territorien der heutigen Staaten Polen, Rußland, Weißrußland und der Ukraine, denn viele ostslawische Fürsten hatten sich dem Großfürstentum nach der Zerschlagung des Kiewer Rus angeschlossen. Der Aufstieg vollzog sich im wesentlichen unter Großfürst Gediminas (Gedimin, 1316-1340), dem Gründer des heutiges Vilnius, und dessen Söhnen Algirdas und Kestutis, und die litauischen Großfürsten ("Magnus Dux Littwanie, Samathie et Rusie") füllten das Machtvakuum nach dem Untergang des Kiewer Rus. Zwei andere Mächte bedrohten diese Stellung, im Westen war es der Deutsche Orden, gegen dessen Expansionsbestrebungen man sich siegreich zur Wehr setzte, im Osten war es das konkurrierend erstarkende Großfürstentum Moskau, das sich als legitimen Nachfolger des Kiewer Rus ansah.

Personalunion mit Polen
1386 kam es zu einer ersten Union mit Polen, das war im wesentlichen eine am 14.8.1385 vereinbarte Personalunion zwischen beiden Ländern, die in der Union von Krewo (Kreva (lit.), Krewa (russ.)) unter dem litauischen Großfürst Jogaila (1348-1434, 1377-1401 Großfürst, 1386-1399 polnischer König) zustande kam, der 1386 als Wladyslaw II. Jagiello durch Heirat der minderjährigen polnischen Thronerbin Hedwig (Jadwiga, 1373-1399, reg. 1382-1399) den polnischen Thron bestiegen hatte. Litauen war damals territorial weit größer und mächtiger als Polen. In dieser Union verpflichtete sich Litauen zur Rückgabe besetzter Gebieten an Polen und die Abtretung südlicher Territorien im Gebiet der heutigen Ukraine, zu finanziellem Schadenersatz an den Ex-Verlobten Hedwigs, Herzog Wilhelm von Österreich, ferner zur Konvertierung von König und Adel zum Christentum. Beide Partner dieser Union fühlten sich verbunden im gemeinsamen Interesse der Behauptung zwischen Deutschem Orden einerseits und Großfürstentum Moskau andererseits. Die fruchtbare Zusammenarbeit in militärischer Hinsicht gipfelte in der Schlacht bei Tannenberg und dem überwältigenden Sieg über den Deutschen Orden. Diese Union war noch keine Verschmelzung beider Länder, sondern de facto ein Wechsel der Dynastie in Polen von den Kapetingern aus dem Hause Anjou, dem Hedwig entsprang, zu den Jagiellonen, denn Litauen wurde ab 1401 eigenständig von Vytautas (Witold, 1350-1430, litauischer Großfürst 1401-1430) regiert unter dem nominellen Supremat seines Cousins auf dem polnischen Thron. Dieser gestärkten litauischen Autonomie war die sog. Union von Vilnius und Radom 1401 als Grundlage vorangegangen. Darin wurde insbesondere die Sonderstellung von Vytautas als litauischer Großfürst in Abhängigkeit von Polen geklärt. Im Falle seines Todes sollte Litauen an seinen Vetter auf dem polnischen Thron fallen. Wenn umgekehrt Wladyslaw II. Jagiello zuerst stürbe, sollte Vytautas bei der Wahl eines polnischen Königs zu Rate gezogen werden. Ein weiteres dynastisches Bündnis zwischen beiden Ländern war die sog. Union von Horodlo 1413, worin dem Großherzogtum Litauen ein eigener Großherzog und ein eigenes Parlament zugestanden wurden und der litauische Adel gestärkt wurde. Bei dieser Gelegenheit fand auch die Heraldik nach polnischem Muster Eingang in Litauen. Diese Personalunion beider Staaten währte bis 1569, und sieben Jagiellonen folgten nacheinander noch auf dem polnischen Thron.

Realunion mit Polen
1569 kam es zu einer Realunion zwischen Polen und Litauen. Beide Staaten verschmolzen am 12.8.1569 in der Lubliner Union zu einem, zur polnisch-litauischen Adelsrepublik Polen-Litauen (Rzeczpospolita Korony Polskiej i Wielkiego Ksiestwa Litewskiego oder einfach kurz Rzeczpospolita genannt, Staatliches Gemeinwesen der polnischen Krone und des Großfürstentums Litauen), und bei dieser Gelegenheit wurde auch das Wappen geviert, wurde der litauische Vytis zusammen mit dem polnischen Adler im gevierten Schild vereint. Hintergrund war die bleibende Kinderlosigkeit des Letzten der Jagiellonen, des polnischen Königs Sigismund II. August (1520-1572, reg. 1548-1572), so daß ein Problem abzusehen war: Das Ende der Dynastie. Der vom König einberufene Sejm einigte sich auf Umwandlung der Personalunion in eine Realunion, bei der das Königreich Polen (Korona = "Krone") und das Großfürstentum Litauen (Litwa) de facto zu einer Adelsrepublik mit gemeinsamer Gesetzgebung, gemeinsamem Parlament, gemeinsamem König und einer gemeinsamen Währung vereinigt wurden, einmal abgesehen von gewissen Privilegien sowohl für den jetzt kleineren Partner Litauen als auch für den noch kleineren Partner Königliches Preußen (Polnisch-Preußen, Prusy Królewskie). Aus zwei Staaten wurde der neue Staat Polen-Litauen, aus dem erblichen Königtum wurde ein Wahlkönigtum, der König wurde vom Adel - immerhin ca. 10% der Bevölkerung und damit mehr als in anderen europäischen Ländern - gewählt. So war eine Nachfolgeregelung für die erlöschenden Jagiellonen geschaffen worden. Da Sigismund II. August (1520-1572, reg. 1548-1572) aber noch ein paar Jährchen lebte und regierte, war er das erste Staatsoberhaupt des neuen Staatsgebildes. Das Territorium dieses Staates umfaßte das heutige Weißrußland und große Teile der heutigen Ukraine sowie Teile des westlichen Rußlands nebst einigen kleineren Gebieten; der Vielvölkerstaat hatte um 1600 ff. die größte Ausdehnung. Das Fürstbistum Ermland, das Herzogtum Preußen, das Fürstentum Moldau und das Herzogtum Kurland unterstanden dem Staat als Lehen.

Internationale Könige
Nach dem letzten Jagiellonen Sigismund II. August folgte 1573 Heinrich von Valois (1551-1589, reg. 1573-1574) aus dem Hause der französischen Kapetinger, der dann aber bei passender Gelegenheit 1575 lieber nach der französischen Krone griff, 1575 folgte Stephan Báthory (1533-1586, reg. 1575-1586) aus dem Hause Báthory, einem ungarischen Adelsgeschlecht, nach seiner Ehe mit der als König gewählten Anna Jagiellonica (1523-1596), und dann kam es zu einer anderen dynastischen Kontinuität, drei aufeinanderfolgende Herrscher entstammten dem Hause Wasa, denn König Sigismund III Wasa war seit 1592 bis zu seiner Absetzung durch den schwedischen Reichstag 1599 König von Schweden, und 1592–1599 bestand eine Personalunion zwischen Schweden und Polen-Litauen. Sigismund III Wasa (1566-1632, reg. 1587-1632) wurde von Wladyslaw IV Wasa nachgefolgt (1595-1648, reg. 1632-1648), dieser von Johann II Kasimir Wasa (1609-1672, reg. 1648-1668). 1669 folgte mit Michael Korybut Wisniowiecki (1640-1673, reg. 1669-1673) ein König aus dem Haus Wisniowiecki, 1674 Johann III. Sobieski (1629-1696, reg. 1674-1696) aus dem Haus Sobieski, und 1697 folgten die Wettiner mit August II dem Starken (1670-1733, reg. 1697-1704 und 1709-1733) nach. Das 17. Jh. gilt als Blütezeit des Staates, der sich aus den Wirren und Verwüstungen des 30jährigen Krieges komplett heraushalten konnte. Die auch territorial expandierende Macht wurde erst Ende des 17. Jh. durch Schweden einerseits und Brandenburg-Preußen andererseits eingeschränkt.

Genau dieses Staatswesen, die Adelsrepublik Polen-Litauen, regierten August der Starke als König August II. (1697-1704 und 1709-1733, unterbrochen durch die Niederlage gegen Schweden im Großen Nordischen Krieg) und nach ihm sein Sohn Friedrich August II. als König August III. (1733, 1736-1763) in Personalunion mit ihrem Kurfürstentum Sachsen. Und genau deshalb finden wir beide Schilde und obendrüber die polnische Königskrone.

Ende von Polen-Litauen
Das Staatswesen Polen-Litauen existierte bis zum 3.5.1791. In den Jahren 1772, 1793 und 1795 teilten sich Rußland, Preußen und Österreich, die drei Nachbarländer, Polen-Litauen in drei aufeinander folgenden Teilungen so untereinander auf, daß schließlich von beiden nichts Eigenständiges mehr übrigblieb und die Staaten Litauen und Polen für längere Zeit von der politischen Landkarte verschwanden. Was nach der ersten Teilung noch übrig blieb, fusionierte zu einem Einheitsstaat. Eine neue, freiheitliche, als Folge der Ersten Teilung Polens im Geiste der freiheitlichen Revolution Frankreichs entstandene Verfassung hob die Dualität der bislang bestehenden Verbindung Polen-Litauen auf. Noch war aber ehemals großfürstlich-litauisches Gebiet im Reststaat enthalten. Das endgültige Aus für Polen und Litauen als eigenständige oder gemeinsame Staatswesen kam am 25.11.1795 mit dem Thronverzicht des letzten polnischen Königs Stanislaw August Poniatowski (1732-1798, reg. 1764-1795).
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #3 am: 11. März 2009, 20:37:46 »

Und so geht die Story, von der Ihr schon ein paar Bausteine hier gelesen habt, weiter:

Festung Königstein:
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1097.htm
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Gernot
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« Antworten #4 am: 12. März 2009, 10:09:08 »

Schön. Einfach schön.
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Kevin
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« Antworten #5 am: 19. März 2009, 19:05:10 »

Diese Postsäulen findet man um die Altstadt Freibergs herum ebenso. ich glaube sie waren nicht ganz so aufwendig, sahen aber auch nicht schlecht aus. Im Freiberger Dom St. Marien gibt es auch eine Loge mit den Wappen (Polen und Litauen, darüber als Herzschild das sächsiche Wappen...glube ich). Mein letzer Besuch ist aber schon wieder ein Weilchen her.
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« Antworten #6 am: 19. März 2009, 21:38:43 »

...nimm bitte beim nächsten Mal den Fotoapparat mit...
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« Antworten #7 am: 21. März 2009, 19:48:38 »

Ich hatte ja jedesmal einen Bei und uch Fotografiert... icznsuche mich schon kaputt... wenn ichs finde stelle ich es ein...
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« Antworten #8 am: 22. März 2009, 01:27:12 »

Weimar - Entwicklung der Wettiner-Wappen

http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1101.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1102.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1103.htm
http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/Galerien/galerie1104.htm
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« Antworten #9 am: 22. März 2009, 07:20:43 »


"...
Zwischen zwei Säulen auf hohem Sockel ist das Prunkwappen in ein rechteckiges Feld einbeschreiben
..."

Bitte mal diesen Satz noch mal korrektur lesen. Oder ich versteh ihn einfach nur nicht, ist auch arg früh für einen Sonntag.
Ciao
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« Antworten #10 am: 22. März 2009, 09:51:12 »

Du hast ja so Recht, es sind Halbsäulen. Danke!
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« Antworten #11 am: 22. März 2009, 09:58:35 »

ja so besser, na endlich ist der Fehler mit den "Säulen" berichtigt, das konnte man sich ja einfach nícht länger mit ansehen...
Grinsend
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« Antworten #12 am: 22. März 2009, 10:05:03 »

Vier Augen sehen immer mehr als zwei, und wenn ich spät nachts was fertigschreibe, brauche ich 100 Augen.
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Alex
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« Antworten #13 am: 22. März 2009, 10:08:35 »

das mir das am Sonntag-Morgen um 7 Uhr auffällt ist auch nicht gerade meine Art.... Zwinkernd
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« Antworten #14 am: 22. März 2009, 10:11:32 »

Daneben findet alles Eingang in eine Monographie "Entwicklung der sächsischen Wappen" - das ist uferlos. Weiß gar nicht, wie ich das sinnvoll trenne:
- Komponenten
- Ernestiner
- Albertiner ?
Sonst liegt später die Ladezeit im Minutenbereich.

Ich habe ja noch soviel, was ich gleich mit erschlagen will, die Aufnahmen von Coburg von letztem Jahr z. B. etc.
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