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Autor Thema: Altes Werkzeug als heraldische Motive  (Gelesen 609 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 19. April 2008, 21:36:49 »

Druckerballen

Der Druckerballen ist das traditionelle Symbol der Buchdrucker. Entsprechend wird es sowohl einerseits als Berufswappen für Drückerzünfte oder Druckervereinigungen genommen und als auch andererseits als Wappensymbol für Familien, in denen traditionell das Druckerhandwerk ausgeübt wurde oder deren Namen einen Bezug zum Druckerwesen haben. Kaum ein anderes in der Druckerei benutztes Werkzeug illustriert in so kondensierter Form das Wesen des Druckens, nämlich das Vervielfältigen durch Übertragung von Druckfarbe oder von färbenden Substanzen durch eine eingefärbte Platte auf ein angefeuchtetes Blatt Papier, wobei dem fachgerechten Einfärben der Druckplatte eine besondere Bedeutung zukommt, wenn man ein gutes Druckergebnis haben möchte. Wo man heute die Farbschicht durch Einwalzen per Farbauftragswalze auf die Druckplatte überträgt, benutzte man früher den Druckerballen. Um genau zu sein, diese Methode war schon Bestandteil der Gutenbergschen Technik. Damit wird auch deutlich, daß wir hier Bezug nehmen auf den klassischen Hochdruck. Der Ballenmeister hatte dafür zu sorgen, daß der Farbauftrag so gleichmäßig wie möglich und so dünn wie möglich, aber so dick wie für eine gleichmäßige Deckung nötig erfolgte, bevor der Pressenmeister Hand anlegte. Ein solcher Druckerballen ähnelte einem umgedrehten Pilz, ein hölzerner Griff, unten ggf. in einer Platte oder einem Knauf endend, worüber ein Leder gezogen war, welches mit einer Füllung aus Roßhaar oder Werg oder Wolle zur Kugelform ausgestopft war. Das Leder der Bespannung wurde durch spezielle Behandlung aus Hundsleder, Kalbsleder oder Schafleder hergestellt. Das Leder wurde am Rand des hölzernen Stieles entweder angenagelt oder aber mit einer Schnur stramm zugebunden. Man kann sich vorstellen, daß diese Objekte aus stets feuchtem Leder mit der Zeit einen widerlichen Gestank verbreiteten. Man verwendete zwei solcher Ballen, um nach dem Eintauchen in den Druckerschwärzevorratstopf zwischen ihnen die Farbe zu verreiben und zu verteilen, ehe man dann die Farbe auf die Hochdruckplatte durch gleichmäßiges Abrollen der Ballen auf der Satzkolumne übertrug, einen Ballen in jeder Hand. Deswegen tauchen sie in der Heraldik auch häufig paarweise auf.



Abb.: zwei verschiedene gestürzte Druckerballen, zwei schräggekreuzte Druckerballen

Vorkommen des Symbols Druckerballen bei bürgerlichen Wappen:

    * Fischer, DWR Band 63, S. 37, Nr. 10192/98: Im durch Zickzackschnitt gespaltenen Schild vorn in Blau ein einwärts gekehrter silberner Fisch pfahlweise, hinten in Silber zwei einander zugewendete rote Druckerballen, pfahlweise.
    * Seidenschwarz, Hiendorf, Gde. Mindelstetten, Kr. Eichstatt geb. 1828, DWR Band 64, S. 26, Nr. 10248/99: In Gold ein schwarzer Pfahl, begleitet von je einem schwarzen Druckerballen.
    * Dieckert, Königsberg/Preußen 1931 DWR Band 2 , S. 17, Nr. 1622/31: In Rot eine mit einer roten goldenbesamten Rose mit grünen Kelchblättern belegte aufsteigende eingebogene Spitze, oben begleitet von zwei gestürzten goldenen Druckerballen.
    * Wastl, Schrittenz, Bzg. Iglau/Mähren, geb. 1722, DWR Band 57, S. 60, Nr. 4693/43: In Grün zwei gekreuzte, aufwärts gerichtete, goldengegriffte silberne Schwerter, bewinkelt von vier gestürzten goldengestielten silbernen Druckerballen.
    * Kepner, Eppingen, Krs. Sinsheim, geb. 1760, DWR Band 34, S. 44, Nr. 7548/80: In rot-golden gespaltenem Schild über einem gestürzten golden-schwarz gespaltenen Druckerballen eine golden-schwarz gespaltene oben beknopfte Kappe mit rot-golden gespaltener Krempe und herabhängenden Bändern.
    * Schmidt, Löbau/Sachsen, geb. 1814, DWR Band 43, S. 27, Nr. 8333/84: In Rot zwei einwärts gekehrte, s-förmig liegende verschränkte silberne Hufeisen, der obere und der untere Stollen je mit einem schwarzen Druckerballen besetzt.
    * Siebert, Bartenstein/Ostpr., geb. 1748, DWR Band 27, S. 57, Nr. 6899/74: In Rot über silbernem Wellenschildfuß zwei schräggekreuzte silbern-golden geteilte Doppelhaken, bewinkelt von vier nach der Figur gelegten goldenen Druckerballen.
    * Syngrenius, Wien 1510-1545, Wappen eines Buchdruckers, Siebmacher Band Berufe, S. 23 , T. 31: Über einem Balken ein Löwe ,der in der rechten Hand einen Druckerballen hält und (mit verwechselter Tinktur) durch den Balken geteilt ist.
    * Montanus, Signet eines Buchdruckers aus Nürnberg, Siebmacher Band Berufe, S. 23 , T. 32: Innerhalb eines Kranzes ein hoher Berg, unten mit einem Tor mit Fallgatter und offenen Türen; hinter dem Berg kommt rechts und links je ein Arm hervor, der einen Druckerballen hält; oben wächst ein geharnischter Merkur mit Schlangenstab, an der rechten Seite ein Schwert tragend.
    * Uekermann, Lippe, Siebmacher Band Bürgerliche 8, S. 86, T. 100: Gespalten von Gold und Rot, vorn am Spalt ein halber schwarzer Adler, rot bewehrt und mit rotem Nimbus, in der Kralle einen Druckerballen haltend; hinten ein silberner Krug, mit goldenen Gerstenähren besteckt.
    * Gehring, Berlin, Siebmacher Band Bürgerliche 12, S. 71, T. 93: In Blau zwei schräggekreuzte silberne Kielfedern, überlegt von einem goldenen Folianten mit natürlichem Beschlag, dessen Vorderdeckel in der Mitte belegt ist mit einem roten Schildchen, darin ein goldener Druckerballen mit schwarzem Leder.
    * Lüders, Braunschweig 1921, Siebmacher Band Bürgerliche 12, S. 73, T. 96: Unter blauem Schildhaupt, das mit zwei goldenen Sternen belegt ist, in Gold ein rotgezungter schwarzer Doppeladler, dessen Brust belegt ist mit einem silbernen Schildchen, darin zwei Druckerballen aufeinander, in den Fängen Ballen und Setzerwinkel.
    * Buschmann, Hamburg, geb. vor 1675, DWR Band 9, S. 35, Nr. 2401/37: In Silber ein aus der linken Oberecke hervorkommender, blau mit rotem Aufschlag bekleideter rechter Arm, der einen rotgestielten blauen Einfärbeballen hält.

Vorkommen des Symbols Druckerballen bei Berufswappen und Zunftwappen:

    * Lithographen u. Steindrucker, Siebmacher Band Berufe, S. 16, T. 22: Geteilt, oben eine Steindruckerwalze im rot-golden schräggeteilten Felde, unten in Blau ein lithographischer Stein, darauf ein Druckerballen.
    * Formschneider, Siebmacher Band Berufe, S. 17, T. 21: Der Schild ist silbern-schwarz geteilt und enthält zwei schräggekreuzte blaue Schnitzmesser mit goldenen Griffen, überhöht von einem schwarzem Druckerballen mit goldenem Griffe.
    * Lithographen u. Steindrucker, Siebmacher Band Berufe, S. 16 , T. 22: 1. Blau, mit einem rechten u. linken goldenen Freiviertel, darin ein aus 'SNE' gebildetes Monogramm. Im Schilde ein goldenes Winkelmaß (Dreieck), eine senkrecht gestellte Bleistifthülse mit Bleistiften oben und unten, schrägrechts drei Pinsel, schräglinks drei Graviernadeln. 2. Geteilt: Oben eine Steindruckerwalze im rot-golden schräggeteilten Feld; unten in Blau ein lithographischer Stein, darauf ein Druckerballen.
    * Buchdrucker, 1551, Siebmacher Band Berufe, S. 23, T. 32: Im von Gold (oder Silber) und Schwarz schräglinks geteilten Schilde einen gekrönten Löwen verwechselter Tinktur, der in der rechten Vorderpranke einen Druckerballen hält; auf dem Ballen steht ein Kreuzchen, dessen rechter Arm ein Kreuz ist (Hausmarke).
    * Buchdrucker, Jena 1657, Siebmacher Band Berufe, S. 25, T. 32: Im Schild ein Greif in Goldstickerei, der zwei silberne Druckerballen in den Fängen hält.
    * Buchdrucker-Gesellschaft, Frankfurt a. O., Siebmacher Band Berufe , S. 25 , T. 33: Zwei aufeinandergelegte Druckerballen.
    * Buchdrucker, Nürnberg, Siebmacher Band Berufe, S. 25, T. 32: Im Schild einen einfachen Adler, der in der rechten Kralle zwei aufeinandergesetzte Druckerballen; in der linken Kralle einen Winkelhaken hält.
    * Buchdrucker, Leipzig, Siebmacher Band Berufe, S. 25, T. 32: Zwei schräggekreuzte Druckerballen, begleitet von drei (2,1) Sternen.
    * Buchdrucker-Gesellschaft, Berlin, Siebmacher Band Berufe, S. 25, T. 33: Aus dem linken Rande des Schildes wächst ein Arm, der zwei aufeinandergelegte Druckerballen hält.

Synonyme:
Druckerstempel, Einfärbeballen, tampon d'imprimeur (frz.), dabber (engl.), ink-ball (engl.)
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