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Autor Thema: Küchengeräte in der Heraldik  (Gelesen 593 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 16. April 2008, 12:08:08 »

Grapen

Ein altes Herdgerät
Ein Grapen ist ein altes Küchenutensil, das schon seit dem 12. Jh. bekannt ist. Das Material war zunächst gebrannter Ton, später Bronze. Erst wurden sie in verlorener Form gegossen, später in mehrteiligen Formen. Das Typische eines Grapen ist die bauchig-kugelige Form zur Aufnahme des zu erhitzenden Gutes, und das Vorhandensein dreier Standbeine. Das ist der charakteristische Unterschied zum Kessel, denn der besitzt diese nicht, dafür aber immer einen Henkel, an dem er an diversen Vorrichtungen (Kesselhaken) über das Feuer gehängt wurde. Ein Grapen dagegen wurde in das Feuer oder besser in die Glut gestellt. Damit ist der wesentliche Nachteil gegenüber dem Kessel schon deutlich - eine Temperaturregelung durch Höherhängen ist bei einem Grapen in der Regel nicht möglich, die Gefahr des Anbrennens viel größer. Umgekehrt wird auch der Vorteil gegenüber einem Kessel deutlich: Ein Grapen braucht keine Vorrichtungen wie Haken oder Dreibein oder Kesselhaken, sondern kann auf Reisen oder im Lager unter einfachsten Bedingungen direkt in die Glut des Lagerfeuers gestellt werden, während Kessel komplizierter zu handhaben sind.



Zur Handhabung kann ein Grapen verschieden geformte Griffe haben. Größere Grapen, wie sie zum Kochen für mehrere Personen verwendet wurden, besitzen zwei Henkel, auf jeder Seite einer. Kleinere Grapen, auch diese gab es, konnten mit einem einzigen seitlichen Handgriff versehen werden. Das kann auch nur ein Ansatz mit Loch sein, um da noch einen zusätzlichen, verlängernden Stab zu verkeilen. Die Form und Nützlichkeit eines Grapen war nicht nur auf's Kochen beschränkt, genauso wurden Grapen kleineren Ausmaßes für chemische Prozesse oder zur Zubereitung von Pflanzen-Dekokten zur Medizinherstellung benutzt, solche handlichen, kleineren Grapen hatten dann den seitlichen Griff zur Handhabe. Wenn "ein Grapen" blasoniert ist, sind prinzipiell beide Formen möglich. Sinnvoll ist es daher, anzugeben, ob es sich um einen doppelhenkeligen Grapen oder um einen Grapen mit seitlichem Griff handelt. Ohne Angabe ist meistens ein doppelhenkeliger Grapen gemeint. Selten ist die Darstellung mit Henkel quer über die Öffnung, das wäre eine Hybridform, die die Benutzung an einem höhenverstellbaren Kesselhaken gestattete, aber auch solche Darstellungen sind zu finden. Die Füße eines Grapen konnten als Tierfüße gestaltet sein. Im 14. Jh. waren die Grapen noch sehr hoch, wurden dann im Laufe der zeit aber immer flacher, behielten aber ihre bauchige Form und den runden Boden bei. Grapen waren seit dem 18. Jh., als das Gußeisen bei den Küchengeräten seinen Siegeszug antrat und neue Formen von Kochtöpfen hervorbrachte, ein Auslaufmodell, dessen Bedeutung rasch gegen Null ging.

Grapen finden sich in der Heraldik gehäuft in Wappen des brandenburgischen, pommerschen und ostpreußischen Heraldik. Zu erwähnen sind insbesondere die redenden Wappen der Familien von Grape, Grappendorf, Pott (ohne Abb.).


 
Beispiele für Wappen mit Grapen:

    * Pottgießer, Essen an der Ruhr, geb. 1703, DWR Band 18, S. 87, Nr. 6147/67: In golden-blau geteiltem Schilde drei (2, 1) Grapen in verwechselten Farben.
    * Abraham, Hamburg, geb. vor 1632, DWR Band 61, S. 33, Nr. 10026/96: In Blau ein weißgekleideter bärtiger Mann mit Kappe, in der erhobenen Rechten eine silberne Maurerkelle, in der angewinkelten Linken einen goldenen Mauerstein haltend, begleitet rechts von einem Haufen von 7 goldenen Mauersteinen, links von einem goldenen Grapen.
    * Roch, Siebmacher Band PrA, S. 70, T. 52: Drei Grapen (1:2) gesetzt.
    * Grape, Siebmacher Band PoA, S. 31, T. 20, Band Pr, S. 149, T. 197, Band PrE, S. 87, T. 73: In Silber drei schwarze Grapen, 2 u. 1 gestellt.
    * Kox, Erp, Kreis Euskirchen, geb. 1814, DWR Band 40, S. 51, Nr. 8039/83: In rot-silbern gespaltenem Schild über einem mit einer Krone belegten Kochkessel (Grapen) zwei Kronen nebeneinander, alles in verwechselten Farben.
    * Logau, 1653, Siebmacher Band SchlA1, S. 64, T. 48: Quadriert; 1. in Blau ein rechts gekehrter silberner Schwan mit aufgeschwungenem Flügel; 2. u. 3. ein schwarzer Grapen in Rot, aus welchem Flammen schlagen; 4. in Blau ein schwarzes, golden beschlagenes geschlossenes Buch mit rotem Schnitt.
    * Holst, Elm, Kreis Rotenburg/Niedersachsen, geb. 1688, DWR Band 40, S. 12, Nr. 7996/83: In Gold ein schwarzer Grapen, überhöht von einem dreiblättrigen, grünen Ulmenzweig.
    * Gröbler, Mahlpfuhl, Kreis Wolmirstedt/Altmark 1675, DWR Band 8, S. 74, Nr. 718(362/37): In blau über golden geteiltem Schilde oben zwei schräggekreuzte goldengestielte silberne Streitkolben mit gebogenen Handgriffen, unten ein schwarzer Grapen.
    * v. Dehn, 1726, Siebmacher Band SH, S. 1, T. 1, und Band MeA, S. 130, T. 73: Stammwappen: Gold mit einem schwarzen dreifüßigen, doppelhenkeligen Grapen, über dem 3 silberne Sterne nebeneinander stehen. Mehrere vermehrte Wappen zeigen das Stammwappen als Herzschild.
    * Stelter, Stolzenburg, Kreis Randow/Pommern, geb. um 1695, DWR Band 42, S. 27, Nr. 8212/84: In Blau eine erhöhte goldene Spitze im Flammenschnitt, belegt mit einem blauen Grapen und begleitet oben von zwei goldenen Sternen.
    * Töpcke, Wittstock an der Dosse, Kreis Ostprignitz, geb. 1868, DWR Band 23, S. 24, Nr. 6431/70: In silbern-rot durch Flammenschnitt geteiltem Schilde oben ein blauer Topf (Grapen), unten ein goldenes Posthorn.
    * Oelhafen, Siebmacher Band Pr, S. 283, T. 335, Blau mit goldenem Löwen, der einen goldenen Öltopf oder Grapen hält.
    * Poth, Thorn, Siebmacher Band Bg8, S. 9, T. 11: Quadriert: 1 und 4: in Silber ein schwarzer Grapen mit einem seitlichen nach außen gekehrten Griff und sichtbarem Stiel eines schräg nach innen gekehrten schwarzen Löffels; 2 und 3: In Silber ein goldener Löwe (?).
    * Pott v. Luberas, geb. 1687, Siebmacher Band OstN, S. 154, T. 100: Geviert, mit goldenem Herzschild, darin ein schwarzer Grapen; 1. in Rot zwei verschränkte silberne Pfeile, 2. in Blau ein auf grünen Wellen schwimmender silberner Schwan, 3. in Blau ein fünfstufiger silberner Mauergiebel, 4. in Rot eine rote, mit goldenen Fransen besetzte Fahne an schräglinks gestelltem goldenen Spieß.
    * Pott, Halberstadt, Siebmacher Band SaA, S. 124, T. 81: Gold mit schwarzem zweihenkeligen Grapen.
    * Devrient, Stettin, geb. 1650, Siebmacher Band Bg13, S. 40, T. 27: In Blau ein freischwebender dreibeiniger silberner Grapen mit 2 Henkeln und roter Innenwandung.
    * Grapengiesser, Wismar, Siebmacher Band Bg8, S. 59 T. 64: In Silber ein goldener Grapen, aus dem drei beblätterte grüne Stiele mit vierblättrigen roten Rosen hervorgehen.
    * Grape, Siebmacher Band BraA, S. 34, T. 19: Schwarz mit 3 goldenen Grapen 2:1 gestellt.
    * Grappendorf, Siebmacher Band BraA, S. 34, T. 19: Gold mit schwarzem Grapen.
    * Grappendorf, Siebmacher Band ThüA, S. 57, T. 44: Gold mit 3 schwarzen Grapen, 2:1 gesetzt.
    * Groppendorf, 1440, Siebmacher Band SaA, S. 57, T. 36, Gold mit drei (2:1) schwarzen Grapen.
    * Magir v. Logau, Siebmacher Band BraA, S. 56, T. 32: Von Blau und Rot quadriert, 1 ein Schwan mit erhobenen Flügeln, 2 und 3 ein schwarzer Grapen, aus welchem Flammen emporlodern, 4. ein schwarzes, geschlossenes Buch mit rotem Schnitt.
    * Schurff, Ranzin, Siebmacher Band PoA, S. 88, T. 55: Gold mit einem schwarzen, dreifüßigen, gehenkelten Grapen.
    * Soeden, Siebmacher Band OstN, S. 204, T. 138: In Silber ein roter Grapen.
    * Watlau, Siebmacher Band PrA, S. 105, T. 76: Drei Grapen (2:1).
    * Voigt, Sadelberg/Kreis Arnswalde, Siebmacher Band PoAE, S. 8, T. 5: Schwarz mit 3 goldenen Grapen, 2:1 gestellt.

Synonyme
Der Grapen, selten: die Grape, marmite (frz.), three-legged pot (engl.)

Literatur:
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B1: Wappenbilder-Ordnung, Bd. 1, Degener Verlag, ISBN 3-87947-114-2
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B2; Wappenbilder-Ordnung Bd. 2. 1991. 393 S. 7 Tafeln mit zahlr. Abb. Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-100-2
Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Von Apfelkreuz bis Zwillingsbalken. Battenberg-Verlag, 2. Auflage 2006, ISBN: 3-86646-010-4
Siebmachers Wappenbücher
O. Borst: Alltagsleben im Mittelalter, Baden-Baden 1998.
W. Dexel: Das Hausgerät Mitteleuropas, Wesen und Wandel der Formen in zwei Jahrtausenden, Berlin 1962.
E. Miklautz, H. Lachmayer, R. Eisendle (Hrsg.): Die Küche. Zur Geschichte eines architektonischen, sozialen und imaginativen Raumes, Wien 1999.
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« Antworten #1 am: 12. Mai 2008, 23:50:38 »

mal ein Photo von einem musealen Teil:

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