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Autor Thema: Geräte zur Salzherstellung in der Heraldik  (Gelesen 720 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 14. April 2008, 21:28:12 »

Salzpfanne

Ein altes Handwerksgerät
Bei der Salzsiedepfanne oder kurz Salzpfanne haben wir es mit einem alten Handwerksgerät zu tun, das heute fast in Vergessenheit geraten ist. Es stammt aus der Salzgewinnung, ist eine Abdampfpfanne und findet sich insbesondere bei Familien, die aus Städten mit Salztradition kommen, die früher diesen Beruf ausübten, evtl. dort Erbsälzer waren oder deren Namen eine Anspielung auf die Salzgewinnung ist (Haller, Heller etc.). Beispielsweise finden wir Salzpfannen in den Familienwappen der Erbsälzer zu Werle etc. Salzgewinnung und Salzhandel war früher ein wichtiges Privileg und Monopol eines Herrschers, das Salzregal, ein königliches Recht, das gegen gewissen finanziellen Ausgleich an Städte verliehen werden konnte. Die Salzsteuer war früher eine wichtge Einnahmequelle.

Salzgewinnung
Salz (Kochsalz, Natriumchlorid) kann auf verschiedene Arten gewonnen werden. Zum einen kann man Salz im Bergbau gewinnen, zum anderen aus Meerwasser, und man kann es aus Sole gewinnen. Die bergmännische Gewinnung in Salzbergwerken ist der Abbau von Salzgestein. Nach dem Abbau mußte das unreine Salz natürlich noch raffiniert werden. Bei der Gewinnung aus Meerwasser nutzt man in hinreichend warmen und flachen Uferbereichen durch kleine Deiche abgetrennte Verdampfungsbecken, die meistens zur stufenweisen Aufkonzentrierung hintereinandergeschaltet sind, so daß die Salzkonzentration der Sole stetig zunimmt und unerwünschte Begleitsalze vorher ausgefällt werden, ehe die Gewinnung des Kochsalzes in Kristallisierbecken erfolgt, wobei das Rohsalz danach noch aufbereitet wird. Bei der solenden Gewinnung nutzt man natürliche Solequellen oder löst aus Salzlagerstätten das Salz in Form von Sole heraus. Die Rohsole wird aufbereitet (gradiert, konzentriert) und durch das Salzsieden auskristallisiert bzw. ausgefällt. Beispiele für bekannte Stätten der Salzgewinnung: Bad Reichenhall, Arc-et-Senans, Lons-le-Saunier und Salins-les-Bains, Salzkammergut, Hallstatt, Bad Ischl, Bex, Berchtesgaden, Königsborn bei Unna, Luisenhall bei Göttingen, Bad Salzungen, Halle an der Saale, Schwäbisch Hall, Werl, Salzgitter, Bad Nauheim.

Salzsiedepfanne
Das Material einer Salzpfanne ist stets Metall, in neuerer Zeit vor allem Eisen. Die Pfanne diente vor allem der Oberflächenvergrößerung, deshalb war sie wie ein großes und flaches Becken mit ebenem Boden konstruiert. Eine typische Größe war 2-4 m Länge, 1-2 m Breite, 20-50 cm Tiefe. Auf einem Holzfeuer (unterschlächtige Feuerung) wurde in diesen Salzsiedepfannen im sog. Siedehaus die Sole eingedampft, bis das Wasser hinreichend verdunstet war und ausgefälltes Speisesalz übrig blieb. Der Prozeß läßt sich in zwei Phasen einteilen: Das Stören und das Soggen. Zuerst wird eine heiß gesättigte Lösung erzeugt. Dazu wird die Sole unter lebhaftem Sieden und wiederholter Abtrennung von Schaum und Schlamm eingeengt. Immer wieder wird frische Sole zugegeben und das Volumen der Pfanne ergänzt, bis diese mit heiß gesättigter Sole gefüllt ist. Diesen Schritt des Aufkonzentrierens und Entfernens von Verunreinigungen mit geringerem Löslichkeitsprodukt nennt man Stören. Diese heiß gesättigte Lösung wird in andere Pfannen übergeleitet, in denen bei verminderter Temperatur und nur leichtem Sieden das Kochsalz auskristallisiert wird. Das Problem ist, daß mit zunehmender Aufkonzentrierung der Siedepunkt der Sole immer höher wird, das physikalisch-chemische Phänomen der Dampfdruckerniedrigung, wodurch das Eindampfen immer schwerer wird. Eine möglichst große Oberfläche ist hier hilfreich, deshalb waren die Salzsiedepfannen sehr flach und groß, und stetes Umrühren verhindert Siedeverzüge. Man konnte aber die Sole nicht gänzlich bis zur Trockne eindampfen, denn dadurch würde die Qualität geringer. Anfangs fällt reines, weißes Kochsalz aus, doch mit zunehmender Aufkonzentrierung fallen auch andere Salze aus, und das Produkt nimmt eine gelblichere Färbung an, die Verunreinigungen des gefällten Produktes nehmen zu. Deshalb wird der Prozeß des Eindampfens ab einem gewissen Zeitpunkt unterbrochen, und die Mutterlauge wird abgelassen. Das Produkt nennt man auch Siedesalz (Kochsalz, daher der Name). Egal, wie das Rohsalz gewonnen wird, die Pfannensiederei war ein ganz wichtiger Schritt zum Auskristallisieren des reinen Salzes, egal ob aus natürlicher Sole oder aus künstlicher Sole. Die letzte in Betrieb befindliche kommerzielle Pfannensiederei Europas war die Saline Luisenhall in Göttingen.

Im Wappenbild präsentiert sich die Salzsiedepfanne meist als rechteckiges, flächiges Objekt mit am Ende gebogenem Ansatz, einzeln oder zu mehreren. Der Ansatz wird oft als Griff interpretiert, was aber in Frage gestellt werden muß, denn aufgrund der Größe der Pfannen und ihres Gewichtes läßt sich das nicht so einfach wie eine Bratpfanne handhaben. Vielmehr nutzte man zum Handhaben der Pfannen die Salzhaken (s. u.) zu mehreren Personen. Möglich wäre, daß hier ein Stutzen zum Überleiten der Sole in andere Pfannen oder zum Ablassen der Mutterlauge nach Beendigung des Eindickprozesses symbolisiert werden soll. Die Darstellung als runde Pfannen mit Stiel gibt es nur einmal aus neuerer Zeit beim Wappen Penner (s. u.). Ob traditionell eckig oder rund, bei der Darstellung sollte jedenfalls gestalterische Nähe zu Bratpfannen vermieden werden und die Größe des Originals bei der Wahl der Darstellung proportional berücksichtigt werden.



Abb.: 3(2:1) Salzpfannen

Beispiele für Wappen mit Salzsiedepfannen:

    * Delitz, Siebmacher Band Preußen, Ergänzungsband, S. 47, T. 39: Quadriert; 1. ein Stern, umgeben oben und unten von je 2 Salzpfannen; 2. und 3. Kopf und Hals eines Greifen, schräglinks von einem Pfeil durchschossen; 4. zackiger Felsen.
    * Mellin, Siebmacher Band Preußen, S. 259, T. 309: Schwarz mit goldenem Querbalken, der mit 3 schwarzen Salzpfannen belegt ist, und darunter ein goldener Stern.
    * Seltzer, Siebmacher Band Preußen, S. 378, T. 425 und Band Sachsen, Abgestorbene, S. 155, T. 101: Von Gold und Rot quadriert; 1 und 4. mit schwarzem Greifen, 2 und 3 mit silbernem, nach innen gekehrten Gemsbock, in 2 mit einem schräglinken, in 3 mit einem schrägrechten silbernen, je mit 3 schwarzen Salzpfannen belegten Balken überdeckt.
    * Erbsälzer von Werl, Siebmacher Band Berufe, S. 70, T. 93: Im schwarzen Schild ein goldener Reichsapfel, von drei (2,1) silbernen Salzpfannen begleitet.
    * Penner, aus Einlage, Kreis Elbing/Westpreußen, geb. um 1702, DWR Band 34, S. 24, N. 7476/80: Unter silbern-schwarz gespaltenem Schildhaupt, darin zwei Kornblumenblüten nebeneinander in verwechselten Farben, blau-golden gespalten mit drei farbgewechselten Wellenstabbalken im Schildfuß; das Ganze überdeckt von zwei schräggekreuzten gesenkten Salzsiedepfannen, die rechte golden, die linke rot.

Synonyme
Salzpfanne, Salzsiedepfanne, chaudrière de saline (frz.), salt-pan (engl.)
« Letzte Änderung: 16. April 2008, 12:17:53 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #1 am: 14. April 2008, 21:29:53 »

Salzhaken

Salzhaken, Pfannhaken, Berlaff
Eng mit der Salzgewinnung verbunden sind auch die Salzhaken, die ein getrenntes Wappenbild bilden. Begrifflich wird das ganz verschieden interpretiert. Salzhaken sind eigentlich Pfannhaken und wurden in den Salzsiedereien zum Aufhängen und Handhaben der Salzsiedepfannen benutzt. Die darstellerischen Grenzen zum Doppelhaken oder Griffhaken sind fließend. Wenn eine Seite als Handgriff gestaltet ist, kann dieser mit dreieckigem oder viereckigem Auge dargestellt werden. Die Form eines Salzhakens kann künstlerisch sehr verschieden umgesetzt werden, so daß sich die Bedeutung oft nur über den Blasonierungstext erschließt. Der Begriff "Salzhaken" umfaßt sehr verschiedenartige Darstellungen von zur Salzgewinnung notwendigem Handwerksgerät. Dargestellt wird manchmal auch ein Berlaff, ein Gerät zum Umrühren der Salzlake beim Aufkonzentrieren, eine Art hölzerner Löffel oder Schieber an einem langen Stiel, mit dem man beim Eindicken durch Bewegen des Breies oberflächliche Verkrustung und Siedeverzüge verhinderte und den bereits ausgefallenen Kristallbrei zusammenschob. Der genaue Unterschied wird im Stadtwappen von Bad Sooden-Allendorf deutlich, wo beide Geräte vorkommen, Pfannhaken und Berlaff.



Abb. Wappen Angern mit zwei schräggekreuzten Salzhaken (Pfannhaken).

Beispiele für Wappen mit Salzhaken:

    * Mörler, Ockstadt, Wetteraukreis, geb. 1679, DWR Band 31, S. 20, Nr. 7225/77: In Silber zwei rote Balken, das Ganze überdeckt von zwei schräggekreuzten schwarzen Salzhaken.
    * Lingner, Schönebeck a. d. Elbe, Kreis Calbe a. d. S., geb. vor 1719, DWR Band 35, S. 17, Nr. 7605/80: In Grün fünf silberne Salzhaken balkenweise, abwechselnd mit den Haken rechtshin und linkshin gelegt.
    * Angern, Siebmacher Band Brandenburger Adel, Abgestorbene, Ergänzungsband, S. 22, T. 14: Schwarz mit 2 silbernen, ins Andreaskreuz gelegten Salzhaken. Angern, Siebmacher Band Alhalt, Abgestorbene, S. 3, T. 1, Mecklenburg, Abgestorbene, S. 124, T. 70, Pommern, Abgestorbene, S. 2, T. 1: Von Silber und Schwarz geteilt mit 2 ins Andreaskreuz gesetzten Salzhaken, unten in ein Dreieck endend, in verwechselten Tinkturen.
    * Berndes, Siebmacher Band Sachsen, Abgestorbene, S. 15, T. 9: Geteilt, oben senkrecht stehender Eichenast mit zwei Eicheln und Blättern, unten zwei gekreuzte Salzhaken.
    * Eckardt; Eckart, Siebmacher Band Anhalt, Abgestorbene, S. 17, T. 9, Sachsen, Abgestorbene, S. 41, T. 25: Geteilt, oben in Silber zwei ins Andreaskreuz gesetzte schwarze Salzhaken, unten geschacht.
    * Eckart, 1638, Siebmacher Band Sachsen, Abgestorbene, S. 41, T. 25: Geteilt, oben zwei gekreuzte Salzhaken, unten ein Salzkorb.
    * Stadt Salzdetfurt, Siebmacher Band Städte, S. 326, T. 313: Drei Salzhaken nebeneinander.
    * Stadt Salzhemmendorf, Siebmacher Städte, S. 326, T. 313: Zwei gekreuzte Salzhaken, über denen der auf dem Rücken liegende und verendende Lindwurm und über ihm das Brustbild des Hl. Georgs.
    * Stadt Bad Sooden-Allendorf: In Rot eine zinnenbekrönte Ringmauer mit Torturm und vier Innentürmen, silbern mit blauen Dächern. Im Torbogen auf rotem Grund schräg gekreuzt ein goldener Pfannhaken und ein ebensolcher Berlaff.

Synonyme
Salzhaken, Pfannenhaken, croc de saunage (frz.), salt-hook (engl.)



Abb.: Wappen Lingner mit Werkzeug zur Salzgewinnung

Literatur:
H. Freydank: Salinengeräte in der Heraldik, in: Saline, Jahresheft Nr. 4 f. d. Verein Dt. Salinen, 1939, S. 37-70
O. Runkel: Die Salzgewinnung in niedersächsischen Städtewappen, in: Montagsbl. (Magdeburg), Jg. 80, 1938, S. 283 f.
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B1: Wappenbilder-Ordnung, Bd. 1, Degener Verlag, ISBN 3-87947-114-2
Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband B2; Wappenbilder-Ordnung Bd. 2. 1991. 393 S. 7 Tafeln mit zahlr. Abb. Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-100-2
Gert Oswald: Lexikon der Heraldik. Von Apfelkreuz bis Zwillingsbalken. Battenberg-Verlag, 2. Auflage 2006, ISBN: 3-86646-010-4
http://members.kabsi.at/seeau/Encyclopaedia/Kompendien/Monografie-Salzgewinnung.htm
Theo Simon, Historische Salzgewinnung in Baden-Württemberg http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/download_pool/museo20_2003_simon_1.pdf
« Letzte Änderung: 16. April 2008, 12:18:08 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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