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Autor Thema: Ahnenbezifferungsysteme - Numerierung der Vorfahren nach Sosa-Stradonitz  (Gelesen 1420 mal)
Manni
Gast
« am: 03. Februar 2008, 13:33:38 »

Die Numerierung der Vorfahren nach Sosa-Stradonitz
Diese Nummerierung, die sich international durchgesetzt hat, war erstmals 1590 durch Michael Eyzinger angewendet worden, dann wieder 1676 durch Hieronymus de Sosa, 1883 durch Francis Galton und dann 1898 durch Stephan Kekule von Stradonitz wieder populär wurde.
Interessant ist, daß schon 230 Jahre vor Kekule der große spanische Genealoge Sosa in seiner vortrefflichen Riesenahnentafel "Noticia de la gran casa de Villafranca" dieses System angewandt und verteidigt hat, daß also hier wieder ein bedeutender Forscher, wie so oft, alte Wahrheit neu entdeckt hat.



Stephan Kekule v. Stradonitz
aus altböhmischen Geschlecht lebte von 1863-1933. (Dr.jur, Dr.phil., Privatgelehrter, * Gent in Belgien 1.Mai 1863, †  Berlin 5.Mai 1933). Er war wissenschaftlicher Genealoge.
Stephan Kekule v. Stradonitz war der Sohn des Geheimen Regierungsrats und Chemieprofessors August Kekule v.Stradonitz. Zuerst besuchte er das Gymnasium in Bonn, dann studierte er dort und in Straßburg im Elsaß die Rechte, Kunst- und allgemeine Geschichte. 1885 jedoch trat er als Offizier in die preußische Artillerie ein, die er jedoch nach vier Jahren wieder verließ, um sich nun doch den Geisteswissenschaften zu widmen. Schon neben seinem Studium eignete er sich bereits früh umfassende Kenntnisse auf den Gebieten der ihn besonders interessierenden Genealogie und Heraldik an.

Klärendes zu der Schreibweise Kekule oder Kekulé
Die Hochachtung vor einem Manne wie Stephan Kekule von Stradonitz verdient, Ihn immer(!) richtig zu schreiben.
Es ist störend und ja auch falsch den Name Kekule mit Akzent zu schreiben, da sich Stephan Kekule von Stradonitz selbst immer ohne Akzent geschrieben hat, zumindest nach dem er in ganz jungen Jahren den Adel für seine Familie wieder rechtlich durchgesetzt hatte. Alle seine genealogischen Veröffentlichungen sind ohne Akzent veröffentlicht.
Und wenn er selbst sich dieser Schreibweise nur noch bedient hat, dann sollte man nicht klüger sein wollen als er selbst!
Stephan Kekule von Stradonitz war kein Mathematiker, sondern "nur" ein logisch denkender "Geisteswissenschaftler".
Es gibt eine Broschüre: "Stephan Kekule von Stradonitz. Lebensabriß und Schriftenverzeichnis" von Peter von Gerhardt, im Auftrag des Berliner "HEROLD" 1938 herausgegeben.
Des weitern einen Artikel: "Kekule - Kekulé - Kekule von Stradonitz"
von Joseph A. Raimar (Vater von Wolfgang Raimar!); in: Genealogisches Jahrbuch (1970) Seite 46-52. Hier daraus der letzte Satz: "Die traditionelle und urkundlich einzig richtige Namensform uns Schreibweise ist Kekule".

1898 führte Stephan Kekule von Stradonitz ein Nummerierungssystem ein, die Kekule-Zahlen (oder Kekule Nummern), nach dem bis heute die Vorfahren (Ahnen) eines Probanden üblicherweise nummeriert werden.
Diese Nummerierung, die sich international durchgesetzt hat, war erstmals 1590 durch Michael Eyzinger angewendet worden, dann wieder 1676 durch Hieronymus de Sosa und 1883 durch Francis Galton

Kekule gibt dem Probanten Nr. 1, seinem Vater Nr. 2, der Mutter Nr. 3, dem Großvater väterlicherseits Nr. 4 usw. Dieses System hat den gewaltigen Vorzug der Einfachheit und Klarheit. Man vermeidet das Schreiben von zwei Ziffern, das den anderen Systemen charakteristisch ist, was bei größeren Arbeiten viel Raum und Zeit erspart. Auch fehlen dem System Kekule nicht die Vorzüge anderer Systeme. Zunächst läßt die Ahnenziffer sofort erkennen, welchem Geschlecht der betreffende Vorfahre angehört. Die Männer führen gerade, die Frauen ungerade Nummern. Auch die Generation ist leicht zu erkennen, denn man erhält sie sofort, wenn man die der betreffenden Nummer nächstniedere Potenz von 2 nimmt und aus ihr die Wurzel zieht. Praktisch wird man ja nach kurzer Übung sofort wissen, welcher Generation eine Nummer angehört, da ja die Potenzen von 2 jedem Ahnenforscher in Fleisch und Blut übergehen. Ferner besteht im System Kekule die Beziehung, daß der Vater immer die doppelte, die Mutter die um eins vermehrte doppelte Nummer ihrer Kinder führt.

Diese Grundregeln reichen bereits aus, um das System vollständig zu definieren. Zusätzlich leiten sich aus obigen Vorschriften unter anderem die nachstehenden Aussagen ab:

Mit Ausnahme des Probanden haben männliche Vorfahren immer gerade Nummern (2, 4, 6, 8, 10...), weibliche dagegen stets ungerade Nummern (3, 5, 7, 9, 11...)
Die Nummer der Frau ist stets um eins höher, als diejenige ihres Mannes
Die Nummernfolge der Stammlinie lautet stets 1, 2, 4, 8, 16, 32... und gehorcht damit dem Ausdruck k = 2g (mit k: Kekule-Nummer und g: Generation)
Anschaulich wird dies anhand folgender grafischen Darstellung:
 

   
Wie man unten in der Tabelle sehen kann, verdoppeln sich mit jeder Generation die Anzahl der Ahnen.
Da man jede Generation mit ganz grob 30 Jahren angeben kann, hätten die Vorfahren in der 26. (XXVI.) Generation ca. um 1220 n.Chr. gelebt.
Zu dieser Zeit lebten aber weniger Menschen in Deutschland als der Rechnung der Ahnen nach ergebenen Anzahl  (> 67 mio.)
Dies ist durch den Ahnenschwund zu erklären, was bedeutet, daß einige Ahnen miteinander verwandt waren, und so zumindest einen gleichen Vorfahren hatten und in der Folge dessen Vorfahren mit denen der Verwandten Personen identisch sind.
Kommt sehr häufig beim Adel, um durch Verwandtenehe die Macht zu erhalten, aber auch bei jedem anderen vor,
man muß nur lange genug forschen.
 

In verschiedenen Listen wird die "erste Generation" (die des Probanden) als Generation 0 (Null) geschrieben.
Es wird aber auch für diese Generation die Generation 1 gefunden.
Für die Bezeichnung Proband findet man auch die Bezeichnungen Bezugsperson, Ahnenträger und Ahnling.
 
 
Quellen, Literatur und Links:

--> Die Ahnennummerierung nach Kekule und das Dualzahlsystem - von Arndt Richter
--> „http://wiki.genealogy.net/wiki/Handbuch_der_praktischen_Genealogie/045“
--> Jahrbuch für für Geschichte und Theorie der Biologie VI / 1999. S. 141-162
 


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Manfred Bäumer
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