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Herold-vom-Rhein
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« am: 22. Januar 2008, 18:27:58 » |
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Das soll der FAQ-Bereich des Forums werden. In diesem Thread werden häufig gestellte Fragen gesammelt, die uns täglich per Mail oder in den Foren erreichen.
Es gibt keine "dummen Fragen". Jede Frage ist uns willkommen, denn nur so können wir erfahren, wo Erklärungsbedarf ist, und viele Fragen stoßen uns selber auf Dinge, die zu recherchieren auch für uns interessant sind.
Deshalb: Nur zu!
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« Letzte Änderung: 22. Januar 2008, 18:47:20 von Herold-vom-Rhein »
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #1 am: 22. Januar 2008, 18:38:52 » |
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Typische Fragen: "Mein Opa hat ein Wappen gestiftet, das in den Farben blau-gold gehalten ist. Das steht doch ganz klar für Reichtum und Glaube, oder?" "Wofür steht die grüne Farbe des Schiffsrumpfes im Wappen der Familie XYZ? Kann ich davon ausgehen, daß die Hoffnung so ausgedrückt wird?" "Da wir immer eine gläubige Familie waren, müßte wohl die Farbe Blau für den Glauben ins Wappen, oder?"
Mitnichten. Farbsymbolik ist unheraldisch. Im Mittelalter war ein Wappen ein vorrangig kontrastreiches Zeichen. Doch leider tauchen solche esoterischen Deutungen immer wieder auf und halten sich hartnäckig. Leider werden dadurch viele Heraldik-Interessierte verunsichert und gelangen auf eine völlig falsche Fährte. Farbsymbolik ist der ernstzunehmenden Heraldik fremd und gehört in die Esoterik. Jede Farbe ist gleichviel "wert", und jedes Objekt kann jede der heraldischen Farben annehmen. Es existiert keine Schlüsselzuweisung von Farben und Bedeutungen. Jeder Wappenstifter ist frei, den gewählten Farben auf seine Weise Sinn und Bezug zu geben, und er ist auch frei, die Farben frei zu wählen und auf einen Bezug zu verzichten.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #2 am: 22. Januar 2008, 18:42:19 » |
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typische Frage: "Die Farbregel sagt doch, daß nie Metall an Metall und Farbe an Farbe stoßen soll. Jetzt wird aber im Wappen von Hamburg beispielsweise die rote Burg von einem schwarzen Strich eingerahmt, also steht schwarz neben rot. Ist das nicht ein Verstoß?"
Konturen sind, wie der Name schon andeutet, Umrisse in Linienform, keine mit Farbe gefüllten Flächen. Konturen werden in der Regel bei Aufrissen auf Papier in Schwarz ausgeführt. Bei plastischen Darstellungen wie bei Steinmetzarbeiten oder Holzschnitzereien hat man natürlich die Möglichkeit, Konturen noch zusätzlich als Absatz zu akzentuieren. Konturen sind keine eigenständige Figur o.ä., deshalb ist es auch völlig unbedeutend, daß eine schwarze Kontur beispielsweise ein rotes Feld eingrenzt. Das ist keinesfalls ein Fall für Kopfzerbrechen wegen der Farbregel, sondern eine Kontur wird eben nicht als selbständiger Inhalt wahrgenommen. Denn ein Schildinhalt besteht primär aus Flächen, nicht aus Linien. Eine Kontur ist kein Motiv, sondern grenzt Motive voneinander ab. Deshalb wird auch dafür gesorgt, daß diese Abgrenzung unterschiedlicher Farbflächen mit maximaler Prägnanz geschieht, und das geht praktischerweise am besten mit einer schwarzen Linie. Andersfarbige Konturen entsprechen nicht dem Konsens und sind allgemein nicht üblich. Davon unbeeinflußt sind die künstlerischen Erfordernisse bei einer plastischen Darstellung des Oberwappens. Von der Kontur abzugrenzen ist die Bordur - das ist ein eigenständiges schmales flächiges Element nicht-vernachlässigbarer Eigenbreite, und eine Bordur unterliegt der Farbregel. Eine Bordur wird von zwei Konturen eingefaßt, denn sie ist ein Motiv.
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« Antworten #3 am: 22. Januar 2008, 18:45:53 » |
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Typische Fragen: "Mein Name ist Meyer, welches ist unser Wappen?" "Wo finde ich das Wappen zum Namen Schneider?" "Welches Wappen gehört zum Familiennamen Schmitz?"
Es gibt nicht "das Wappen Schmitz". Es gibt sehr viele Familien mit Namen Schmitz, die genealogisch nichts miteinander zu tun haben. Manche dieser Familien führen ein Wappen. Die Frage ist daher vollkommen unpassend gestellt - denn es gibt weder ein Wappen für alle Schmitze noch führen alle Schmitze das gleiche Wappen. Namnesgleichheit ist nicht Wappengleichheit! Ein Wappen ist immer Kennzeichen einer Abstammungsgemeinschaft, deshalb dürfen nur bestimmte Schmitze ein bestimmtes Wappen Schmitz führen, wenn sie ihre Abstammung auf jemanden zurückführen können, der genau dieses Wappen führt.
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« Antworten #4 am: 22. Januar 2008, 18:49:05 » |
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Typische Frage: "Mein Onkel hat ein Wappen gestiftet. Darf ich es benutzen?"
Zunächst gehen wir mal davon aus, daß es sich um den Onkel väterlicherseits gleichen Namens handelt. Denn wenn der Name nicht übereinstimmt, ist die Antwort sofort "nein". Nun kommt es darauf an, welche Führungsberechtigung der Stifter seinerzeit festgelegt hat: Beginnt die Gruppe der Berechtigten mit ihm selbst, lautet die Antwort ebenfalls "nein". Hat er aber rückwirkend gestiftet, z. B. auf seinen Vater oder Großvater und deren Nachkommen im Mannesstamm, ist eine Führungsberechtigung gegeben, wenn Sie dazugehören.
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« Antworten #5 am: 22. Januar 2008, 18:50:38 » |
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Typische Frage: "Ich habe ein Wappen Wagner in einem alten Stammbuch von 1756 entdeckt, komme aber bei der Ahnenforschung nur bis 1805. Darf ich es benutzen?"
Definitiv nein! Nur wenn man die Abstammung lückenlos im Mannesstamm bis auf den Wappenträger gleichen Familiennamens zurückführen kann, darf man es führen. Ohne geschlossene Stammlinie ist dieser Beweis nicht möglich, und das Wappen steht einem nicht zu. In diesem Fall hilft nur a) weiterforschen und verzichten oder b) neu stiften.
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« Antworten #6 am: 22. Januar 2008, 18:53:34 » |
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Typische Frage: "In unserer Familie gibt es ein Wappen, das aber mein Bruder für sich und seine Nachkommen gestiftet hat. Ich will es auch benutzen. Was muß getan werden?"
Die Gemeinschaft der Führungsberechtigten (Bruder, dessen Kinder und Enkel) kann gemeinsam beschließen, die Führungsberechtigung auszudehnen, z. B. rückwirkend auf den gemeinsamen Vater. Das geht nur gemeinsam, da die Abstammungsgemeinschaft als Ganzes das Recht am Wappen besitzt. Wenn aber nur einer von denen nicht will - Pech gehabt. Wenn alle Beteiligten einverstanden sind, sollte die Ausdehnung der Führungsberechtigung auch in der betreuenden Wappenrolle vermerkt werden.
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« Antworten #7 am: 22. Januar 2008, 18:59:44 » |
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Typische Fragen: "Was bedeuten die vier Löwen im Wappen der Familie XYZ?" "Warum führt die Familie PQR ein Lindenblatt im Schild?" "Warum haben die Isenburger zwei Balken?"
Immer wieder wird an uns die Frage herangetragen, was die Symbolik des Schildbildes ist, was Farben und Figuren zu bedeuten haben. Grundsätzlich kann diese Frage nur beantwortet werden, wenn der Stifter eines Wappens die beabsichtigte Symbolik schriftlich niedergelegt hat und dies damit heute nachvollziehbar ist. Denn es gibt in der Heraldik keine feststehenden Bedeutungen für die Symbole, genausowenig wie für die Farben. Es wird immer wieder versucht, solche Schlüsselzuweisungen zu treffen, doch ist das reine Spekulation. Die Deutungshoheit liegt allein beim Wappenstifter, sei es ein Mitglied der wappenführenden Familie, sei es der verleihende Souverän etc.
Beispiel 1: Wenn jemand unter anderem goldene Leoparden in Rot übereinander führt, kann er damit einen Bezug auf's Braunschweigische andeuten, genausogut könnte er Bezug nehmen auf die englischen Leoparden, aber mit gleicher Wahrscheinlichkeit war der Wappenstifter im Kolonialdienst in Afrika oder die Familie hatte sich leidenschaftlich für den örtlichen Tierpark engagiert und wollte das dokumentieren.
Beispiel 2: Jemand führt Lindenblätter. Ist das eine Anspielung auf eine Gerichtslinde, auf einen Lindenwald, auf den Sommer, auf die heilenden Kräfte der Lindenblätter in der Medizin oder hatte der Stifter seine Frau beim Tanz unter der Dorflinde kennengelernt?
Auch wenn etwas augenfällig scheint, es muß nicht der wahre Grund sein, den kennt nur der Wappenstifter. Kein seriöser Heraldiker wird also in ein bestehendes Wappen etwas hineininterpretieren, das nicht belegt ist, denn allgemeine Symbolik ist nicht gegeben. Allenfalls bei redenden Wappen kann der Bezug zum Namen hergestellt werden, wenn es offensichtlich ist, aber auch hierbei ist Vorsicht geboten, denn eine eventuelle zusätzliche Absicht des Stifters bleibt uns verborgen.
Hierdurch wird auch deutlich, wie wichtig der Wappenbrief oder die Stiftungsurkunde oder irgendeine andere Form der schriftlichen Hinterlegung für nachfolgende Generationen ist, damit diese das Wappen noch verstehen können, wenn der Wappenstifter selbst nicht mehr lebt. Der Stifter ist grundsätzlich frei in der Wahl der Symbolik, der Motive, und der den Motiven zugedachten Symbolik. Insofern kann ein Wappen nicht mit Gewißheit gedeutet werden, wenn der Wappenstifter nichts hinterlegt hat. Alles andere ist Spekulation.
Zur Entstehung von Schildbildern bekannter Familien werden gerne kleine banale Geschichtchen erzählt, die nett und vordergründig plausibel sind, aber meistens jeglicher verifizierbaren Grundlage entbehren. Mann nennt diese Geschichtchen "Wappenlegenden". Und man sollte sie auch als "Legende" behandeln: Ganz nett, aber nicht glaubhaft.
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« Letzte Änderung: 22. Januar 2008, 19:01:51 von Herold-vom-Rhein »
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« Antworten #8 am: 16. März 2008, 19:21:08 » |
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Typische Frage: "Ich möchte im Mittelalter Reenactment einen Ritter zu drei verschiedenen Zeitpunkten darstellen, je einmal im 13., 14. und 15. Jh. und nach Möglichkeit das Wappen übernehmen. Ich suche ein Wappen, welches ich in allen 3 Jahrhunderten benutzen kann, damit ich die Ausrüstung nicht jedesmal neu machen muß."
Hier liegt wohl ein grundlegendes Mißverständnis vor. Ein Wappenmotiv als solches kann prinzipiell unabhängig von der Zeit geführt werden. Die Inhalte sind zeitunabhängig. Das ist ja gerade der Trick bei einem Wappen, daß Generationen über die Zeiten hinweg das gleiche Zeichen ihr eigen nennen, und genau das begründet den hohen Wiedererkennungswert eines Wappens. Die Form der Darstellung ist aber stilistisch zeitabhängig. Man trenne also Motiv und Stil. Das Motiv bleibt, der Stil wandelt sich. Man kann einen roten Löwen hochgotisch, spätgotisch oder barock darstellen. Es bleibt immer ein roter Löwe. Das heißt für den konkreten Fall im Reenactment: Man kommt um verschiedene stilistisch unterschiedliche Darstellungen gleichen heraldischen Inhalts nicht herum. Man nehme ein schlichtes Wappen, das auf jeden Fall ins frühe Mittelalter passen könnte. Für jede Zeit reißt man es ein bißchen anders auf, dem Stile der Zeit entsprechend. Für die Frühgotik z. B. mit Topfhelm und ungezaddelten Decken und Dreieckschild. Für die Spätgotik eingeschnittene und gezaddelte Decken und Halbrundschild. Für die Renaissance ein Bügelhelm und üppig verschlungene Decken und Tartsche. Für den Barock eine ovale Kartusche ohne Helm und mit Rangkrone. Aber in jedem einzelnen Wappen ist und bleibt der einmal gewählte rote Löwe. Nur so erfüllt man die Regeln der Heraldik und garantiert Authentizität je nach dargestellter Zeit. Richtig ist, daß je weiter die Zeit fortschritt, Wappen vermehrt wurden. Ein vielfeldriges Wappen paßt daher nicht in die Frühgotik z. B. Nichts hat aber je eine Familie daran gehindert, auch in der Renaissance noch ihr altes angestammtes Stammwappen zu führen. Stilistisch wurde es natürlich anders dargestellt.
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