Fürstentum Braunschweig, Braunschweig-Wolfenbüttel, Braunschweig-Calenberg, Braunschweig-Grubenhagen und Fürstentum Braunschweig-Göttingen:Die Geburtsstunde des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg schlug am 21.8.1235, als aus den Eigengütern (Allodialgütern) der Welfen nach Übertragung auf das Reich ein neues Herzogtum geschaffen und dem noch minderjährigen Otto dem Kind (Puer) zu Lehen gegeben wurde. Eine Erbteilung 1267/1269 (zweite Teilung der Welfen) zwischen den Söhnen des 1252 verstorbenen Otto, die erst gemeinsam regiert hatten, schuf zwei separate Fürstentümer, wobei Johann das Fürstentum Lüneburg übernahm und Albrecht das Fürstentum Braunschweig. Doch auch dieses bestand als Teileinheit nur wenige Jahrzehnte, weil es sich Ende des 13. Jh. in die drei Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel, Göttingen und Grubenhagen weiter aufteilte (dritte Teilung). Jedes der Territorien hatte reichsrechtlich den Rang eines Fürstentums, aber das Gesamthaus Braunschweig-Lüneburg blieb ein Herzogtum. Mit diesen Teilungen beginnt eine schier undurchschaubare Verflechtung von Linien, die die Teilfürstentümer und Territorien immer wieder neu unter sich verteilten, weil im Hause der Welfen nicht der Erstgeborene das Gesamte übernimmt, und so jeder praktisch in jedem Teilfürstentum die Nachfolge antreten konnte. Das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg blieb stets eine ideelle Einheit, und jeder Herrscher durfte sich Herzog von Braunschweig und Lüneburg nennen (einigen Linien wurde das erst später zugestanden), die Teilterritorien waren jedoch Fürstentümer. So werden wir im folgenden stets die reichsrechtlich relevanten Strukturen von den Linien unterscheiden müssen, die sie jeweils regierten.
Das Braunschweiger WappenDas Braunschweiger Wappen sind in Rot zwei goldene, schreitende, hersehende Löwen (Leoparden) übereinander. In dieser Form wird es von allen Linien des Fürstentums Braunschweig geführt und ist die Basis jeden vermehrten Wappens. Das Wappenbild wird in der Literatur mit dem des Königreichs England in Verbindung gebracht, als geminderte, reduzierte Ableitung desselben: Heinrich Herzog v. Bayern (1129-6.8.1195), gen. der Löwe, war in zweiter Ehe mit Mathilda of England (1156-28.6.1189) verheiratet, der Tochter von König Henry II. von England (-1189) und Eleonore Herzogin von Aquitanien (-1204). Der lüneburgische Löwe ist als Siegelbild älter und taucht vor den Leoparden auf, die erst nach den Zeiten der Herzogin Mathilde in Erscheinung treten. Heinrich der Löwe siegelte mit einem schreitenden Löwen, und sein ältester Sohn Heinrich I. Pfalzgraf bei Rhein (-28.4.1227) führt im Schild zwei Leoparden übereinander in seinem Siegel. Das mag auch an seiner Nähe zum englischen Thron liegen: Wäre Johann Ohneland (-19.10.1216) ohne Nachkommen geblieben, hätte Heinrich I. Pfalzgraf bei Rhein nach Richard Löwenherz den nächsten Anspruch auf den englischen Thron gehabt. In diesen frühheraldischen Zeiten war es zudem nichts Außergewöhnliches, das Wappen der Mutter ggf. verändernd aufzugreifen, wenn es denn ein "besseres" war. Otto I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg, gen. der Knabe, führte in seinen Siegeln einen schreitenden Löwen wie auch sein Vater Wilhelm und sein Großvater Heinrich der Löwe. Erst als Abrecht der Große und Johann das Herzogtum in ein Fürstentum Braunschweig und ein Fürstentum Lüneburg aufteilten, wurden beide Häuser heraldisch unterschieden, für ersteres wählte Albrecht die zwei Leoparden unter Bezugnahme auf seine Urgroßmutter, für letzteres wählte Johann den Löwen unter Bezugnahme auf seine Großmutter (s. u.). Alle sich aus dem Fürstentum Braunschweig entwickelnden Linien behielten die beiden Leoparden bei. Nicht immer sind die schreitenden Löwen hersehend, z. B. ist das bei der Darstellung im Scheiblerschen Wappenbuch nicht der Fall.
Im "Turnei von Nantheiz" (Turnier von Nantes) des fahrenden Sängers und Lyrikers Konrad von Würzburg (-31.8.1287) wird das Wappen beschrieben: "dâ gap ouch lichtebaren schîn, von Brûnswic des herren schilt, dâ zwêne löuven ûf gezilt, von golde wâren in ein velt, dar an vil hôher koste gelt, von rôten kelen was erkannt." Interessant ist hier das Wort "kelen" - eine mittelalterliche Bezeichnung für eine rote Tinktur im Sinne eines natürlich roten Pelzwerkes wie z. B. von roten Eichhörnchen oder roten Mardern, dessen besonderer Wert und Luxus hier angemerkt wird. Vom Wortstamm her verwandt sind die heute noch üblichen Bezeichnungen "gueules" (frz.) und "gules" (engl.) für die rote Tinktur.
Das braunschweigische Kleinod hat eine große Wandlung durchgemacht. In seiner ursprünglichsten Form ist es zu rot-goldenen Decken ein roter Spitzhut mit goldenem Stulp, an der Spitze golden gekrönt und mit einem Pfauenfederbusch besteckt (vgl. Konstanzer Wappenbuch). Dieses Motiv wandelte sich im Laufe der Zeit zur oben gekrönten Säule, oben mit einem Pfauenfederbusch besteckt. Die Farbe der Säule wurde silbern. Ein weiteres Element taucht in der zweiten Hälfte des 14. Jh. auf: Ein silbernes, aufspringendes Pferd wird vor die Säule mit dem Pfauenfederbusch gestellt, so findet es sich auf einem Siegel des Herzogs Ernst von 1374, und so taucht es auch im Kleinod im Scheiblerschen Wappenbuch auf.
Dieses Welfenroß taucht auch als Schildfigur auf. Das erste Welfensiegel mit Pferd datiert von 1361 und ist von Albrecht I. von Braunschweig-Salzderhelden. Ganz vom Pferd bestimmt ist die Wappendarstellung im Wappenbuch von den Ersten, dort ist das Kleinod ein wachsender Pferdekopf. Das Sachsenroß wurde als linienübergreifendes Symbol benutzt, um den Anspruch auf die Vormachtstellung der Welfen im Gebiet des alten Sachsen herauszustellen.
Das Kleinod wurde mit der Vereinigung des Braunschweiger mit dem Lüneburger Wappen um die zu Sicheln gewordenen, silbernen, außen mit Pfauenfedern besteckten Büffelhörner in der Mitte des 15. Jh. erweitert, dazwischen das springende Pferd (so im Siegel Ottos des Hinkenden 1443).
Eine weitere Veränderung erfuhr die Helmzier um die Wende vom 15. zum 16. Jh.: Der sich aus der Säule erhebende Pfauenfederbusch wird mit einem goldenen, sechsstrahligen Stern belegt. Dazu wird im Siebmacher, Band Landesfürsten 1, die Geschichte berichtet, daß Herzog Erich I. Kaiser Maximilian 1504 in der Schlacht gegen die Böhmen rettete, als dieser im Getümmel vom Pferd gestürzt war und unterzugehen drohte, und zum ewigen Angedenken an des Kaisers Huld diesen Stern verliehen bekam. Dies ist eine hübsche Wappenlegende, die im Siebmacher unreflektiert übernommen wurde, denn man findet den Stern erstmals 1383 im Siegel des Herzogs Friedrich II., aber im Schild über dem dort dargestellten Pferd schwebend. Später bildete man das Pferd auch im Kleinod mit dem Stern darüber ab, und so kam der Stern bereits 1483 auf den Pfauenfederbusch (vgl. Ströhl).
Aufspaltung in Braunschweig-Wolfenbüttel (ältere Linie), Braunschweig-Grubenhagen und Braunschweig-GöttingenDie Aufteilung in drei separate Fürstentümer erfolgte bereits unter Ottos Enkeln (dritte Teilung): Nach dem Tod Albrechts des Großen begründeten seine drei Söhne, die erst gemeinsam regierten, in einer 1285/1286/1291 als Lösung eines Erbstreites vorgenommenen Erbteilung drei selbständige Fürstentümer, Herzog Heinrich I. (1267-7.9.1322) gründete die Linie Braunschweig-Grubenhagen, Herzog Albrecht II. (1268-22.9.1318) gründete die Linie Braunschweig-Göttingen, wozu damals auch das spätere Calenberger Territorium gehörte, und der dritte Bruder, Herzog Wilhelm (1270-30.9.1292), bekam Wolfenbüttel. Da er bei seinem frühen und nur ein Jahr nach der Erbteilung erfolgenden Tod kinderlos war, war das noch keine richtige Linie. Seine Territorien fielen an die anderen Brüder, die sich darum stritten, bis Albrecht erfolgreich Braunschweig-Wolfenbüttel sein eigen nennen konnte und sich Heinrich verärgert in sein Territorium Grubenhagen zurückzog. Albrechts drei Söhne Otto, Ernst und Magnus aus der Göttinger Linie, die erst ab 1318 gemeinsam regierten, teilten nach dem Tod des ältesten Bruders Otto weiter (fünfte Teilung). Ernst I. setzte die Linie zu Göttingen fort und erhielt die Territorien Oberwald mit den Städten Göttingen, Münden, Uslar und Dransfeld. Magnus I. bekam dabei das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, 1345 trat er die Regierung im wiederbelebten Teilfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel an und begründete die sog. ältere Linie, die in den Wirren des Lüneburger Erbfolgestreites mit seinen Enkeln endete, die kurzfristig Wolfenbüttel und Lüneburg als eine Einheit regierten und dann bei einer weiteren Teilung (1409 siebte Teilung, 1428 achte Teilung) das mittlere Haus Lüneburg und das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel gründeten. Das Fürstentum Braunschweig-Göttingen überlebte das ältere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel, starb aber mit Ernsts Enkel Otto II. Herzog v. Braunschweig-Göttingen (-18.2.1463) aus und fiel an die inzwischen 1432 aus dem mittleren Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel hervorgegangene ältere Linie zu Calenberg.
Fürstentum Braunschweig-Calenberg und Braunschweig-Calenberg-GöttingenDie ältere Linie zu Calenberg ist eine 1432 entstandene in der sog. neunten Teilung entstandene Abzweigung des mittleren Hauses Braunschweig-Wolfenbüttel. Die namengebende Burg und spätere Festung liegt südlich von Hannover unweit der Leine, heute eine geschleifte Ruine. Nachdem Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg mit seinen Neffen Wilhelm I. Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (-1482) und Friedrich II. Herzog v. Braunschweig-Calenberg (-5.3.1495) 1409/1428 die erneute Aufteilung und nachträgliche Umverteilung der Welfenterritorien vorgenommen hatte und sowohl das mittlere Haus Braunschweig-Lüneburg als auch das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel gegründet hatten, teilten die Brüder Wilhelm und Friedrich die Gebiete so auf, daß ersterer 1432 das Fürstentum Calenberg bekam, letzterer das Fürstentum BS-Wolfenbüttel. Da letzterer aber kinderlos verstarb, wurde er 1473 von seinem Bruder Wilhelm I. beerbt, der 1463 schon die Linie zu Göttingen beerbt hatte. Braunschweig-Wolfenbüttel fiel diesmal also an Calenberg. 1481 kam es zur zehnten Teilung, 1483 zur elften Teilung. Wilhelm II. Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (-7.7.1503) bekam Wolfenbüttel, Friedrich II. Herzog v. Braunschweig-Calenberg (-5.3.1495) bekam Calenberg-Göttingen. Da letzterer abgesetzt wurde und kinderlos war, fiel wieder alles an Wilhelm II. Alle Territorien (außer Lüneburg) waren nur kurzfristig wieder in einer Hand. Als Friedrich II. 1495 starb und Wilhelm II. im selben Jahr abdankte, wurde das Erbe vorgezogen umgeschichtet, dabei wurde Göttingen dauerhaft mit Calenberg verbunden. Wilhelms II. Söhne teilten erneut (1495 zwölfte Teilung): Heinrich I. Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (24.6.1463-23.6.1514) bekam Wolfenbüttel, Erich I. Herzog v. Braunschweig-Calenberg (16.2.1470-26.7.1540) bekam Calenberg. Der dritte Anlauf zur Teilung war endlich mal für zwei Generationen erfolgreich, denn in Calenberg regierte nach Erich I., der Schloß Calenberg massiv ausbaute, dessen Sohn Erich II. Herzog v. Braunschweig-Calenberg (10.8.1528-1584). Doch mit dessen Tod fiel Calenberg wieder an dessen Großneffen Julius Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (1528-1589). Weitere Versuche zur Aufrechterhaltung der Separatlinie unterblieben vorerst, bis es die Linie zu Wolfenbüttel in Person des Herzogs Friedrich Ulrich v. Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634) selbst mit Kinderlosigkeit erwischte: Alles zusammen, Wolfenbüttel, Calenberg, Göttingen, alles fiel an die Linie zu Lüneburg, die in den Folgejahren 1635 und 1636 mit eigenen Nachkommen die freigewordenen Stühle besetzte.
Neubesetzung von Braunschweig-Calenberg durch die Lüneburger Linie und Keimzelle des Kurfürstentums:Die jüngere Linie zu Calenberg ist eine Abzweigung des mittleren Hauses Braunschweig-Lüneburg-Celle. Nachdem das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel 1634 ausgestorben war, fielen all ihre Länder an die Linie zu Lüneburg-Celle, die 1635/36 die Besitzungen neu verteilten. Aus der Nebenlinie zu Dannenberg heraus wurde Braunschweig-Wolfenbüttel wieder besetzt, und aus der Hauptlinie heraus wurde Calenberg neu besetzt. Mit Herzog Georg v. Braunschweig-Calenberg (17.2.1582-11.4.1641) trat einer der bedeutenden Feldherren der evangelischen Seite des Dreißigjährigen Krieges die Regierung an. Er war es, der die Residenz im Jahre 1636 nach Hannover verlegte. Calenberg wurde zur Zukunftslinie, denn daraus ging 1692 das Kurfürstentum und spätere Königreich Hannover hervor, und als die Hauptlinie zu Lüneburg-Celle 1705 erlosch, ging auch das Fürstentum Lüneburg im Kurfürstentum auf, das territorial größer wurde als Calenberg-Göttingen je war. Der Name der Hauptstadt Hannover verdrängte die alte Bezeichnung. Ein weiterer territorialer Zuwachs waren 1715/1719/20 die Herzogtümer Bremen und Verden.
Linie Braunschweig-Grubenhagen:Herzog Heinrich I. (1267-7.9.1322) wurde zum Begründer der Linie zu Grubenhagen, als nach dem Tod Albrechts des Großen seine drei Söhne drei selbständige Fürstentümer begründeten. Benannt ist das Fürstentum Grubenhagen nach einer bei Einbeck gelegenen Burg. Es umfaßte Gebiete am südlichen Rand des Harzes wie Osterode, Einbeck, Katlenburg, Salzderhelden, Duderstadt (ging 1342/58 an Mainz verloren), Westerhof, Lauterberg-Scharzfels und natürlich Grubenhagen selbst. Die Linie kann sich am längsten von allen Fürstentümern halten, immerhin sieben Generationen lang. Mit Philipp II. Herzog von Braunschweig-Herzberg (2.5.1533-4.4.1596), der erst mit seinen älteren Brüdern gemeinschaftlich und ab 1595 alleine auf Schloß Herzberg und in Grubenhagen regierte, starb diese Linie 1596 aus. Nach seinem Tod fiel das Fürstentum zwar de jure an Lüneburg-Celle, de facto aber an die Linie Braunschweig-Wolfenbüttel. Die Schlüsselfigur ist Heinrich Julius Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.10.1564-1613). Er beanspruchte 1596 das Erbe an Grubenhagen, obwohl dieser Rechtsanspruch nicht eindeutig war. Jedenfalls nahm er das Fürstentum ein und setzte einen Landdrosten zur Verwaltung ein, der auf Schloß Herzberg lebte. Nach dem Tod des politisch starken Herzogs Heinrich Julius von BS-Wolfenbüttel wurde dessen Sohn Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634) 1613 Herzog, der letzte aus der älteren Wolfenbütteler Linie. Schon kurz nach seinem Regierungsantritt wollten die Celler Welfen das Thema Grubenhagen ausdiskutiert wissen, und es entbrannte Streit um die Ländereien. Beide Häuser waren der Ansicht, rechtmäßige Erben von Grubenhagen zu sein. Herzog Friedrich Ulrich von BS-Wolfenbüttel schuf Tatsachen und besetzte die Gebiete einfach. Doch 1616 mußte er einem Mächtigeren nachgeben, denn der Kaiser hatte bestimmt, daß er das Land an Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg-Celle (19.11.1566-8.11.1633) herausgeben sollte. Das Reichskammergericht wurde deswegen angerufen, und es entschied 1617 zugunsten der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg-Celle. Am 10.3.1617 bestätigte der Kaiser in Prag noch einmal die Erbfolge für das Fürstentum Grubenhagen unter Begünstigung der lüneburgischen Linie. Nachdem Grubenhagen an Lüneburg-Celle gekommen war und damit als selbständiges Fürstentum erloschen war, wurde es 1665 der bei der Teilung 1635 entstandenen neuen Linie Calenberg zugeschlagen.
Linie Braunschweig-Wolfenbüttel (mittleres Haus Braunschweig):Das mittlere Haus Wolfenbüttel konsolidierte sich nach dem Lüneburger Erbfolgekrieg unter Wilhelm I. Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (-1482). Die letzte größere territoriale Neuverteilung war der Gebietstausch 1428 (achte Teilung) unter Revision der Teilung von 1409 (siebte Teilung). Die Nachkommen dieser Linie zu Wolfenbüttel teilten immer wieder eine Linie zu Calenberg ab (zuerst 1432, neunte Teilung), die jedoch jeweils nur 1-2 Generationen lang Bestand hatte. Schließlich verblieb Calenberg bei Wolfenbüttel. Seit 1432 wurde Wolfenbüttel Hauptsitz der nach der Burg in der Okerniederung benannten Linie. 1463 hatte man zudem das Fürstentum Göttingen beerbt, so daß die Größe des ungeteilten Fürstentums beachtlich war und 1584-1634 bis auf Grubenhagen u. a. wieder alle Teile des 1269 entstandenen Fürstentums Braunschweig umfaßte. Mehr noch sogar, denn in dieser Zeit konnte man Hoya, Regenstein, Blankenburg, Hohnstein etc. einsacken, und kurzfristig eignete man sich 1596 Grubenhagen an, welches man aber 1617 leider wieder an die Linie Lüneburg herausrücken mußte. Ferner erlangte man 1566 die Administration des Hochstifts Halberstadt. Der Letzte des mittleren Hauses Braunschweig war Herzog Friedrich Ulrich v. Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634). Als er kinderlos verstarb, fiel alles zusammen, Wolfenbüttel, Calenberg, Göttingen, an die Linie zu Lüneburg.
Linie Braunschweig-Wolfenbüttel nach Übergang auf den älteren Zweig des Hauses Lüneburg (Neues Haus Braunschweig):Das Ende der älteren Linie Wolfenbüttel kam mit dem Tod von Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634), denn seine Ehe mit Markgräfin Anna Sophie von Brandenburg (27.3.1598-29.12.1659) blieb kinderlos. 1635 trat Herzog August der Jüngere aus der Nebenlinie Lüneburg-Dannenberg die Nachfolge in Wolfenbüttel an; er wurde zum Begründer des Neuen Hauses Braunschweig. Bereits 1303 waren die Güter der Grafen von Salzwedel in Dannenberg an die Herzöge von BS-Lüneburg gefallen. Als das mittlere Haus Lüneburg eine Erbteilung vornahm, begründete Heinrich Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg (4.6.1533-17.1.1598) im Jahre 1569 die Linie zu Dannenberg und überließ seinem Bruder Wilhelm die Herrschaft in Lüneburg-Celle. Als Heinrich starb, teilten seine Söhne 1598 noch einmal, wobei mit August dem Jüngeren eine Unterlinie zu Hitzacker entstand (Hitzacker war erst 1591 dazugekommen). Herzog August der Jüngere war ein nachgeborener Sohn, sein älterer Bruder Julius Ernst regierte in Dannenberg weiter, doch nur ein Jahr nach der "Beförderung" seines jüngeren Bruders starb dieser ohne überlebende Nachkommen. Das Territorium Dannenberg kam kurzfristig an Wolfenbüttel, wurde aber 1671 an Lüneburg zurückgegeben. Diese neue Linie sollte genau ein Jahrhundert in Wolfenbüttel regieren, ehe es wieder 1735 zu einer Diskontinuität kam.
Linie Braunschweig-Wolfenbüttel nach Übergang auf die Linie Braunschweig-Bevern:Innerhalb der Linie Braunschweig Wolfenbüttel trat erneut eine Diskontinuität auf. Über die Tochter des letzten Herzogs kam die 1666 von Herzog Ferdinand Albrecht I. (22.5.1636-23.4.1687) begründete Nebenlinie Braunschweig-Bevern zum Zuge. Bevern bei Holzminden war eigentlich ein Münchhausen-Besitz, kam aber kurz vor 1633 von Statius von Münchhausen an Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel. Diese Nebenlinie setzte 1735 die Erbfolge in Wolfenbüttel und ab 1753/1754 in Braunschweig fort. Das Ende von Braunschweig-Wolfenbüttel als Staat kam unter Friedrich Wilhelm Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (9.10.1771-16.6.1815), dem sog. "Schwarze Herzog", als die französische Besetzung des Herzogtums erfolgte und Braunschweig-Wolfenbüttel am 7.7.1807 Teil des Königreichs Westfalen wurde. 1813 wurde der Herzog rekonstituiert. Erst 1814 wurde das Herzogtum Braunschweig in den alten Grenzen des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel neu gegründet. Unter des Letztgenannten Sohn Karl III. Friedrich August Wilhelm Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (30.10.1804-18.8.1873) kam es zum Chaos: Aufgrund eines Volksaufstandes floh er in die Schweiz, 1830/1831 wurde er wegen Regierungsunfähigkeit abgesetzt, und sein Bruder Wilhelm August Ludwig Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (25.4.1806-18.10.1884) übernahm die Regierung. Da beide kinderlos waren, endete damit 1884 Braunschweig-Wolfenbüttel als Linie. Die Nebenlinie der Herzöge zu Braunschweig-Bevern bestand bis 1809 fort.
Braunschweig-Wolfenbüttel nach der Neugründung des Herzogtums Braunschweig:Über das Fiasko unter Karl III. Friedrich August Wilhelm Herzog zu Braunschweig-Wolfenbüttel (30.10.1804-18.8.1873), dem Sohn des letzten Herzogs v. Braunschweig-Wolfenbüttel, Friedrich Wilhelm (9.10.1771-16.6.1815), der nach der 1814 erfolgten Neugründung des Herzogtums Braunschweig regierte, wurde bereits oben berichtet. Nach dessen Flucht aufgrund eines Volksaufstandes setzte er sich in die Schweiz ab, während sein jüngerer Bruder die Regierung übernahm. Dieser war vorerst der letzte Welfe auf dem Braunschweiger Thron. Mit ihm endete die Regierung der Welfen, denn es gab keine legitimen Erben, und es folgte die Regentschaft der Preußen, erst unter Hermann Graf von Görtz-Wrisberg, dann unter Prinz Albrecht von Preußen, dann unter Albert von Otto, zuletzt unter Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, der bis zum 1.11.1913 das Herzogtum regierte. Nach der Versöhnung zwischen Welfen und Preußen, die mit einer Heirat zwischen beiden Herrscherhäusern gekrönt wurde, konnte die Welfen zurück an die Regierung in Braunschweig kommen. Sie währte nur kurz, genau 5 Jahre nur, denn der Herzog aus dem Haus Hannover, der am 1.11.1913 den braunschweigischen Thron bestiegen hatte, mußte 1918 während der Novemberrevolution abdanken, und das war das endgültige Ende des Herzogtums Braunschweig.
Literatur:
Welfen allgemein:
http://www.welfen.de/ Hannover, Braunschweig und Lüneburg: Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Königreich Hannover:
http://www.koenigreich-hannover.de/index2.html Calenberg:
http://www.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=7000&article_id=19670&_psmand=1000Braunschweig:
http://www.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=7002&article_id=19602&_psmand=1000 Braunschweig-Wolfenbüttel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Herzogtum_Braunschweig-L%C3%BCneburg -
http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Herrscher_des_F%C3%BCrstentums_Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttel -
http://de.wikipedia.org/wiki/Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttelWelfenroß, Niedersachsenroß:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sachsenross