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Herold-vom-Rhein
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« am: 09. November 2011, 15:56:38 » |
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Eigentlich wollte ich nur ein paar hübsche Photos von Herzberg online stellen. Und irgendwie stellte ich fest, daß ich zwar aus der Anfangszeit der Photosammlung ein paar braunschweigische Wappen habe, insbesondere aus meiner alten Liebe Wolfenbüttel, die aber damals relativ gering kommentiert wurden, Anfangszeit eben. Und durch den Ausflug nach Hannover im September sind nun doch ein paar herzoglich-braunschweigische Wappen dazugekommen, so daß man hier mal in die Tiefe gehen könnte, insbesondere die Geschichte der einzelnen Territorien beleuchten könnte. Soweit der Gedanke! Und das war ein Fehler, denn es wird immer mehr, immer komplizierter, immer verworrener und immer haarsträubender. In der Folge das Ergebnis der Literaturrecherche, zur beliebigen wohlwollenden Ergänzung, falls jemand noch etwas findet.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #1 am: 09. November 2011, 16:21:50 » |
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Grafschaft Hohnstein:
Das Wappen ist rot-silbern geschacht, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein Hirschgeweih, die rechte Stange rot, die linke silbern. Dieses Wappen fand gemeinsam mit der Klettenberger und der Lauterberger Komponente Eingang in das Wappen der Welfen, und ebenfalls, aber zusätzlich mit Lohra, in das gräfliche bzw. später fürstliche Schwarzburger Wappen.
Die Grafen von Hohnstein sind seit 1154 bzw. 1182 nachweisbar. Ihr Name ist in der Literatur auch "Hohenstein" oder "Honstein", und zu Beginn tauchen sie auch unter dem Namen der Herren und Grafen von Ilfeld auf. Zeitgenössisch spätmittelalterlich war die Schreibweise "Honstein" gebräuchlich, seit dem 16. Jh. und heute hingegen die Schreibweise mit Dehnungs-"h". Die Schreibweise mit Bindungs-"e" taucht im 19. Jh. auf, um die preußische Grafschaft Hohenstein von der stolbergischen Grafschaft Hohnstein zu unterscheiden (s. u.). Die Grafen hatten ihre gleichnamige Stammburg am Südrand des Harzes ca. 1 km nordöstlich von Neustadt in der Nähe von Nordhausen in Thüringen, heute ist sie eine Ruine. Dieses ursprüngliche Gebiet um die Burg Hohnstein wird als Stammgrafschaft Hohnstein bezeichnet. Vermutlich war im 12. Jh. Herzog Heinrich der Löwe Lehnsherr, aber 1180 wurden ihm alle Reichslehen aberkannt.
Die Grafen bauten im 12. und 13. Jh. rasch ein großes Territorium auf und wurden zu einem bedeutenden Faktor im Südharz bis hin nach Arnstadt und Gotha, zeitweise bedeutender als die Grafenkollegen von Stolberg und die von Schwarzburg. Sie erwarben im Laufe des 13. Jh. stückweise durch Krieg, Fehde und Käufe die Grafschaft Klettenberg als halberstädtisches Lehen und nahmen schließlich die Grafschaft Klettenberg 1353 ganz ein, und sie hatten Lauterberg von den Herzögen von Braunschweig als Pfand und später als Lehen. Auch Lohra als thüringisch-sächsisches Lehen kam im Jahr 1334 zu ihrem Herrschaftsgebiet hinzu, oder genauer gesagt, wie bei Klettenberg gingen in Salamitaktik einzelne Stücke des ehemaligen Territoriums der Grafen von Beichlingen über; zwischen 1327 und 1335 wechselte die ganze Herrschaft Lohra an die Hohnsteiner.
Durch Aufspaltung in mehrer Linien und Familienstreit sank ihre Bedeutung im 14. Jh. 1289 trennte sich mit Heinrich von Hohnstein-Sondershausen eine Linie zu Sondershausen ab, die später 1356 bei seines Sohnes Heinrichs Tod von den Grafen von Schwarzburg aufgrund eines 1349 geschlossenen Erbvertrages beerbt wurde. 1315 erfolgte eine Teilung in drei Linien, eine weitere Teilung erfolgte 1373 in die sich weiter zersplitternde und bald in der Bedeutungslosigkeit versinkende Linie Hohnstein-Kelbra-Heringen (jüngere Linie), die die Stammgrafschaft Hohnstein bekam, und die regierende Linie Hohnstein-Lohra-Klettenberg (ältere Linie). Die Linie Hohnstein-Kelbra-Heringen (jüngere Linie) spaltete sich 1394 noch einmal in die Linie Hohnstein-Kelbra und in die Linie Hohnstein-Heringen. Die Stammburg Hohnstein, die trotz der Teilung der Territorien von den Linien gemeinsam verwaltet wurde, wurde mehrfach erobert, 1380 und noch einmal im sog. Fleglerkrieg 1412 durch von Graf Dietrich von Hohnstein-Heringen angeworbene "Flegler". Hintergrund war die Nichtakzeptanz von seitens der anderen Linie den Wettinern eingeräumten Rechten. Die Burg Hohnstein gelangte im 15. Jh. an die Grafen von Stolberg, denn Graf Dietrich von Hohnstein-Heringen hatte im o.g. Konflikt den Kürzeren gezogen und verkaufte seine Hälfte an Burg Hohnstein 1412, als landgräfliche Truppen in seine Besitzungen einfielen und es eng für ihn wurde. Friedrich von Heldrungen, Besitzer der anderen Hälfte der Burg, wurde 1413 erstochen, und bald darauf wurde auch die zweite Hälfte an Botho von Stolberg erworben. Graf Heinrich von Hohnstein-Heldrungen resignierte 1423, und Graf Ulrich von Hohnstein, Dompropst zu Halberstadt, verzichtete im gleichen Jahr auf seine Ansprüche auf Burg Hohnstein zugunsten von Graf Botho von Stolberg. Auf die Grafen von Stolberg geht der zeitgenössische Ausbau zum modern befestigten Wohnschloß zurück, während die letzten Hohnsteiner Grafen auf Burg Lohra und Burg Klettenberg lebten. Schloß Hohnstein wurde im Verlauf des 30jährigen Krieges 1625 von kaiserlichen Truppen besetzt und 1627 geplündert, abgebrannt und zerstört.
Auch wenn die Grafen von Stolberg noch bis 1593 existierten, fingen schon im 15. Jh. die Braunschweiger an, ihre ewig gebietshungrigen Hände nach Hohnstein auszustrecken. Es war vor allem das Bewußtsein, daß man das territoriale und politische Erstarken der Grafen von Stolberg nicht ohne Gegenmaßnahmen lassen konnte. Man erinnerte sich, daß Herzog Heinrich der Löwe, immerhin ein direkter Vorfahr, mal früher Lehnsherr der Stammgrafschaft Hohnstein war, und man vergaß tunlichst, daß diesem 1180 alle Reichslehen aberkannt worden waren aufgrund der Reichsacht, in die er gefallen war, und daß ihm nur die Allodien (Eigengüter) um Braunschweig und Lüneburg geblieben waren. Wie auch immer, Herzog Otto von Braunschweig-Göttingen schaffte es 1420, Kaiser Sigismund von seiner Sichtweise der Dinge zu überzeugen, und am 11.10.1420 wurde der Braunschweiger Herzog in Sondershausen mit Hohnstein belehnt, sehr zum Unmut des Grafen Botho von Stolberg, der mehr nolens als volens am 24.8.1428 das neue, ungeliebte Lehensverhältnis anerkannte.
Der gesamte Hohnsteiner Herrschaftskomplex mit Klettenberg, Lohra etc. war lehensrechtlich äußerst kompliziert strukturiert. Im Detail würde das hier jeden Rahmen sprengen. Es ist wichtig zu unterscheiden zwischen der Stammgrafschaft Hohnstein (späteres Amt Hohnstein), die ein braunschweigisches Lehen war, und der Grafschaft Hohnstein (spätere Grafschaft Hohenstein) mit Klettenberg und Lohra, die ein halberstädtisches Lehen war. Als das Amt Hohnstein, nun in den Händen der Stolberger, seit dem 19. Jh. wieder Grafschaft Hohnstein genannt wurde, nannte sich übrigens die Grafschaft Hohnstein, nun bei Preußen, mit Klettenberg und Lohra zur Unterscheidung Grafschaft Hohenstein mit Bindungs-"e". Die Grafen von Hohnstein besaßen die Stammgrafschaft Hohnstein und die Grafschaft Hohnstein-Lohra-Klettenberg, doch politisch gingen beide Teile unterschiedliche Wege. Daß ein Braunschweiger zeitweise Bischof von Halberstadt war und damit doppelter Lehnsherr in einer Person, verkompliziert alles noch.
Der letzte Graf von Hohnstein war Ernst VII. v. Hohnstein-Klettenberg (24.3.1562-8.7.1593), 1564 Coadjutor von Walkenried, 1578 Administrator von Walkenried, 1580 zu Klettenberg, Lohra, Lauterberg und Scharzfeld, Sohn von Volkmar Wolfgang Graf v. Hohnstein-Klettenberg (1512-5.2.1580) und Margarethe v. Barby (1528-10.3.1567). Erst 31jährig verstarb er im Kloster Walkenried. Mit seiner ersten Frau Juliane v. Barby (1562-8.11.1590) hatte er einen bereits als Kind verstorbenen Sohn, Volkmar-Wolfgang v. Hohnstein (1583-16.12.1586). Seine Tochter Erdmuthe Juliane v. Hohnstein (11.5.1587-28.7.1633) war die letzte des gesamten Geschlechtes. Die zweite Ehe des letzten Hohnsteiner Grafen mit Agnes v. Everstein (1576-27.11.1636) blieb ohne Nachkommen.
Schwarzburg, Stolberg und Hohnstein hatten 1433 einen Erbverbrüderungsvertrag geschlossen. Die Grafen von Schwarzburg, übrigens Verwandte der Grafen von Stolberg, traten in das bestehende Lehensverhältnis zu den Braunschweiger Herzögen ein. Infolgedessen kam es zu offiziellen Belehnungen der Schwarzburger mit Hohnstein 1446, 1456, 1504, 1555. Für den halberstädtischen Teil der Grafschaft Hohnstein war hingegen 1515 Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, Administrator von Halberstadt, als Lehnsherr zuständig.
Dennoch entstand 1593 ein lange währender Streit um die Verteilung der Gebiete, denn der Bischof von Halberstadt als Lehnsherr wollte von diesem Kungel von 1433 nichts wissen. Schon zu Lebzeiten des letzten Grafen hatte er das klar artikuliert. Auch hatte 1573 ein komplizierter Tausch die Lage noch unübersichtlicher gemacht: Am 26.10.1573 kam es zu dem sog. Halberstädter Permutationskontrakt. Zwischen dem Kurfürst von Sachsen und dem Hochstift von Halberstadt kam es zu einem Gebietstausch, Mansfeld wechselte in die eine Richtung, Lohra in die andere. Fazit: Halberstadt hatte nun die Lehnsherrschaft über einen größeren Anteil der ehemaligen Grafschaft Hohnstein. Für die Inhaber der Lehen, die Grafen von Stolberg und die Grafen von Schwarzburg, sollten sich keine Nachteile ergeben. Ein hohles Versprechen, denn als 1579 Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel postulierter Bischof von Halberstadt wurde, ignorierte die Vertragsbedingungen und einen kaiserlichen Schutzbrief für die Hohnsteiner Grafen von 1574 und weigerte sich zunächst einfach, sie zu belehnen. Erst 1587 und 1590 erfolgten die Belehnungen mit der Stammgrafschaft Hohnstein.
Die Territorien der Grafen fielen nach 1593 teilweise an die Herzöge von Braunschweig (Lauterberg, Scharzberg, beide als erloschene und heimgefallene Lehen), teilweise an Stolberg (Hohnstein selbst, Stammgrafschaft), teilweise an das Hochstift Halberstadt und damit später an Brandenburg (siehe Klettenberg, Lohra). 1625 wurde Burg Hohnstein von kaiserlichen Truppen besetzt. Erst 1632 konnten die Grafen von Schwarzburg und zu Stolberg ihr 1433 begründetes Recht auf Lohra und Klettenberg wenigstens teilweise durchsetzen, während der andere Teil bei den Wolfenbüttelern Herzögen blieb (im Detail siehe unten bei Klettenberg). In den Wirren des 30jährigen Krieges kam Hohnstein als Pfand gegen 60000 Gulden kurzzeitig 1628-1631 an die aus Tirol stammende Familie Thun, die sich seitdem von Thun und Hohenstein nannte, das Hohnsteiner Schach jedoch nicht bleibend ins Wappen aufnahm. 1631 übernahm Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel wieder die Herrschaft, und unter ihm kam es 1632 zum Vergleich mit den Grafen von Stolberg und denen von Schwarzburg. 1697 wurde die Stammgrafschaft Hohnstein innerhalb des Hauses Stolberg zwischen der Wernigeroder und der Stolberger Linie geteilt.
Durch diese politischen Verflechtungen (siehe auch bei Klettenberg) kam es, daß insgesamt sieben Geschlechter sich Grafen von Hohnstein nannten: Die echten Grafen von Hohnstein, die Grafen von Stolberg, die Grafen von Schwarzburg, die Herzöge von Braunschweig-Wolfenbüttel, die Grafen von Sayn-Wittgenstein und die Grafen von Thun und zuallerletzt die preußischen Könige. Und das Hohnsteiner Schach findet sich bei den Grafen von Stolberg, den Grafen von Schwarzburg, den Herzögen von Braunschweig, den Grafen von Sayn-Wittgenstein und den preußischen Königen im vermehrten Wappen.
Literatur: Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Jörg Brückner, Zwischen Reichsstandschaft und Standesherrschaft, die Grafen von Stolberg und ihr Verhältnis zu den Landgrafen von Thüringen, Dissertation 2003
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« Antworten #2 am: 09. November 2011, 16:23:50 » |
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Grafschaft Klettenberg:
Das Wappen der 1187 urkundlich erstmals bezeugten Grafen von Klettenberg ist in Silber ein schwarzer schreitender schwarzer Hirsch, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken zwei schwarze Hischstangen (ein schwarzes Hirschgeweih). Dieses Wappen fand zuerst Eingang in das Hohnsteiner Wappen, und gemeinsam mit diesem kam es in das Welfenwappen. Ein weiteres Wappen, in das Klettenberg zusammen mit Hohnstein Eingang fand, ist das der Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg (kaiserlicher Wappenbrief vom 18.4.1597).
Die im 12. Jh. entstandene Grafschaft Klettenberg, im Südharz und in dessen südlichem Vorland gelegen, war ein Halberstädter Lehen. Die namengebende Burg Klettenberg liegt südlich von Walkenried und Bad Sachsa und nordöstlich von Nordhausen; heute sind nur noch unscheinbare Mauerreste erhalten.
Die Klettenberger gehen vermutlich auf Konrad von Ballhausen als Stammahn zurück. Die Grafschaft war ein Lehen des Erzstifts Magdeburg und ab 1257 ein Lehen des Bistums Halberstadt (eine Ausnahme: Ellrich war ein Fuldaer Lehen der Landgrafen von Thüringen). Die Grafen von Hohnstein verdrängten die Grafen von Klettenberg Stück für Stück aus ihrem Besitz durch Käufe, Fehden und militärische Eingriffe, nahmen in der Mitte des 13. Jh. die Burg Klettenberg ein und beendeten längere Auseinandersetzungen durch Einnahme der Grafschaft im Jahre 1253. Die Grafen von Hohnstein spalteten um ca. 1315 mit Heinrich II. eine eigene Linie Klettenberg ab, mit der sie dann 1593 ausstarben (s. o.). Andere Linien waren schon im 15. Jh. erloschen.
Mit dem Aussterben der Grafen von Hohnstein 1593 fiel Klettenberg an Braunschweig-Grubenhagen. Als quasi braunschweigisches Afterlehen fiel Klettenberg erst 1632 an Stolberg und Schwarzburg gemeinsam, was auf einem 1433 zwischen Hohnstein, Schwarzburg und Stolberg geschlossenen Erbverbrüderungsvertrag beruht, wobei der Rechtstreit darüber vor dem Reichskammergericht etwas länger dauerte. Die Grafen von Schwarzburg, übrigens Verwandte der Grafen von Stolberg, wurden durch diesen Erbvertrag 1433 nämlich Mitbelehnte, denn sie traten in das bestehende Lehensverhältnis zu den Braunschweiger Herzögen ein. Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel hatte aber diesen Kungel der Grafenfamilien untereinander nie akzeptiert, und schon zu Lebzeiten des letzten Hohnsteiner Grafen hatte er sich gegen eine Akzeptanz ausgesprochen. Ohne kaiserliche Genehmigung war er nicht bereit, die Erbverbrüderung zu akzeptieren. Vielmehr betrachtete er, der 1583 noch die Belehnung mit den Herrschaften Lohra und Klettenberg gegenüber Halberstadt erneuert hatte, diese Lehen Klettenberg und Lohra als erledigt und heimgefallen, und nun, nach dem Aussterben der Hohnsteiner, ließ er sich selbst vom Halberstädter Domkapitel damit belehnen. Das "ging" auch nur, weil er in Personalunion Herzog und Bischof war. Heinrich Julius pochte auf die Belehnung von 1583, schickte drei Tage nach dem Tod des letzten Hohnstein-Klettenberger Grafen 1593 seinen Kanzler Johannes Jagemann los, um den gesamten Herrschaftskomplex in Besitz zu nehmen. Das Gebiet wurde militärisch besetzt, die Verwalter der Grafen von Stolberg und der von Schwarzburg wurden verjagt oder kassiert, je nachdem. Das beschäftigte nun das Reichskammergericht etwas länger, und über den Auseinandersetzungen brach der 30jährige Krieg aus.
1625 wurde Klettenberg von kaiserlichen Truppen besetzt. 1627 wurde die Burg Klettenberg vollends zerstört. Unter Herzog Friedrich Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel kam es 1632 zum Vergleich mit den Grafen von Stolberg und denen von Schwarzburg. Der beinhaltete folgende Aufteilung: Braunschweig-Wolfenbüttel bekam Klettenberg mit Ellrich und Sachsa, die beiden Grafenhäuser Lohra, Dietenborn, Bleicherode etc. als gemeinamen Besitz. Beide Grafenhäuser sollten Klettenberg erben, falls Braunschweig-Wolfenbüttel ausstürbe, aber als braunschweigische Lehen.
Als bereits 1634, viel schneller als gedacht, die Linie Braunschweig-Wolfenbüttel mit eben diesem Herzog, der den Vergleich geschlossen hatte, ausstarb und in Wolfenbüttel die Nebenlinie Lüneburg-Dannenberg die Nachfolge antrat, nahmen die beiden Grafenhäuser Klettenberg in Besitz. Das war ja auch genauso vereinbart. Doch nun machte es das Stift Halberstadt genauso wie der Herzog Heinrich Julius zuvor 1593: Es betrachtete Klettenberg als heimgefallenes halberstädtisches Lehen und damit als sein eigen, und im April 1634 ließ Graf Johann Richard von Metternich, Kanoniker in Halberstadt, gemeinsam mit einem Oberst der Schweden (Halberstadt war damals gerade schwedisch besetzt) die gräflichen Beamten aus Klettenberg hinauswerfen. Der Statthalter von Halberstadt war damals Fürst Ludwig von Anhalt, und er nahm am 18.8.1634 die Grafschaft Hohnstein-Lohra-Klettenberg für die schwedische Krone als erledigtes halberstädtisches Lehen in Besitz nehmen. Diese beiden Grafenfamilien hatten zwar mehrfach das Führen von Titeln und Wappen von höchster Stelle bestätigt bekommen, so richtig hatten sie aber nie etwas von Klettenberg, und auch jetzt mußten sie sich frustriert und knurrend wieder zurückziehen.
Danach wurden die politischen Zusammenhänge abenteuerlich, 1648 wurde Klettenberg nach dem Ende des 30jährigen Krieges brandenburgisch (als Ersatz für pommersche Gebiete, die an Schweden kamen), dann bis 1699/1702 ein Lehen für die Grafen von Sayn-Wittgenstein (1699 Forderung auf Rückkauf, Weigerung, Besetzung, 1702 Bezahlung), nun wieder brandenburgisch, 1701 königlich preußisch, 1807 wurde Klettenberg königlich-westfälisch, 1814 wieder preußisch.
Nochmal zurück zum Westfälischen Frieden: Immerhin bekam Braunschweig 1648 im Westfälischen Frieden Walkenried, ein kleiner Trost. Die Grafen von Schwarzburg und die von Stolberg gingen bezüglich der Grafschaft Hohnstein leer aus. Es sollte erwähnt werden, daß Graf Johann von Sayn-Wittgenstein eigentlich als Beauftragter der Grafenfamilien an den Verhandlungen in Münster und Osnabrück dabei war. So sollte man meinen, daß er deren Interessen zu vertreten gehabt hätte, eigentlich. Tatsächlich war er aber auch Gesandter Brandenburgs. Und so richtig war er nur Vertreter seiner eigenen Interessen, denn schon am 27.3.1647, also noch vor dem offiziellen Friedensschluß, hatte er sich von Friedrich Wilhelm von Brandenburg die Anwartschaft auf Hohnstein, Klettenberg und Lohra zusichern lassen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Kaiser, hoch über diesen kleinen egoistischen Niederträchtigkeiten stehend, bestätigte 1653 die Überlassung, und die Grafen nannten sich jetzt Grafen von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein. Wer war wieder einmal der Gelackmeierte? Richtig, die Grafen von Stolberg und die von Schwarzburg. Sie versuchten natürlich, dagegen anzugehen, auf dem Reichstag von 1653 zu Regensburg schon, und auch 1673 unter Zuhilfenahme des sächsischen Kurfürsten Johann Georg als Fürsprecher. Am 25.4.1674 kam es dann zu einem kaiserlichen "Exspektanzbrief". Man sah die Benachteiligung der Grafen 1648, bedauerte sie zutiefst, und sollte mal in näherer Zukunft ein adäquates Reichslehen vakant werden, würde man selbstverständlich an sie denken. Tatsächlich konnten sich die Grafen für dieses Papier noch nicht mal einen Lutscher kaufen, denn bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches tat sich in dieser Angelegenheit gar nichts.
Den Klettenberger Hirsch finden wir aufgrund dieser verworrenen Zusammenhänge bei den Grafen von Stolberg, den Grafen von Schwarzburg, den Herzögen von Braunschweig und bei den Grafen von Sayn-Wittgenstein im vermehrten Wappen.
Literatur: Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Jörg Brückner, Zwischen Reichsstandschaft und Standesherrschaft, die Grafen von Stolberg und ihr Verhältnis zu den Landgrafen von Thüringen, Dissertation 2003
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« Antworten #3 am: 09. November 2011, 16:28:00 » |
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Grafschaft Lauterberg: Das Wappenbild für Lauterberg ist geteilt, oben in Rot ein schreitender goldener Löwe mit roter Zunge und ebensolcher Bewehrung, unten mehrfach gold-rot geteilt (in Rot drei oder vier goldene Balken oder siebenmal von Gold und Rot geteilt), auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein grüner (natürlicher) Pfauenstoß. Interessanterweise werden im Siebmacher Band Sachsen Siegelbilder beschrieben, die den Löwen unten und die Teilungen oben haben. Diese Komponente ist in Bezug auf den Eingang in das Welfenwappen in einem gemeinsamen Zusammenhang mit Hohnstein zu betrachten. Die Grafen von Lauterberg hängen mit den Scharzfeldern (Scharzberg, Burg Scharzfels) zusammen, der der ältere Familienstamm war und von denen sie sich gegen Ende des 12. Jh. als eigene Linie abspalteten. Graf Sigebodo II nannte sich 1183 erstmals nach Lutterberg (Lauterberg). Lauterberg bzw. die über der im Südharz gelegenen Stadt gegen Ende des 12. Jh. erbaute Burg Lutterberg war ein alter Berührungspunkt zwischen den Herzögen von Braunschweig und den Grafen von Hohnstein. Graf Heidenreich III. gen. Heyso war der letzte Graf der Burg Lutterberg, und nach seinem Tod 1398 besetzte Hans von Minningerode kurzfristig die Burg für wenige Jahre. 1402 bekamen die Grafen von Hohnstein die Burg mit den Dörfern Barbis, Bartolfelde, Osterhagen und Steina, nach dem Aussterben der Grafen von Lutterberg heimgefallenes Lehen, von den Welfen als Pfand. Doch Erich I. Herzog von Braunschweig-Salzderhelden bzw. Braunschweig-Grubenhagen (-28.5.1427) und der Graf von Hohnstein bekamen Streit miteinander, infolgedessen wurden die Grafen besiegt, z. T. getötet, z. T. gefangengenommen, und die Burg wurde dabei 1415 vollständig zerstört, und sie ist seitdem Ruine. Später vertrug man sich wieder, denn 1456 bekamen die Grafen von Hohnstein die Burg und das zugehörige Territorium als Lehen von Braunschweig. 1499 wiederum fiel Philipp I. Herzog von Braunschweig-Grubenhagen-Herzberg (-4.9.1551) in die verlehnte Grafschaft ein und verwüstete die Orte Lauterberg, Bartolfelde und Barbis; vielleicht wegen Grenzstreitigkeiten mit den Grafen von Hohnstein. Das Gebiet war aufgrund des dort stattfindenden Bergbaus, insbesondere von Kupfer und Silber, ein wirtschaftlich wichtiges. Die Grafen von Hohnstein nahmen das Motiv in ihr Wappen auf, ihr Schild war geviert aus Hohnstein und Lauterberg, mit Herzschild Klettenberg. Aufgrund dieser rechtlichen Situation fiel mit dem Aussterben der Grafen von Hohnstein-Klettenberg 1593 Lauterberg ohne viel Diskussion als heimgefallenes Lehen an Braunschweig-Grubenhagen zurück, und Wolfgang Herzog von Braunschweig-Grubenhagen-Herzberg (6.4.1531-14.3.1595) zog Lauterberg-Scharzberg gegen die Machtansprüche der Grafen von Stolberg kurzerhand ein. Hierzu eine generelle Anmerkung, die für mehrere von der Linie Braunschweig-Grubenhagen-Herzberg 1593 erworbene Territorien Lauterberg etc. gilt: Die Gebiete fielen rechtmäßig 1593 an Braunschweig-Grubenhagen, die jedoch nur bis zum Tod von Philipp II. Herzog von Braunschweig-Grubenhagen Herzberg (2.5.1533-4.4.1596) existierte. Wer nun erbte, darüber waren die anderen Linien durchaus geteilter Meinung. Heinrich Julius Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.10.1564-1613) überging die Erbansprüche anderer Linien und bemächtigte sich kurzerhand des gesamten Grubenhagener Gebietes, also auch der 1593 erhaltenen Gebiete. Nach dem Regierungsantritt seines Sohnes Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634) entbrannte Streit um die Ländereien mit den Celler Welfen. Herzog Friedrich Ulrich schuf Tatsachen und besetzte die Gebiete einfach. Doch 1616 mußte er einem Mächtigeren nachgeben, denn der Kaiser hatte bestimmt, daß er das Land an Herzog Christian von Braunschweig-Lüneburg-Celle (19.11.1566-8.11.1633) herausgeben sollte. Das Reichskammergericht wurde deswegen angerufen, und es entschied 1617 zugunsten der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg-Celle. Am 10.3.1617 bestätigte der Kaiser in Prag noch einmal die Erbfolge für das Fürstentum Grubenhagen unter Begünstigung der lüneburgischen Linie. Damit war das gesamte 1596 usurpierte Gebiet für Unrecht erklärt worden, und die Gebiete wechselten wieder einmal die Landesherrschaft, auch wenn es nur eine andere Welfenlinie war. Lauterberg wechselte also zwischen 1593 und 1617 dreimal den Landesherrn: Hohnstein - Grubenhagen - Wolfenbüttel - Celle. Im vermehrten Wappen blieben die Symbole freilich. Dennoch war der Besitz Lauterberg so sehr mit Hohnstein verbunden, daß viele der Geschlechter, die später das Hohnsteiner Wappen in ihr eigenes vermehrtes Wappen aufnahmen, auch das Lauterberger Symbol in ihr Wappen einfügten. Neben den Welfen waren das die Grafen von Stolberg, die Grafen von Schwarzburg und die Grafen von Sayn-Wittgenstein. Die Welfen waren als einzige so frei, die beiden Hälften des geteilten Schildes aus dem Zusammenhang zu nehmen und in verschiedenen, nicht zusammenhängenden Plätzen eines mehrfeldrigen Schildes unterzubringen; die anderen bewahrten die Einheit des Elementes. Literatur: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Geschichte Burg Lutterberg http://kupfer.homeip.net/specials/historisch/lutterberg/intro3.htm Rekonstruktion Burg Lutterberg: http://kupfer.homeip.net/specials/historisch/lutterberg/intro2.htm Burg Scharzfels: http://www.ausflugsziele-harz.de/ausflugsziele-sehenswertes/burg-schloss/burgruine-scharzfels.htm Fortsetzung geplant 
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Gernot
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« Antworten #4 am: 09. November 2011, 16:50:22 » |
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Chapeau! Mit großem Gewinn und Vergnügen gelesen. Danke.
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Gernot
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #5 am: 12. November 2011, 21:12:14 » |
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ein bißchen hatten wir es ja schon bei Gandersheim, hier nun noch ein bißchen ausführlicher:
Grafschaft Bruchhausen: Diese Komponente ist in engem Zusammenhang mit der Grafschaft Hoya zu betrachten, und gemeinsam fanden die Elemente ihren Weg in die Welfen-Wappen. Hierbei geht es sogar um zwei Komponenten, Altenbruchhausen und Neuenbruchhausen, die die Welfen als eine Einheit zusammen mit Hoya ins Wappen bekamen. Die benachbarten Gebiete befinden sich ca. ca. 70 km nord-westlich von Hannover und ca. 30 km südlich von Bremen. Beide liegen im Landkreis Diepholz. Altenbruchhausen ist heute in Bruchhausen-Vilsen aufgegangen. Neuenbruchhausen ist heute ein Ortsteil von Bassum.
Einst herrschten hier im 12. Jh. Grafen von Bruchhausen, die ca. um 1220 ausstarben. Das Lehen des Erzstifts Bremen kam danach an die Grafen von Oldenburg, die hier nach einer 1259 erfolgten Teilung zwei verschiedene Linien etablierten, die Grafen von Altenbruchhausen und die 1259 erstmals erwähnten Grafen von Neuenbruchhausen. Eine Erbtochter dieser oldenburgischen Linie hatte Alt-Bruchhausen 1326 Altenbruchhausen an die Grafen von Tecklenburg gebracht. Graf Nikolaus von Tecklenburg verkaufte 1338 Altenbruchhausen an die Grafen Gerhard und Johann von Hoya. Graf Gerhard zu Bruchhausen verkaufte 1384 Neuenbruchhausen an seinen Onkel für 2000 Mark, und damit waren beide Teile im Besitz der Grafen von Hoya.
Nach dem Erwerb von Alten-Bruchhausen 1338 begannen die Grafen von Hoya in beiden Linien, das Wappen der Grafen von Bruchhausen, einer Linie der Grafen von Oldenburg, aufzunehmen, den rot-silbern dreimal geteilten Schild, mal in Form zweier zusammengestellter Schilde, wie auf Siegeln von Graf Gerhard III. zu sehen ist, mal als kleinen Schild zwischen den Bärentatzen, wie auf Siegeln von Graf Johann II. zu sehen ist. Graf Otto III., der Sohn von Gerhard III., führte drei zusammengestellte Schilde, Hoya (Schild 1), und für Bruchhausen einmal die Teilungen (Schild 2) und einmal die Ständerung (Schild 3) für die Familie, die vor den Grafen von Oldenburg Bruchhausen besaß. Diese beiden Komponenten sind also Erinnerungswappen an frühere Besitzer der Grafschaft.
Die Hoyaer Linie (s. u.) benutzten sogar noch eine dritte Komponente: 1384 ff. kommen unter Graf Otto III. drei (2:1) Rosen ins Spiel: Siegel aus der Zeit zeigen drei Schilde, Hoya, die Teilungen und die drei Rosen, oder alles in einem einzigen Schild zusammengezogen. Solche Siegel begegnen uns bei Graf Otto VII. zwischen 1452 und 1494 sowie bei Graf Friedrich II. von 1494 bis 1502. Ein solches Wappen ist auch am Abteigebäude in Gandersheim bauplastisch dargestellt. Die drei Rosen gehören wieder zu den Oldenburgern, sie stellen das Stammwappen der Wildeshauser Linie dar, und sie stehen hier von den Indizien her als Symbol für die Grafschaft Neuen-Bruchhausen, denn sie tauchen nach deren Erwerb auf. Man muß bedenken, daß diese unterschiedlichen Oldenburger Wappen aus der formativen Periode der Heraldik stammen, als die Führung und Weitergabe noch nicht den späteren Richtlinien unterlag (Siebmacher, Band Landesfürsten Teil 2, S. 36-38, Tafel 40-42). So wird eine Herkunft der Rosen der Wildeshauser Linie von den Grafen von Hallermund angenommen, denn Graf Heinrich II. von Oldenburg hatte Beatrix von Hallermund geheiratet. Graf Heinrich III. von Oldenburg siegelte 1219 z. B. mit dem Rosenschild, aber 1233-1234 mit den drei Teilungen. Eben jener Graf Heinrich ist über seine Söhne Stammvater der beiden Linien zu Neuen- und zu Alten-Bruchhausen. Die alten Grafen von Bruchhausen waren um 1220 ausgestorben. Die Aufteilung erfolgte 1259. Beide oldenburgisch-bruchhausener Linien führten die drei Teilungen im Schild. Erst im 13. Jh. bildeten sich die beiden roten Oldenburger Balken in goldenem Feld heraus, die fortan das Wappen der Oldenburger blieben.
Diese bald nach dem Erwerb von Bruchhausen erfolgende Aufnahme der zusätzlichen Felder gilt nur für die gerhardische Linie, deren letzte Männer Graf Otto VII. und Graf Friedrich II. waren. Zur Nienburger Linie, die letztendlich für den Übergang an die Welfen relevant war, siehe Abschnitt Hoya. Die Komponente mit den Rosen wird nicht von den Welfen übernommen, wohl aber werden es die beiden anderen Motive.
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« Antworten #6 am: 12. November 2011, 21:14:23 » |
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Grafschaft Hoya: Das Wappen von Hoya zeigt in Gold zwei aufgerichtete, abgerissene, schwarze Bärentatzen mit roter Bewehrung (Stammwappen), auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken die zwei schwarzen, ausgerissenen, rotbewehrten Bärentatzen. Zeitweilige Vermehrungen mit Feldern für Alten- und Neuen-Bruchhausen in der Hoyaer Linie wurden bereits oben im Abschnitt Bruchhausen diskutiert, wobei die Darstellung der Nienburger Linie folgen wird. In Zusammenhang mit den Komponenten für Bruchhausen fanden die Symbole für Hoya Eingang in die Welfen-Wappen.
Regional liegt die Grafschaft Hoya westlich der Mittelweser. Keimzelle ist die Burg Hoya auf einer Weserinsel, erbaut von aus Friesland Zugewanderten, und von da aus dehnten die Edelherren ihr Territorium insbesondere nach Süden zur Grafschaft aus. 1215 kauften sie Freigrafschaft Nienburg, 1338 die Grafschaft Altenbruchhausen, 1384 Neuenbruchhausen. Auf dem Höhepunkt ihrer territorialen Ausdehnung reichte die Grafschaft von den Grenzen Bremens bis zu denen des Hochstifts Minden. Im Osten lag die Weser, und im Westen stieß die Grafschaft an zwei weitere Grafschaften, Diepholz und Oldenburg. Politisch gehörte die Grafschaft Hoya zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis.
Das gräfliche Haus Hoya, bis dahin ältere Linie genannt, spaltete sich 1345 in zwei neue Linien, wobei die auf Gerhard III. v. Hoya, gest. 1383, zurückgehende Linie die Niedergrafschaft bekam (Hoyaer Linie, s. o.), die auf dessen Bruder Johann zurückgehende Linie hingegen die Obergrafschaft (Nienburger Linie). Die Herren der Obergrafschaft nannten sich fortan "Grafen von Hoya" und die Herren der Niedergrafschaft "Grafen von Hoya und Bruchhausen", weil ihnen das Bruchhausener Gebiet zugeschlagen worden war.
Während die Hoyaer Linie schon bald nach Erwerb von Bruchhausen diese Elemente in das vermehrte Wappe aufnahm (s. o. unter Bruchhausen), führte die Nienburger Linie der Grafen von Hoya (s. u.) hingegen lange Zeit lediglich den Bärentatzenschild, und auch bei der Wiedervereinigung beider Teilterritorien nach Erlöschen der Hoyaer Linie blieb man dabei.
Erst 1568 erscheint unter Graf Otto VIII., der noch 1563 und 1567 konventionell siegelte, ein erstes vermehrtes Wappen, in dem die oldenburgische dreimalige Teilung für Neuen-Bruchhausen steht, und das geständerte Feld für die voroldenburgischen Besitzer von Bruchhausen. Die von der Hoyaer Linie aufgenommenen Rosen wurden nicht übernommen. Im Detail ist das nun vermehrte Wappen halbgespalten und geteilt, 1 Hoya, 2 Teilungen, 3 Ständerung. Die Helmzier ist eine Kombination aller drei Elemente, Bärentatzen, Büffelhörner und Fähnchen. Nur wenige Jahre später folgt Graf Otto VIII. (1530 - 25.2.1582), Sohn von Jobst II. Graf v. Hoya (1493-25.4.1545) und Anna Magdalena v. Gleichen-Blankenhain (-12.10.1545) und der Letzte seines Geschlechts, 1575 der Mode der Quadrierung: Geviert, Feld 1 und 4: Hoya, Feld 2 und 3: jeweils geteilt, oben die Teilungen, unten die Ständerung. Dazu werden drei Helme geführt, zentral Hoya, rechts die Fähnchen für Oldenburg, links die übereck geteilten Büffelhörner. Eine dritte Variante findet sich im sog. Hofmannschen Ehrenkleinod: Geviert, 1 und 4: Ständerung, 2 und 3: Teilungen, Herzschild: Hoya. Dazu werden drei Helme geführt, zentral Hoya, rechts die übereck geteilten Büffelhörner, links die Fähnchen für Oldenburg, also wie oben, nur mit vertauschten äußeren Positionen, was auch bei dem vorigen Wappen vorkommen kann. Ein wegen Rietberg, Esens und Wittmund noch weiter differenzierteres Wappen führte Ottos Bruder, Graf Erich V. (1535 - 12.3.1575). Bei seinem Wappen werden alle drei Kleinode, die Bärentatzen für Hoya, die Fähnchen für Oldenburg - Neu-Bruchhausen und die Büffelhörner für Alt-Bruchhausen, zu einem einzigen kombiniert, weil man die beiden anderen Helme für Rietberg (rechts) bzw. Esens-Wittmund (links) benötigte.
Zu der Ständerung wurde nachträglich eine Helmzier nach dem einfachsten Prinzip eines Standard-Kleinods geschaffen, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar silbern-blau übereck geteilter Büffelhörner, eine Helmzier, die mangels verbindlicher Vorbilder in den Welfen-Wappen zahlreichen Modifikationen unterlag. Die für die oldenburgischen Teilungen adaptierte Helmzier mit den Fähnchen basiert auf den alten Fahnenkleinoden der Oldenburger, wie sie uns auf Siegeln begegnen (Graf Johann I., Graf Christian d. Ä., dessen Sohn Otto). Unter dem Letztgenannten änderte sich das Kleinod zu einem Paar wie der Schild bez. Büffelhörnern, und so etablierte es sich fortan und wurde bindend für Oldenburg, während die alten Fähnchen im Welfenwappen überlebten, mit einer rot-silbernen Teilung, variabler Anzahl.
Die Braunschweiger Herzöge nahmen die Ständerung unter dem Namen "Alt-Bruchhausen" auf und die Teilungen unter dem Namen "Neu-Bruchhausen", wobei hier "Alt" und "Neu" eigentlich zeitlich und nicht territorial zu verstehen sein sollte.Seitdem steht ein dreimal rot-silbern geteiltes Feld für das ehemals oldenburgische, dann neuere Bruchhausener Wappen, und ein achtfach silbern-blau geständertes Feld für das ältere Bruchhausener Wappen. Die beiden möglichen Kleinode für die beiden Komponenten fanden umgestaltet als Kombinationshelmzier in zahlreichen Varianten Eingang in das Welfenwappen, z. B.: zwei übereck von Silber und Blau geteilte Büffelhörner, dazwischen zwölf rot-silbern geteilte Fähnchen an goldenen Lanzen, oder: zwischen zwei silbern-rot gestückten Büffelhörnern vier rot-silbern geteilte Fähnchen an roten Lanzen, oder: zwei übereck von Silber und Blau geteilte Büffelhörner, dazwischen rot-silbern gespaltene Fähnchen, oder eine weitere Variante.
Wie kam Hoya nun eigentlich an die Welfen? Eigentlich fiel ja der Besitz der Hoyaer Linie mit deren Aussterben an die Nienburger Linie (am 19.11.1459 kam es unter Johann V. Graf v. Hoya (-10.4.1466) zu einem Vereinigungsvertrag mit der Niedergrafschaft). Die gerhardische (Hoyaer) Linie war mit Friedrich Graf von Hoya (gest. 1503) akut vom Aussterben bedroht, und Herzog Heinrich d. J. von Braunschweig-Lüneburg ließ sich 1501 von Maximilian mit Hoya für den Fall des Heimfalls mit der Grafschaft insgesamt belehnen, eine politische Ungeheuerlichkeit, die nur dem Recht des Stärkeren entsprang, denn die politisch schwachen Herzöge von Sachsen-Lauenburg, die ja die Landesherren für Hoya waren, wurden einfach übergangen. Und die Herzöge machten es gleich wasserdicht, denn Graf Jobst I. von Hoya (gest. 1507), in Nienburg, 1503 auch zu Hoya, mußte 1504 seine Herrschaft vom Herzog von Braunschweig-Lüneburg zu Lehen nehmen, desgleichen 1512 Graf Jobst II. von Hoya (1493-25.4.1545). Zeitweise wurde die Grafschaft sogar militärisch besetzt, um seine Stellung als Landesherr durchzusetzen. Am 30.3.1512 kam es zu einem Eroberungsvertrag der Braunschweiger Herzöge, am 9.7.1512 wurde die Grafschaft tatsächlich erobert, 1512-1519 weilte Jobst II. im Exil in Ostfriesland, 1519 kam es zu einem Vergleich unter Zahlung von 36000 Goldgulden, 1527 konnte der Graf in sein Schloß und in seine Grafschaft zurückkehrten.
Der letzte Graf von Hoya war Otto VIII (1530-25.2.1582), vermählt mit Agnes von Bentheim und Steinfurt. Er schlug erst eine kirchliche Laufbahn ein, war 1545 Domherr zu Köln und Verden, bis 1559 Canonicus zu St.Gereon in Köln, resignierte, teilte 1568 mit den Brüdern, 1575 zu Hoya. Nach dessen Ableben konnten die Welfen (Braunschweig-Lüneburg) zuschlagen und die nun an sie selbst heimgefallene Grafschaft Hoya als Reichslehen unter ihren verschiedenen Linien Calenberg, Wolfenbüttel (obere Grafschaft, Ehrenburg, Steierberg, Diepenau, Stolzenau, Bassum, Siedenburg, Harpstedt, Syke) und Celle (untere Grafschaft, Nienburg, Liebenau, Bruchhausen, Thedinghausen, Westen) aufteilen. Aufgrund der Eigendynamik der welfischen Linien fielen die Gebiete 1584 sämtlich an Wolfenbüttel und 1634 an Celle. Nach Aussterben der Linien Calenberg und Wolfenbüttel war Celle, später Hannover im Besitz der gesamten ehemaligen Grafschaft Hoya. Wappenbild und Helmzier fanden als Ganzes Eingang in das Welfen-Wappen, und die Helmzier wurde nicht mit anderen Elementen vereinigt.
Literatur: Siebmacher, Landesfürsten, Teil 2 Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
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« Antworten #7 am: 13. November 2011, 09:29:13 » |
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Heutige Braunschweiger Wappen, bis auf wenige Ausnahmen, prangen alle in gold-blau. Sie wurden weitgehend von Dr. Rabbow gestaltet.
Peter
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« Antworten #8 am: 13. November 2011, 17:23:35 » |
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Grafschaft Blankenburg: Das Wappen der Grafen von Blankenburg zeigt in Silber eine querliegende schwarze Hirschstange, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzes Hirschgeweih. Blankenburg und Regenstein sind eng mit einander verknüpft, territorial, genealogisch und heraldisch. Beide Komponenten fanden gemeinsam Eingang in das Welfenwappen. Die vor 1123 (erste chronistische Erwähnung) errichtete Burg Blankenburg liegt am nördlichen Ostrand des Harzes auf einem steilen Kalkfelsen oberhalb der gleichnamigen, um 1200 im Schutze der Burg planmäßig angelegten Stadt. Zeitweise war Blankenburg ein welfisches Lehen, aber nur kurz. 1139 nennt sich der Stammvater des Grafengeschlechts nach der Blankenburg. Die Grafen waren seit dem Sturz Heinrichs des Löwen eigentlich prinzipiell Vasallen des Hochstifts Halberstadt, und diese Konstellation setzte sich im 14. Jh. durch. Die ehemalige Grafschaft lag im nördlichen Harzvorland überlappend in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Im 13. Jh. teilte sich die Familie unter den Söhnen des Grafen Poppo in die Linien zu Blankenburg und in die zu Regenstein (s. u.) und später noch in die zu Heimburg, wurde aber wieder nach dem Erlöschen der anderen Linien in der Linie Heimburg vereinigt. Die Linie zu Blankenburg wurde fortgesetzt von Siegfried I., Siegfried II., Siegfried III., Heinrich II., den Brüdern Siegfried VI. und Heinrich III. und erlosch schließlich 1370 mit Graf Poppo von Blankenburg. Die verwandten Grafen von Regenstein-Heimburg übernahmen im 14. Jh. alles und regierten die vereinigten Grafschaften bis zu ihrem Aussterben. Mitte des 15. Jh. gab man Burg Regenstein zugunsten des Ausbaus der Burg Blankenburg auf. Alle Grafen, die von Poppo abstammen, sei es zu Blankenburg, zu Regenstein oder zu Heimburg, führen die Hirschstange im Schild, die querliegend und nach oben gekrümmt mit ursprünglich drei nach oben gekehrten Enden dargestellt wurde, also insgesamt vierendig, in den frühen Siegeln aus dem rechten Rand wachsend, die Spitze nach links gekehrt. Als die Teilung in die Linien zu Blankenburg und die zu Regenstein durchgeführt wurde, wurde eine Differenzierung durch die Tinktur der Hirschstange deutlich gemacht, die von Blankenburg blieb schwarz, die von Regenstein wurde nun rot geführt. Als die Linien sich wieder durch Aussterben vereinigte, verfuhr man genauso mit den Schildbildern und führte nun in geviertem Schild beide Farbvarianten (Siebmacher Band Landesfürsten, Teil 4, S. 57-59, Tafel 46-54). 1546 brannten die alten Hauptgebäude von Schloß Blankenburg ab, und im 16. Jh. wurde sie zum Renaissance-Schloß ausgebaut. Schloß und Grafschaft Blankenburg fielen 1599 an das Hochstift Halberstadt, und damit mittelbar an Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.10.1564-1613) der seit 1566 unter Vormundschaft und 1578 dann endgültig Fürstbischof von Halberstadt war, noch bevor er 1589 Herzog wurde. Die Aufnahme dieser Komponenten in das Welfenwappen ist folglich durch die Funktion als Administrator und postulierten Bischofs des Hochstifts Halberstadt begründet. Er betrachtete sie als heimgefallenes Lehen und ließ sich nun selbst damit belehnen (s. u.). Die Grafschaft Blankenburg kam an seinen Sohn Christian (20.9.1599-16.6.1624). 1624-1631 war die Grafschaft in fremden Händen, 1631 bekamen die Welfen Blankenburg zurück. Der 30jährige Krieg fügte dem Schloß schwere Schäden zu, und die chaotischen Zustände führten zu insgesamt 6 verschiedenen Besetzungsphasen zwischen 1618 und 1648. 1642 kam Blankenburg durch den damaligen Bischof von Halberstadt als Lehen an Graf Wilhelm von Tattenbach, der 1626 schon Regenstein bekommen hatte (s.u.). Als Johann Erasmus Graf von Reinstein-Tattenbach (1636-1671) in Graz als Hochverräter 1671 enthauptet wurde, kam die Grafschaft Blankenburg (ohne Regenstein) als heimgefallenes Lehen wieder an die Welfen. 1690 wurde Blankenburg dem nachgeborenen Sohn Ludwig Rudolph Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel (22.7.1671-1.3.1735, Sohn von Herzog Anton Ulrich und Elisabeth Juliane von Schleswig-Holstein-Norburg) als Sekundogenitur zur Apanage gegeben und 1707 zum Fürstentum erhoben (ohne Regenstein). Zum Fürstentum gehörten das Amt Blankenburg, die Stadt und das Schloß Blankenburg, die Ämter Heimburg, Stiege, Börnecke, die Stadt Hasselfelde und das Kloster Michaelstein. Das mit dem selbständig regierten Fürstentum war nur von sehr kurzer Dauer, denn schon 1731 wurde es wieder mit Braunschweig-Wolfenbüttel (Neues Haus Braunschweig) vereinigt, obwohl es formal selbständiger Reichsstand blieb bis zum Ende des Alten Reiches 1806. Ludwig Rudolph Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel, der 1714 in Blankenburg das Fürstentum übernommen hatte und seine Regierung angetreten hatte, hatte alle seine älteren Brüder überlebt, denn August Friedrich Prinz v. Braunschweig-Wolfenbüttel starb am 22.8.1676 und August Wilhelm Herzog v. Braunschweig-Wolfenbüttel starb am 23.3.1731, alle anderen älteren Brüder, Leopold August, August Heinrich, August Carl und August Franz jeweils schon als kleines Kind. August Friedrich starb unvermählt, August Wilhelm hatte trotz dreier Ehen keine Nachkommen, und so trat Ludwig Rudolph das Erbe als Herzog an. Es handelte sich also um eine Regierung beider Teile in Personalunion, wobei das Fürstentum so unbedeutend war, daß es erst in den allerletzten Jahren des Reiches überhaupt eine Virilstimme im Reichsfürstenrat bekam. Herzog Ludwig Rudolph von Braunschweig-Wolfenbüttel ließ 1705-1731 das Schloß in Blankenburg von Hofbaumeister Hermann Korb im barocken Stil umgestalten, passend zu einer sich dort entfaltenden großartigen Hofhaltung. 1731 erlosch sein Interesse mit dem Umzug nach Wolfenbüttel und der Verlegung der Hofhaltung schlagartig, und Schloß Blankenburg versank in Bedeutungslosigkeit und hatte nur dann und wann mal eine Funktion als Jagdschloß der Welfen. Der Status als Residenz war vorbei. Erst 1914-1945 wurde es von der herzoglichen Familie wieder als Wohnsitz genutzt, und zwar zogen hier Herzog Ernst August III. Christian Georg (17.11.1887-30.1.1953) und seine Frau Prinzessin Victoria Luise Adelheid Mathilde Charlotte v. Preussen (13.9.1892-11.12.1980) ein, die Großeltern des gegenwärtigen Welfenoberhauptes. Das Kleinod fand als 3er-Kombinations-Helmzier Blankenburg (eine schwarze Hirschstange) - Regenstein (eine rote Hirschstange) - Diepholz Eingang in das Welfen-Wappen. Literatur: Siebmachers Wappenbücher, Band Souveräne Schloß Blankenburg: http://www.rettung-schloss-blankenburg.de/ Blankenburg: http://www.novoprint.de/_BlaetterBroschueren/IB_Blankenburg/pages/IB-Blankenburg.pdf Blankenburg: http://www.bautz.de/harz/Blankenburg.pdf Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Rudolf Steinhoff, Geschichte der Graffschaft - bezw. des Fürstentums Blankenburg, der Graffschaft Regenstein und des Klosters Michaelstein, Vieweg Verlag, Blankenburg 1891, online: http://rzbl04.biblio.etc.tu-bs.de:8080/docportal/servlets/MCRFileNodeServlet/DocPortal_derivate_00006917/2228-6909.pdf, Karteikarte: http://rzbl04.biblio.etc.tu-bs.de:8080/docportal/receive/DocPortal_document_00029752
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« Antworten #9 am: 13. November 2011, 17:25:03 » |
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Grafschaft Regenstein: Das Wappen der Grafen von Regenstein ist in Silber eine querliegende rote Hirschstange, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rotes Hirschgeweih. Die Hirschstange wurde stets querliegend und nach oben gekrümmt dargestellt, die Spitze nach links gekehrt; in den frühen Siegeln wird sie aus dem rechten Rand wachsend und mit drei nach oben gekehrten Enden abgebildet. Die 1167 erstmals erwähnte, namengebende Stammburg ist heute eine Ruine am Nordrand des Harzes nördlich von Blankenburg, in Sachsen-Anhalt gelegen. Alternative Namen des Grafengeschlechtes sind Reinstein oder Rheinstein. Zeitweise war Regenstein ein welfisches Lehen, aber nur kurz. Die Grafen waren wie ihre Verwandten (s. o.) Vasallen des Hochstifts Halberstadt. Regenstein und Blankenburg sind eng mit einander verknüpft, genealogisch und heraldisch. Konrad I. Graf von Regenstein, 1162 erwähnt, war der Sohn des Grafen Poppo I. von Blankenburg. Dessen anderer Sohn Siegfried I. bekam die Blankenburg, und so lassen sich die beiden Grafenlinien auf diese beiden Brüder zurückführen (erste Teilung der Grafschaft). Konrads Sohn war Friedrich Graf v. Regenstein, dessen Sohn war Konrad II. von Regenstein, der 1197 auf einen Kreuzzug ging. Kinder sind nicht überliefert. Siegfried I. von Blankenburg hatte wiederum zwei Söhne, von denen der eine, Heinrich I. 1186 und 1189 als Graf zu Blankenburg erwähnt wird und 1192 als Graf zu Regenstein und dort die Grafenlinie fortsetzt. Der andere Sohn war Siegfried II. Graf v. Blankenburg, der die Linie in Blankenburg fortsetzte (zweite Teilung der Grafschaft), welche aber 1370 mit Graf Poppo von Blankenburg erlosch. Das verbleibende Geschlecht der Regensteiner spaltete sich in zwei Linien, die ältere, Regenstein-Regenstein, und die jüngere, Regenstein-Heimburg (= Blankenburg-Heimburg), wobei sich alles wieder in letzterer im 14. Jh. vereinigte. Die Heimburg ist eine Höhenburg über dem Blankenburger Ortsteil Heimburg, im 11. Jh. erbaut und seit dem 30jährigen Krieg Ruine. Nur die Nachkommen des Grafen Ulrich III., der 1315-1321 Graf auf der Heimburg und 1320-1322 zu Derenburg war, überlebten, und sie beerbten die beiden anderen Linien. Mitte des 15. Jh. gab man Burg Regenstein zugunsten des Ausbaus der Burg Blankenburg auf. Burg Regenstein verfiel ungenutzt, während man die Steine anderweitig verwendete. Über Bernhard I. Graf v. Regenstein, Ulrich v. Regenstein, Ulrich Graf v. Regenstein u. Blankenburg, Bernhard I. Graf v. Regenstein u. Blankenburg, Bernhard IV. Graf v. Regenstein u. Blankenburg (-12.5.1458), Ulrich VIII. Graf v. Regenstein u. Blankenburg, Ulrich IX. v. Regenstein u. Blankenburg (-1551), Ernst I. Graf v. Regenstein u. Blankenburg (7.12.1528-17.2.1581), Martin Graf v. Regenstein u. Blankenburg (7.9.1570-1597) verläuft die Stammlinie bis zum letzten Grafen, Johann Ernst von Regenstein und Blankenburg (29.10.1596-4.7.1599), der eigentlich gar nicht für voll genommen werden kann, denn er wurde einjährig Graf und starb als dreijähriges Kind; Nachkommen ausgeschlossen. Alle Grafen, die von Poppo abstammen, sei es zu Blankenburg, zu Regenstein oder zu Heimburg, führen die Hirschstange im Schild, aber in unterscheidenden Farben. Als die Linien sich wieder durch Aussterben vereinigte, verfuhr man genauso mit den Schildbildern und führte nun in geviertem Schild beide Farbvarianten zusammen (Siebmacher Band Landesfürsten, Teil 4, S. 57-59, Tafel 46-54). Im alten Siebmacher ist ein geviertes Wappen abgebildet, das die Verflechtung und Vereinigung der verschiedenen Linien widerspiegelt, Feld 1 und 4: in Silber eine schwarze Hirschstange (Blankenburg), Feld 2 und 3: in Silber eine rote Hirschstange (Regenstein), auf dem Helm mit rechts schwarz-silbernen und links rot-silbernen Decken ein rechts schwarzes, links rotes Hirschgeweih. In anderen Quellen (Siebmacher Souv4 Seite: 59 Tafel: 50) ist es umgekehrt: geviert, Feld 1 und 4: in Silber eine rote Hirschstange (Regenstein), Feld 2 und 3: in Silber eine schwarze Hirschstange (Blankenburg), auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-silbernen Decken ein rechts rotes, links schwarzes Hirschgeweih. Dieses Wappen vereinigt die jeweiligen Hirschstangen von Blankenburg und Regenstein. In der zweiten Variante erscheint die Farbabfolge logischer, weil die Regensteiner (rote Hirschstange) die Blankenburger (schwarze Hirschstange) beerbten. Tatsächlich gibt es aus der Blütezeit der Blankenburger Grafen jedoch keine einzige Wappendarstellung in Farbe, so daß wir erst durch das Führen des gevierten Schildes, wie er in den Wappenbüchern des 15./16. Jh. auftritt, Kenntnis von einer farblichen Differenzierung zwischen Blankenburg und Regenstein haben, denn nur so ergibt ein geviertes Wappen Sinn. Im Detail ist die Quellenlage zu den Feld-Farben durchaus widersprüchlich, so wird im Wernigeroder Wappenbuch und bei Grünenberg das Feld jeweils golden tingiert, im Schlesischen Wappenbuch gar rot und schwarz, was aus heraldischer Sicht gänzlich inakzeptabel ist, was aber trotz der Offensichtlichkeit einer Fehltingierung sogar zu dem sog. Regensteinschen Farbenstreit unter Heraldikern des 19. Jh. führte. Schließlich hat sich die Ansicht und die Zuordnung durchgesetzt, welche hier wiedergegeben wird. 1599 erlosch das Geschlecht mit Graf Johann Ernst von Regenstein und Blankenburg (29.10.1596-4.7.1599) aus der Linie Heimburg, Sohn von Martin Graf v. Regenstein u. Blankenburg (7.9.1570-1597) und Dorothea zu Solms-Laubach (31.1.1579-1631), der nur zwei Jahre zuvor 1597 Graf geworden war; und das Lehen fiel heim. Burg und Grafschaft Regenstein fielen 1599 an das Hochstift Halberstadt, und damit mittelbar an Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.10.1564-1613) der seit 1566 unter Vormundschaft und 1578 dann richtig Fürstbischof von Halberstadt war, noch bevor er 1589 Herzog wurde. Die Aufnahme dieser Komponenten in das Welfenwappen ist durch die Funktion als Administrator des Hochstifts Halberstadt begründet, außerdem führten die Welfen ihren Anspruch darauf zurück, daß sie mal früher Lehnsherren waren. So konnte man die Grafschaft als erledigtes Lehen betrachten. 1583 hatte Herzog Heinrich Julius bereits seinem Vater, Herzog Julius, die Anwartschaft auf auf Halberstädter Lehen in der Grafschaft Regenstein gegeben. Da dieser jedoch zwischenzeitlich verstorben war, ließ er sich selbst 1592 und 1593 mit den fraglichen Territorien belehnen, also wurde schon vor dem eigentlichen Aussterben der Regensteiner vorgesorgt. Anna Erika von Waldeck, Äbtissin in Gandersheim, verlieh ihm 1599 die Gandersheimer Güter im Regensteiner Gebiet. Das Kleinod fand als 3er-Kombinations-Helmzier Regenstein (eine rote Hirschstange) - Blankenburg (eine schwarze Hirschstange) - Diepholz Eingang in das Welfen-Wappen. Nach Übernahme in das Wappen der Welfen wurde die Lage der Hirschstangen verändert, was letztendlich an der Topographie der den Symbolen zugewiesenen Feldern lag, so wird sie nun meist schräggelegt abgebildet. Im Verlauf des 30jährigen Krieges kam es zu Streitigkeiten um den rechtmäßigen Besitz von Regenstein. Braunschweig-Wolfenbüttel erhob Ansprüche, Brandenburg ebenso. 1626 kam Regenstein durch den damaligen Bischof von Halberstadt als Lehen an Grafen Wilhelm von Tattenbach, der 1642 auch Blankenburg bekam (s.o.). Zur Grafschaft Regenstein gehörten die Ämter Westerhausen und Stecklenberg, ferner die Herrschaft Derenberg, ein halberstädtisches Lehen, vor 1471 ein Gandersheimer Lehen. Als Johann Erasmus Graf von Reinstein-Tattenbach (1636-1671) in Graz als Hochverräter 1671 enthauptet wurde, kam die Grafschaft Regenstein an Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg und danach an Preußen (Exklave). Die Brandenburger hatten sogar wieder Soldaten auf dem Regenstein stationiert und bauten 1670 die alte Burg zur Bergfestung aus. Literatur: Siebmachers Wappenbücher, Band Souveräne Rekonstruktion Burg Regenstein: http://burgrekonstruktion.de/main.php?g2_itemId=968/ Burg Regenstein: http://www.gibs.info/index.php?id=440/ und http://www.burgenreich.de/festungsruine%20regenstein%20geschichte.htm Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Rudolf Steinhoff, Geschichte der Graffschaft - bezw. des Fürstentums Blankenburg, der Graffschaft Regenstein und des Klosters Michaelstein, Vieweg Verlag, Blankenburg 1891, online: http://rzbl04.biblio.etc.tu-bs.de:8080/docportal/servlets/MCRFileNodeServlet/DocPortal_derivate_00006917/2228-6909.pdf, Karteikarte: http://rzbl04.biblio.etc.tu-bs.de:8080/docportal/receive/DocPortal_document_00029752
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« Antworten #10 am: 14. November 2011, 00:14:47 » |
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Ein paar Felder haben wir noch im Wappen der Herzöge von Braunschweig-XYZ: Grafschaft Diepholz: Das Wappen für die Grafschaft Diepholz ist geteilt, oben in Gold ein roter Löwe, blau bekrönt, bewehrt und gezungt, unten in Blau ein silberner Adler, auf dem Helm mit rechts rot-goldenen und links blau-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, rechts rot-golden, links silbern-blau geteilt (Siebmacher Band: Souv1 Seite: 28 Tafel: 50). Als die Welfen das Wappen in das ihrige, vermehrte aufnahmen, behandelten sie die beiden Hälften als separate Einheiten und bauten sie so in ihr Wappen ein, daß der Kontext zwar beibehalten wurde, sich das Diepholzer Wappen allerdings über zwei übereinanderliegende Felder erstreckte, als wären es unabhängige Inhalte, und so erweckt die Verteilung auf die Felder den Eindruck, als seien es zwei Wappen. Die Helmzier fand als Kombinationskleinod Eingang in das Welfenwappen. Territorial lag die Herrschaft und spätere Grafschaft Diepholz zwischen den geistlichen Fürstentümern Münster und Osnabrück im Westen, Minden im Süden und der viel größeren Grafschaft Hoya im Osten, und Oldenburg-Delmenhorst im Norden, und sie umfaßte Diepholz im Moor zwischen Hunte und Dümmer, Barnstorf, Wagenfeld, Lemförde im Osten des Dümmers und Rehden sowie Auburg als östlichsten Zipfel. Die Umgebung bestand also entweder aus Mooren und Sümpfen oder ziemlich mächtigen Nachbarn. Keimzelle der "Moorgrafschaft" an der oberen Hunte und am Dümmer war die Burg Diepholz, die vor 1160 errichtet wurde und 1160 erstmals urkundlich belegt ist (damals wurden alternative Schreibweisen des Namens verwendet: Defholte oder auch Thefholte), und von da aus bauten die späteren Grafen im 13. und 14. Jh. ihr Herrschaftsgebiet auf. Aufgrund der beschriebenen Lage waren der territorialen und landesherrlichen Expansion enge naturräumliche und vor allem politische Grenzen gesetzt, die sich in enendlichen Grenz- und Hoheitsstreitigkeiten mit den benachbarten Bistümern entlud. Auch um ein "bißchen Moor" konnte man hart kämpfen, wenn man so wenig hatte. Wo kein Platz war, mußten die Nachgeborenen eben eine geistliche Laufbahn einschlagen, und so brachten die Herren von Diepholz eine Reihe bedeutender Bischöfe in Minden, Osnabrück und sogar Utrecht hervor. Diese Stammburg in Diepholz, deren 43 m hoher und an der Basis knapp 12 m im Durchmesser messender Bergfried, der auf einem 16,50 m hohem Granitquadersockel in Backstein weitergeführt wurde, noch erhalten ist, wurde um 1550 zum Wohnschloß umgebaut, und dieses wurde nach den Schäden des 30jährigen Krieges auf Veranlassung des Herzogs Christian-Ludwig von Lüneburg-Celle um 1660-1663 wieder aufgebaut. 1531 erlangten die Herren von Diepholz mit Johann V. (regierte 1510-1545) den Grafenrang. Die Grafschaft gehörte zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. Lehensrechtlich war die Lage kompliziert, zu den Diepholzern Lehnsherren gehörten die Herzöge von Braunschweig, die Askanier und die Grafen von Ravensberg. Hatte der Verlust der Reichslehen Heinrichs des Löwen das Aufstreben kleinerer unabhängiger Herrschaften erheblich begünstigt, so gerieten diese zunehmend unter Druck ihrer groß gewordenen Nachbarn, denen die Eigenstaatlichkeit der Kleinen ein Dorn im Auge war. Gegen das Erstarken und die Expansionsbestrebungen der umliegenden Fürstentümer, insbesondere als Schutz gegen Minden, trugen die Herren von Diepholz ihre Territorien, die eigentlich Allodien waren, mächtigen Schutzherren zu Lehen auf, 1512 dem Reich, am 26.10.1521 den Landgrafen von Hessen, was aber nur das Mannlehen Amt Auburg im Südwesten betraf und Wagenfeld und die Wagenfelder Stroden, und 1531 den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg. Besser friedlich geben als genommen bekommen. Dieses Lehensverhältnis ließ die Diepholzer Herren selbstbewußt den Grafentitel annehmen. Mit Hoya war Diepholz freundschaftlich verbunden, man heiratete untereinander (Rudolf VIII. Graf v. Diepholz heiratete Margarethe v. Hoya; Konrad V. v. Diepholz heiratete Irmgard v. Hoya, Otto III. Graf v. Hoya heiratete Adelheid (Agnes) v. Diepholz, Johann V. Graf v. Hoya heiratete Elisabeth v. Diepholz, und Erich I. Graf v. Hoya heiratete Anna v. Diepholz, und an Schloß Diepholz findet man ein Allianzwappen Diepholz und Hoya), und man war vereint im gemeinsamen Bestreben nach Wahrung der Selbständigkeit. Entsprechend gibt es keine Heiratsverbindungen zwischen Diepholz und den Welfen, dafür aber mit Rietberg, Oldenburg, Waldeck, Sternberg, Lippe, Regenstein et al. Das Geschlecht der Grafen von Diepholz starb 1585 aus. Der Letzte seines Geschlechts im Mannesstamm war Friedrich II. Graf v. Diepholz (6.1.1556-21.9.1585, regierte 1560-1575 unter Vormundschaft), Sohn von Rudolf VIII. Graf v. Diepholz (1524-4.10.1560, regierte 1545-1560) und Margarethe v. Hoya (1527-1596). Friedrich, der zuerst eine kirchliche Laufbahn einschlug und 1569 Domherr in Straßburg war, wurde 1576 Herr von Diepholz. Seine einzige Schwester Anna wurde 1578 Coadjutrix von Bassum. Er war vermählt mit Anastasia v. Waldeck (1555-1582), danach ging er eine uneheliche Verbindung mit Guda v. Liederbach ein. Aus der ersten Verbindung entsproß eine Tochter, Anna Margarethe Gräfin v. Diepholz und Bronkhorst, Frau v. Borkelo (22.7.1580-9.8.1629), die den Landgrafen Philipp v. Hessen-Butzbach (26.12.1581-28.4.1643) geheiratet hatte. Das Paar blieb kinderlos. Anna Margarethas namentlich nicht bekannter Bruder starb als Baby, kurz darauf gefolgt von seiner Mutter. Bronkhorst ist das Stichwort, das uns noch einmal auf die Wappenentwicklung blicken läßt: Das vermehrte Wappen der Grafen v. Diepholz und Bronkhorst, Herren v. Borkelo, ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein gekrönter silberner Löwe (Bronkhorst, Provinz Gelderland, Niederlande), Feld 2 und 3: in Rot 3 (2:1) goldene Kugeln (Borkelo, Borculo), Herzschild geteilt, oben in Gold ein roter Löwe, blau bekrönt, bewehrt und gezungt, unten in Blau ein silberner Adler (Stammwappen Diepholz). So findet es sich für Rudolf VIII. Graf v. Diepholz und seine Frau Margarethe v. Hoya am Schloß Diepholz über dem Eingang in den Nordflügel in Stein gehauen, mit zwei Helmen, Helm 1: die Büffelhörner des Stammwappens, Helm 2: zu rot-silbernen Decken zwei aufgerichtete silberne Löwenpranken, die je eine rote Kugel halten (Bronkhorst). Es gab eine eheliche Verbindung zwischen Diepholz und Bronkhorst: Otto von Diepholz hatte 1441 Heilwig v. Bronckhorst geheiratet, die Tochter von Otto v. Bronckhorst (-23.2.1458) und Agnes v. Solms-Braunfels, und diese Heirat legte den Grundstein für die Ansprüche der Grafen auf diese Herrschaften, Ansprüche wohlgemerkt. Als Joost Graf von Bronkhorst (2.12.1503-15.10.1553) kinderlos verstarb, ging das Erbe 1579 an die Nichte der Mutter, Irmgard von Wisch. Danach kam alles zusammen an das Haus Limburg-Styrum, denn Irmgard von Wisch, Gräfin v. Bronckhorst, Frau v. Borculo, Wisch, Wildenborch, Overhagen und Lichtenvoorde (-10.5.1583) hatte den Grafen Georg von Limburg-Styrum (-14.12.1552) geheiratet. Aufgrund eines 1312 geschlossenen Kompromisses zwischen Bischof Ludwig von Münster und Giselbert von Bronckhorst und dem 1397 erfolgten Kauf des Hauses Borkelo sorgte 1555 ein Gutachten der juristischen Fakultät der Universität Köln über die Natur des Lehens Borculo für die Zuerkennung an die Gräfin Irmgard von Limburg-Wisch-Styrum gegen die Ansprüche des Grafen Rudolf von Diepholz. Borkelo wurde jedoch vom Bischof von Münster als heimgefallenes Lehen beansprucht, und die drei Kugeln tauchen im Wappen der Münsteraner Bischöfe auf. Auch wenn diese Herrschaften also letztendlich ganz andere Wege gingen, ein bißchen träumen durften die Grafen von Diepholz. Diese beiden Elemente des vermehrten Wappens fanden später natürlich nicht Eingang in das Welfenwappen. Entsprechend der Lehensstruktur wurden bei dem Erlöschen des Grafengeschlechts die Territorien aufgeteilt. Hessen bekam Auburg gemäß der Lehensauftragung 1521. Die Welfen sahen das ganz anders und begannen 1606 einen Prozeß vor dem Reichskammergericht, in dem sie zwar ihre Wünsche nicht sofort bekamen, aber einen juristischen Zeitvertreib für mehr als 200 Jahre. Erst 1816 kam Auburg von Hessen an Hannover, dafür mußten aber noch die Freiherren von Cornberg abgefunden werden. Die Grafschaft Diepholz selbst fiel direkt an Braunschweig-Lüneburg (Braunschweig-Celle, danach Braunschweig-Calenberg, dann ging sie in Hannover auf), wobei die Lehensanwartschaft 1517 entstand. Schloß Diepholz wurde 1585 Sitz eines Landdrosten, später ab 1723 eines Amtmannes, der im Auftrag der Welfen die Grafschaft verwaltete. Die offizielle Belehnung mit der Grafschaft durch den Kaiser erfolgte 1593. Georg Wilhelm Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Celle (26.1.1624-28.8.1705) übertrug nach dem Tod des ältesten Bruders Christian Ludwig Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Celle (25.2.1622-1665) die Grafschaft Diepholz an seinen verbliebenen jüngeren Bruder Ernst August (20.11.1629-23.1.1698), 1662-1698 Bischof von Osnabrück, 1679 zu Kalenberg, 19.12.1692 Kurfürst. Diepholz bildete im Kurfürstentum (seit 1692) und Königreich (seit 1814) Hannover zusammen mit Hoya eine Provinz. 1866 kam Diepholz über Hannover durch Annexion an Preußen. Literatur: Siebmacher Band: Souv1 Seite: 28 Tafel: 50 historische Karte Diepholz und Hoya: http://www.hoya-diepholzsche-landschaft.de/images/Karte1580gr.gif (Jahr 1580), http://www.hoya-diepholzsche-landschaft.de/images/Karte1863gr.gif (Jahr 1863) und http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/8/84/Reilly_289.jpg Hoya und Diepholz: http://www.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=6997&article_id=19773&_psmand=1000 Schloß Diepholz: http://www.bildergalerie-diepholz.de/html/schloss.html Grafschaft Diepholz: http://www.geschichtsatlas.de/~gc34/Startseite.html Familiäre Zusammenhänge der Grafen von Diepholz: http://www.geschichtsatlas.de/~gc34/Stammbaum.html Georg Schnath, Diepholz, Edelherren, Grafen, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 652 -653, online: http://www.deutsche-biographie.de/pnd136192602.html B. Engelke, Die Grafen v. Diepholz, ihre Wappen und ihre Münzen, in: Berliner Münzbll. 1911 W. Kinghorst, Die Grafschaft Diepholz zur Zeit hres Übergangs an das Haus Braunschweig-Lüneburg, Dissertation, Münster 1912 Das Diephoolzer Schloß: http://www.amtsgericht-diepholz.niedersachsen.de/portal/live.php?navigation_id=16427&article_id=64611&_psmand=90 Herren von Bronkhorst: http://graafschap-middeleeuwen.nl/bronckhorst/bronckhorst.html Schloß Borkulo: http://www.graafschap-middeleeuwen.nl/borculo/kasteel-borculo.htmlSchloß Bronkhorst: http://graafschap-middeleeuwen.nl/bronckhorst/kasteel-bronckhorst.html Stammbaum Limburg-Styrum: http://genealogy.euweb.cz/cleves/cleves8.html Borculo: Gesamtarchiv von Landsberg-Velen (Dep.) - Akten, Nr. 30575 Was fehlt jetzt noch? Everstein, Homburg, und natürlich Braunschweig und Lüneburg selbst.
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Gernot
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« Antworten #11 am: 14. November 2011, 08:44:19 » |
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Lust auf Geschichte? Bei deinen Texten immer!! Und selbst deine Literaturangaben sind jedenfalls lesenswert! www.burgrekonstruktion.de ist eine Augenweide und ich habe gerade einen gemütlichen Burgenspaziergang durch die fränkische Schweiz unternommen.
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Gernot
Weiß der Geier...
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #12 am: 14. November 2011, 08:55:29 » |
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gerade einen gemütlichen Burgenspaziergang durch die fränkische Schweiz unternommen.
es ist ja grad ein Wetter, daß man das lieber vom Schreibtisch aus macht  Heute ließ sich der Winter (Unwort) nicht länger verleugnen, das erste Mal morgens Scheiben kratzen. In der Tat, diese Skizzensammlung ist hervorragend. Ich sehe seit der Entdeckung dieser Seite viele mir bekannte Ruinen mit ganz anderen Augen.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #13 am: 16. November 2011, 18:16:30 » |
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Und weiter geht's... Herrschaft Homburg: Das Wappen der Edelherren von Homburg ist innerhalb eines blau-silbern gestückten Bordes in Rot ein goldener Löwe, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein rotes, mit einem goldenen Löwen belegtes Schildchen zwischen zwei blau-silbern gestückten Büffelhörnern (Konstanzer Wappenbuch) oder ein goldener Löwenkopf mit Hals zwischen den Hörnern (alter Siebmacher), vgl. Siebmacher Band: Souv1 Seite: 27 Tafel: 48. Die Helmzier wurde nicht in das vermehrte Welfenwappen übernommen. Die Herrschaft Homburg grenzte an die Grafschaft Everstein im Westen an, im Süden an Grubenhagen, im Süden (Exklave) und im Osten an das Hochstift Hildesheim und im Norden an die Grafschaft Hallermund. Die Stammburg der Edelherren von Homburg, eine Höhenburg, befindet sich auf dem Großen Homburg nördlich von Stadtoldendorf im niedersächsischen Landkreis Holzminden. Bis 1106 war das Gebiet bis zu ihrem Aussterben ein Besitz der Billunger. Mit dem Tod von Magnus 1106 ging der Besitz an die Grafen von Northeim. Graf Siegfried IV. von Northeim-Boineburg (- 1144, auch Northeim-"Bomeneburg"), der letzte Graf von Northeim, Ehemann von Ida v. Supplingenburg, ließ die Burg im frühen 12. Jh. erbauen, und 1129 wird die Homburg erstmalig urkundlich bezeugt ("de Hoinburc"). Vermutlich ließ er diese Burg erbauen, um gegenüber der unweit gelegenen Burg Eberstein, die kurz vorher erbaut worden war, gleichzuziehen, und um das von ihm gegründete Kloster Amelungsborn zu schützen. Der nächste Besitzer der Burg, nachdem die Northeimer ausgestorben waren, war Graf Hermann II. von Winzenburg; er kaufte die Homburg nach dem Aussterben der Northeimer, dann trug er die Burg am 8.5.1150 mit Hunzen, Ulrichshagen, Ostersen, Arholzen, Schorborn und Allersheim dem Hochstift Hildesheim zu Lehen auf, nicht ganz freiwillig, denn der Verlust war Sühne für einen Mord, den sein Vater begangen hatte. Deshalb hatte er sein Stammgut und seine eigene Stammburg verloren, und konnte beides nun im Tausch gehen die Lehensauftragung zurückgewinnen, denn auch bei der Stammburg war das Hochstift Hildesheim Lehensherr. Der Bischof Bernhard I. bezog mit dem Marien-Reliquiar für einen Tag die Homburg und nahm sie so symbolisch in Besitz. Gegenüber der ursprünglichen Keimzelle war die Herrschaft schon ein wenig gewachsen. Zwei Jahre lang war Hermann II. von Winzenburg Besitzer der Homburg, dann wurde er und seine Frau von seinen eigenen Dienstmannen und Graf Heinrich von Bodenburg ermordet. Die Burg fiel 1152-1180 an Heinrich den Löwen, der zur Begründung seiner Ansprüche seine Großmutter mütterlicherseits anführte, Richza von Northeim aus dem obengenannten Grafengeschlecht. Der Merseburger Reichstag bestärkte ihn in dieser Auffassung und sprach ihm Homburg zu. Als seine Dienstmannen erscheinen die Herren von Homburg in seinem Gefolge. Als Heinrich der Löwe 1180 gestürzt wurde und in die Reichsacht fiel und nur noch seine Allodien behalten durfte, fiel die Homburg wieder heim an das Hochstift Hildesheim, nachdem der Bischof nachweisen konnte, daß es ja eigentlich doch Hildesheimer Eigentüm war, und auf dem Reichstag in Erfurt 1181 wurde diese Ansicht geteilt, und Homburg wurde Hildesheim zuerkannt. Manchmal gewinnt man den Eindruck, dort wurde nur jeweils abgenickt, was der gerade Stärkere meinte, wenn sich irgendein Beweis finden ließ. Und ebenso trefflich ließen sich solche Beschlüsse aus der Sicht des Stärkeren ignorieren: Die 1181 auf dem Reichstag festgestellte Lehenshoheit des Stifts Hildesheim war nicht immer unangefochten, denn bereits 1189 hatte Heinrich der Löwe schon geflissentlich übersehen, warum ihm die Lehen aberkannt worden waren, und er erneuerte seine Ansprüche. 1203 machten seine Söhne einen Erbteilungsvertrag, und darin wird Homburg in grober Verkennung der Tatsachen als Allodialgut aufgeführt - die Hoffnung der Welfen auf Wiedererlangung der verlorenen Gebiete wurde nie aufgegeben, auch wenn sie sich politisch noch nicht realisieren ließ. Das Hochstift vergab das Lehen am 21.4.1183 zu gleichen Teilen an zwei Lehnsnehmer, die Grafen Ludolf und Adolf von Dassel einerseits und die schon früher 1129-1145 als Ministerialen auf der Homburg ansässigen Edelherren von Homburg, genauer die beiden Brüder Berthold und Bodo. Wie so oft in den ehemaligen Teritorien Heinrichs des Löwen begünstigte sein Fall den Auf- und Ausbau kleinerer mittelalterlicher Herrschaften. Die Struktur der 102 m langen und 30 m breiten Burg zeigt die Zweiteilung ganz deutlich: In der Mitte verläuft eine Trennmauer, und jede Hälfte hat einen runden romanischen Bergfried und einen Palas. Eine ähnliche Struktur finden wir z. B. bei der Burg Thurandt über Alken. Die Homburg hatte jedoch einen gemeinsamen Eingang und einen Durchlaß in der Trennmauer. 1247 wurden die Edelherren von Homburg alleinige Besitzer der Homburg, nachdem die Burghälfte der finanziell klammen Grafen von Dassel durch Verkauf des Lehens an das Hochstift Hildesheim zurückfiel und nun von Bischof Heinrich I. ebenfalls den Edelherren von Homburg zu Lehen oder noch wahrscheinlicher als Pfand gegeben wurde. Bis zu ihrem Aussterben 1409 waren die Edelherren von Homburg relativ ungestörte Burgherren auf der Homburg. Die Herrschaft wurde zwischen mittlerer Leine und oberer Weser kontinuierlich immer größer, mächtiger und stärker, Hildesheim spielte sich als Lehnsherr nicht gerade in den Vordergrund, und irgendwann konnten sich die Herren von Homburg einen lehensrechtlichen "dicken Hund" leisten: 1360 erkannten sie dem Stift Gandersheim die Lehenshoheit über eine Hälfte der Burg zu! Das ging damals irgendwie so durch, erst als Homburg später 1409 heimfiel, fragte man sich, wer denn der eigentliche Lehnsherr war - Hildesheim natürlich. Aber zunächst stiegen die Homburger auf, erwarben Territorien und bauten Burgen: 1235 auf Burg Spiegelberg, dann Burg Lauenstein, 1245 Bodenwerder, 1306 Bau der Burg in Greene, 1355 Erwerb von Hohenbüchen, 1383 Bau der Burg Lüethorst. Sie erwarben neben ihren Lehen (hauptsächlich solche geistlicher Fürstentümer, Hildesheim, Mainz, Corvey, Gandersheim, und der Welfen) viele Vogteirechte über Kloster- oder Stiftsgüter, so über Brüggen und Banteln (beide Gandersheimer Besitz), über Bevern und Forst (beide Corveyer Besitz), über Sorsum (Wittenburger Besitz), und natürlich über Güter ihres Hausklosters Kemnade (mittelbar Corveyer Besitz). Weitere wichtige Burgen waren in Pfandbesitz, Ohsen, Hallermund, Brakel, Wohldenstein bei Sillium/Holle, Gieselwerder und - Everstein. Der Höhepunkt war unter Siegfried v. Homburg, dem Vorletzten des Geschlechts, erreicht. Unter Heinrich X. nahmen jedoch kostspielige Fehden überhand, und Besitz mußte verpfändet werden. Die Homburger waren die östlichen Nachbarn der Grafen von Everstein. Was später friedlich vereint im mehrfeldrigen Welfenwappen zusammenfand, waren in Wirklichkeit Rivalen, die sich gegenseitig nichts schenkten. Mit den Burgen in Polle und auf dem Homberg hielten sie sich gegenseitig in Schach. So wurde z. B. 1228 im Bereich des Klosters Amelungsborn, in Sichtweite beider Burgen gelegen, Bodo d. J. von Homburg durch den Grafen Konrad von Everstein ermordet. Andererseits gab es durchaus Heiratsverbindungen zwischen beiden Familien wie die zwischen Bodo v. Homburg und Agnes v. Everstein-Polle und die 1339 geschlossene Ehe zwischen Otto v. Everstein-Polle und Ohsen (-25.7.1373) und Agnes v. Homburg, Schwester des letzten Homburgers. Die Herrschaft Homburg kam 1409 an die Welfen aufgrund des Aussterbens der Homburger. Der Letzte des Geschlechts war Heinrich X. v. Homburg (gest. November 1409), zwar vermählt mit Schonetta v. Nassau-Weilburg (-25.4.1436), doch kinderlos und damit ohne Erben. Sein Vater war Siegfried v. Homburg, und seine Brüder Rudolf, Komtur des Deutschen Ordens in Böhmen und Mähren, Albrecht, Domherr zu Hildesheim, Gebhard, Domherr zu Hildesheim, und Burchard waren alle vor ihm gestorben und/oder hatten eine geistliche Laufbahn eingeschlagen. Heinrich X. v. Homburg hatte zwei Testamente gemacht. Ein erstes von 1397 begünstigte Graf Moritz IV. von Spiegelberg, einen Neffen. Sein zweites und damit letztendlich gültiges Testament vom Oktober 1409 begünstigte Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-11.6.1434). Daß diese Testamentsänderung in Richtung Erbverkauf in eigennütziger Weise von den Braunschweiger Herzögen "katalysiert" worden war, darf angenommen werden. Die Angaben im Siebmacher Band: Souv1 S. 27-28 bezüglich des Übergangs von Homburg an die Welfen sind übrigens zur Gänze unzutreffend und reine Fiktion! Eine weitere Verbindung zwischen den Homburgern und den Welfen war die zweite Ehe von Schonetta v. Nassau-Weilburg (-1430). Die 1409 verwitwete Tochter von Johann I. Graf v. Nassau-Weilburg (1309-20.9.1371) und Johanna v. Saarbrücken hatte nach dem Ableben ihres ersten Gemahls in zweiter Ehe 1414 Otto II. Herzog v. Braunschweig-Osterode geheiratet. Die Ehe war ohne Nachkommen, auch trennte sich Schonetta bald wieder von ihrem zweiten Gemahl und floh vor ihm zum Hildesheimer Bischof, diesem verkaufte sie 1426 ihre Leibzucht. So kam das relativ wohlhabende Territorium mit sechs Burgen, drei Städten (Stadtoldendorf, Wallensen und Bodenwerder) und ca. 200 Dörfern durch diese Erbschaft an die Welfen. Hildesheim, immerhin der Lehnsherr, wurde bei der Inbesitznahme nicht gefragt. 1408 Everstein, 1409 Homburg, dieser territoriale Zuwachs innerhalb kurzer Zeit ließ die Welfen teilen. Die beiden noch lebenden Söhne von Magnus II. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-1373) aus dem mittleren Haus Lüneburg, Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-11.6.1434) und Heinrich II. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-14.10.1416), teilten 1409 das Welfengebiet neu auf. Die Neuerwerbungen kamen dabei an Bernhard I., der 1388 zu Lüneburg regierte, 1409 zu Braunschweig, und der 1429 Braunschweig gegen Lüneburg tauschte. Dabei hat eine Rolle gespielt, daß Bernhards Sohn Otto I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Everstein (-1445) Elisabeth v. Everstein-Polle geheiratet hatte, die Tochter von Hermann Graf v. Everstein-Polle und Ermengard v. Waldeck, und damit Anerbe der Eversteiner Ländereien war. Gandersheim belehnte die Welfen für die entsprechenden Anteile. Das Hochstift Hildesheim wurde abgefunden. 1428 erfolgte eine erneute Teilung bei den Welfen. Wilhelm I. Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (-1482) aus dem mittleren Haus Braunschweig bekam dabei Homburg und die homburgischen Lehen, Polle, Holzminden, Ottenstein. Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-11.6.1434) bekam dabei Boderwerder, die eversteinischen Lehen, Lauenstein und Grohnde. Die nächste Erbteilung im mittleren Haus Braunschweig fand 1495 statt. Dazu wurde das Verhältnis zu Hildesheim vertraglich immer komplexer, bis durch die Stiftsfehde 1519-1522 und den Quedlinburger Rezeß der mittlerweile gordisch zu nennende Knoten durchschlagen wurde. Leider nicht nachhaltig genug, denn die Causa "Braunschweig gegen Braunschweig und alle gegen Hildesheim" beschäftigte schließlich 1629 das Reichskammergericht. Mehr als 200 Jahre lang hatte man sich um die Erbschaft Everstein/Homburg gestritten, deren historische Einheit durch die vielen Teilungen und Neuordnungen immer mehr verloren ging. Im Grunde hörte der Streit erst auf, als mit Friedrich Ulrich Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (15.4.1591-1634) die ältere Linie Wolfenbüttel ausstarb und das Haus Lüneburg als Gesamterbe die Besitzungen wieder teilte, im Grunde so, wie früher schon zwischen Wolfenbüttel und Calenberg geteilt worden war. Herzog August der Jüngere aus der Nebenlinie Lüneburg-Dannenberg trat die Nachfolge in Wolfenbüttel an; er wurde zum Begründer des Neuen Hauses Braunschweig. Anläßlich der Neuordnung im Welfenhaus unter Aufteilung der Gebiete innerhalb des Hauses Braunschweig-Lüneburg kam die Herrschaft Homburg an das neue Haus Braunschweig-Wolfenbüttel, außer den bei Celle verbleibenden Ämtern Wallensen, Lauenstein, Luethorst und der Stadt Bodenwerder. 1643 verzichtete dann endlich auch noch Hildesheim im Braunschweiger Hauptrezeß auf all seine Ansprüche, und endlich gab es Ruhe. Nun ja, soweit man von Ruhe sprechen konnte noch mitten im 30jährigen Krieg.... Nach Übergang an die Welfen war die Burg Homburg bis 1535 Sitz eines braunschweigischen Amtmannes, danach wurde die funktionslose und fortifikatorisch überflüssige Burg als Steinbruch benutzt und abgetragen. Schon 1542 wird sie als Ruine beschrieben. 1897 wurden die verbliebenen Mauern ausgegraben, 1936 erfolgte eine Instandsetzung der Ruine unter Aufmauerung des Bergfriedes im hinteren Teil der Burg als Aussichtsturm; der andere Bergfried blieb ein flacher Sockelstumpf. Literatur: Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Laserscanning Burg Everstein und Burg Homburg: http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/download/52861 - ein hochinteressantes Verfahren! Nicolaus C. Heutger, Das Kloster Amelungsborn im Spiegel der zisterziensischen Ordengeschichte, Lax, 1968 Burg Homburg: http://home.arcor.de/je.ko2/e_hausen/e_ho.htm Bilder: http://home.arcor.de/je.ko2/e_hausen/e_ho51.htm und http://www.burgruine-homburg.de/ - Grundriß: http://www.burgruine-homburg.de/Bilder/Grundriss/burggrundriss.jpg und http://www.burgruine-homburg.de/Bilder/Grundriss/grundriss1.jpg - Geschichte: http://www.burgruine-homburg.de/Geschichte/body_geschichte.html Burg Homburg, Grundriß: F.W. Krahe, Burgen des deutschen Mittelalters - Grundrißlexikon Homburg: E. Eggeling, Chronik von Stadtoldendorf, der Homburg und dem Kloster Amelungsborn Edelherren von Homburg, Stammbaum: http://www.burgruine-homburg.de/Stammbaum/body_stammbaum.html, http://www.burgruine-homburg.de/Stammbaum/Stammbaum_2006.pdf und http://www.burgruine-homburg.de/Downloads/Stammbaum.zip Edelherren von Homburg: http://www.jacobs-schumacher.eu/HOMBURG.pdf Georg Schnath, Die Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg: http://www.geschichte-polle.de/Die_Herrschaften_Everstein__Homburg_und_Spiegelberg.pdf - das ist die beste Abhandlung über die regionale Territorialgeschichte!
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« Antworten #14 am: 16. November 2011, 23:08:08 » |
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Grafschaft Everstein: Das Wappen der Grafen von Everstein ist in Blau ein silberner Löwe, golden gekrönt, rot bewehrt und rot gezungt, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein natürlicher (grüner) Pfauenfederstoß. Das Schildbild fand als separates Feld Eingang in die Welfenwappen, die Helmzier wurde Teil einer Kombinationshelmzier (Siebmacher Band: Souv1 Seite: 27-28 Tafel: 48, dort HZ mit dem Pfauenfederbusch auf einem silbernen Löwenkopf). Die Grafen nannten sich nach ihrem Stammsitz, der Burg Everstein bei Holzminden, einer zweiteiligen, im 12. Jh. erbauten und 1226 erstmals erwähnten Höhenburg (kleiner und großer Everstein) auf dem sog. Burgberg, 10 km südöstlich von Polle (wo die Eversteiner eine weitere Burg besaßen) und zwischen Bevern und Negenborn. An dieser Stammburg hatten die Eversteiner nicht lange Freude, denn bereits 1284 kam sie in den Besitz der Welfen in der Linie Grubenhagen, die den Verkauf der Burg durch Belagerung erzwangen, wobei der Welfen Aufstieg und Erstarken zugleich den Abstieg der Eversteiner mit sich brachte, denn diese beiden Geschlechter lagen ständig in Fehde miteinander, und 1493 wurde die mittlerweile militärisch bedeutungslos gewordene Burganlage zerstört. Die Steine fanden anderweitig Verwendung, z. B. beim Bau von Schloß Bevern. Heute sind nur ganz wenige Mauerreste, aber mächtige Wälle und Gräben noch auf den Hügeln des Burgbergs sichtbar. Die Eversteiner werden erstmals 1122 urkundlich faßbar mit dem Edelfreien Konrad von Everstein, und erstmals mit Albrecht von Everstein als Grafen aufgeführt. Wo übten sie nun Grafschaftsrechte aus? Vermutlich war es ihr Allodialbesitz am Donnersberg bei Warburg, denn an der Weser und im Weserbergland um die Burg Everstein hatten sie keinerlei Grafschaftsrechte. Zwischen 1123 und 1187 ging der Besitz der "cometia ad Thuneresberg" auf die Eversteiner über, und danach führten sie auch den Grafentitel. Später fand eine territoriale Verlagerung statt ins Weserbergland, und die alte Grafschaft Donnersberg zeigte Auflösungserscheinungen. Der Titel blieb jedoch. Die Grafschaft Everstein lag zwischen Höxter, Holzminden und Hameln und grenzte westlich an die Herrschaft Homburg an, im Süden an das Fürstentum Göttingen. Insgesamt besaßen die Eversteiner mehrere Burgen in ihrer Grafschaft: Burg Everstein in Polle, Fürstenberg, die oben erwähnte zweiteilige Burg Everstein auf dem Burgberg, Grohnde, Ottenstein, Holzminden, Aerzen, Ohsen und Hemersen, letztere die spätere Klencke'sche Hämelschenburg. Ihre territoriale Expansion an die Weser brachte sie in sicheren Konflikt mit den Welfen. Die Grundlage ihres Erstarkens war der Fall Heinrichs des Löwen, dessen Reichsacht 1180 die kleineren Herrschaften und Grafschaften ungeheuren Aufschwung nehmen ließ. So waren die Eversteiner politisch stets Verbündete der Staufer und Opponenten der Welfen. Dieses Aufstreben brachte sie aber in Konkurrenz und Rivalität zu den angrenzenden Homburgern, welche die gleichen Interessen verfolgten (dazu siehe unter dem Abschnitt Homburg). Einen gewissen Höhepunkt erlangte das Grafengeschlecht ca. um 1225. Dann brachten mehrere Faktoren ihre Expansion zum Stillstand und ihre Macht zum Wanken. Ihre Rückendeckung durch die Staufer fiel weg, und die Welfenherzöge erstarkten wieder und drängten mit Macht an die Weser. Der Niedergang des einst so mächtigen Geschlechtes wurde durch die ständigen Fehden mit den Herzögen von Braunschweig einerseits und den Homburgern andererseits eingeleitet, während derer sich die Grafen aufzehrten. Und wenn es gegen die Eversteiner ging, halfen die Homburger den Braunschweigern gerne. Die Eversteiner Grafen schienen keine Gelegenheit zu Streit und Fehde auszulassen. Sie suchten immer neue Bundesgenossen, auch bei den Hochstiften Köln, Paderborn und Mainz, bei den Herren zur Lippe, doch immer waren sie selbst es, die wieder "eins drauf kriegten". Wie wenig zimperlich die Welfen die Eversteiner in die Schranken verwiesen, zeigt die grausame Hinrichtung von Graf Konrad IV. durch Herzog Albrecht den Großen im Jahr 1257: Er wurde mit seinem Schwertgurt an den Füßen aufgehängt. Die Welfen sicherten sich im 13. Jh. das Territorium Stück für Stück, Gieselwerder, Hameln, Höxter etc., 1284 die Stammburg(en) Everstein. Die Grafen ärgerten sich schwarz und suchten sich immer neue mächtigere Schutzherren, denen sie ihren verbliebenen Besitz zu Lehen auftrugen, aber auch die konnten und wollten nicht eingreifen. Die Eversteiner verloren zwar wichtige Burgen, konnten sich aber noch bis 1407/1408 behaupten, aber dann mußten sie den Rest ihres einstigen Territoriums an die Braunschweiger Herzöge abgeben. Es ist eines der Territorien, die nicht durch Aussterben des herrschenden Geschlechts an die Welfen kamen, sondern durch Vertreibung, auch wenn die Linie kurz darauf erlosch. Die Eversteiner teilten sich um ca. 1200 mit den Söhnen von Albrecht Graf v. Everstein in mehrere Linien, die sich nach dem Verlust der Stammburg nun nach ihren verbliebenen Sitzen nannten: Konrad begründete die 1. Linie Everstein-Ohsen, Otto begründete die 2. Linie Everstein-Holzminden, Ludwig wurde zum Stammvater der pommerschen 3. Linie Everstein-Naugard (auch: Eberstein-Naugard), und auf Hermann geht die 4. Linie Everstein-Polle zurück. Noch im 14. Jh. starben die Linien zu Ohsen und zu Holzminden aus. Die Poller Linie starb zu Beginn des 15. Jh. aus, die letzte Erbtochter dieser Linie brachte die Grafschaft an die Welfen. Eine Linie in den Niederlanden erlosch Ende des 14. Jh., eine dänische Linie 1453, und am längsten behauptete sich die Linie zu Pommern, die starb erst 1663 mit Ludwig Christoph Graf v. Everstein-Naugard (16.12.1593-3.12.1663) im Mannesstamm aus. Um 1400 besaßen die Eversteiner noch Polle, Ohsen, Aerzen, sowie Anteile an Holzminden und Grohnde. Allen umliegenden Mächten war das Fehlen des Stammhalters im Hause Everstein nur allzu bewußt, und die alles beherrschende Frage war, wer denn die Grafen beerben könnte. Daß die Welfen es nicht freiwillig bekämen, war ja klar. Aber wer dann? Vielleicht der Bischof von Paderborn? 1399 schlossen Graf Hermann von Everstein und sein Bruder Meinhard mit dem Bischof einen Erbverbrüderungsvertrag. Nach dem Tod des letzten Eversteiners sollte die Grafschaft an das Hochstift Paderborn fallen. Kurz darauf bekam der Graf doch noch einen heiß ersehnten Sohn, Otto v. Everstein-Polle, und der Vertrag war damit hinfällig. Das Problem stellte sich von Neuem, als der erwähnte Sohn im Kleinkindesalter um 1403 starb. Im selben Jahr suchte Graf Hermann von Everstein den Schulterschluß mit Simon zur Lippe und Bernhard zur Lippe, um seine verbliebenen Territorien zu erhalten, und diese beiden Parteien schlossen am 6.6.1403 einen zweiten Erbverbrüderungsvertrag. Nach dem Tod des letzten Eversteiners sollte die Grafschaft an das Haus Lippe fallen, so war es angedacht. Umgekehrt natürlich ebenso, auch wenn das sehr unwahrscheinlich war. Und beide fügten ihrem Namen und Titel den des jeweils anderen Territoriums hinzu, Hermann war jetzt "Graf von Everstein und Herr zur Lippe" und Simon war nun "Edler Herr zur Lippe und Everstein". Was für beide Teile wie ein gelungender Handel aussah, wurde zu einem großen Unglück. Denn das führte zur Eversteiner Erbfolgefehde 1404-1409, denn die beiden noch lebenden Söhne von Magnus II. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-1373) aus dem mittleren Haus Lüneburg, Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-11.6.1434) und Heinrich II. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-14.10.1416), konnten das unmöglich hinnehmen; das Gebiet nicht selbst einheimsen zu können, wäre schon schlimm genug, aber einem solchen Territorialzuwachs des Hauses Lippe tatenlos zuzusehen, war undenkbar. Ansprüche meldete man sofort an, doch wie bricht man einen Krieg vom Zaun? Hier kam ihnen zu Hilfe, daß Henning von Reden, von Herzog Heinrich 1398 des Landfriedensbruchs beschuldigt und vertrieben, bei den Herren zur Lippe Zuflucht gesucht hatte, in deren Burg Varenholz. Und die von Reden führten seitdem so eine Art Privatfehde gegen die Braunschweiger und versetzten ihnen immer mal wieder mit kleinen Raubzügen und Plünderungen Nadelstiche. Dies war ein Fehdegrund für die Braunschweiger. Doch das militärische Unternehmen ging ein bißchen schief, und Herzog Heinrich wurde gefangen genommen und mußte mit Lösegeld freigekauft werden. Für seine Freilassung mußte er natürlich noch einen Eid leisten, Frieden zu halten und auf Rache zu verzichten (Urfehde schwören). Am 8.9.1405 konnte er heimkehren, mit tiefen Wunden an seiner Ehre und in seinem Geldbeutel. Was tun? Welche höhere Macht konnte ihn aus der Situation befreien? Richtig, der Papst und der römisch-deutsche König natürlich. König Ruprecht, zu dem die Welfen gute Beziehungen hatten, verhängte auf Betreiben der Herzöge am 15.12.1405 die Reichsacht über Simon zur Lippe und Hermann von Everstein, die 1407 noch in eine Oberacht verschärft wurde. Weitere Lösegeldzahlungen wurden einfach verboten. Und den Papst Gregor XII. konnte man um Aufhebung des geleisteten Eides bitten! So geschah es am 27.6.1407, und dann verbündete man sich noch mit dem Bischof vom Paderborn und ein paar benachbarten Landesherren zwecks Schaffung mehrerer Fronten, und flugs konnte Heinrich noch im selben Jahr wieder gegen Lippe und Everstein zu Felde ziehen, und diesmal war er siegreich. Am 27.4.1407 wurde die Burg Everstein in Polle durch die Mannen des Herzogs Heinrich von Braunschweig-Lüneburg belagert und eingenommen. Danach wurde Lippe von allen Seiten angegriffen und verwüstet. Graf Hermann von Everstein, der vorher gar nicht so recht mitbekommen hatte, was für einen gigantischen Krieg er da ausgelöst hatte, denn eigentlich ging es ja nur um den legalen Übergang der kleinen Grafschaft, und der das Ausmaß der von ihm ausgelösten Interessenskonflikte gewaltig unterschätzt hatte und nun von den Ereignissen überrollt worden war, besaß nun nicht mehr viel Verhandlungsspielraum. Sein Interesse an einer Fortsetzung des Streits war angesichts der gewaltigen "Resonanz" bei Null angekommen. Nach dem Verlust seiner Burg Polle und dem am 20.1.1408 in Hameln geleisteten Verzicht auf alle Rechte ging der letzte Graf von Everstein, Graf Hermann VIII, in die Verbannung nach Neustadt am Rübenberge und übergab seine Grafschaft an die Braunschweiger Herzöge. 1408 verlobte der letzte Graf von Everstein, der mit Ermengard v. Waldeck vermählte Graf Hermann, seine einzige Tochter Elisabeth v. Everstein-Polle, die erst 4 Jahre alte Erbtochter, mit dem 20 Jahre älteren Sohn von Bernhard I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-11.6.1434, mittleres Haus Lüneburg), Otto IV. von Braunschweig-Lüneburg, nach der 1425 erfolgten Hochzeit nun Otto I. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg-Everstein (-1445), und gab ihr den Rest der Grafschaft Everstein als Mitgift. Und danach verlieren sich die Spuren der Eversteiner. Mit Lippe war freilich der Konflikt noch nicht beigelegt, man einigte sich schließlich dahingehend, daß die Herren zur Lippe auf die Rechte aus der Erbverbrüderung von 1403 verzichteten. Dafür würden sich die Herzöge für eine Rehabilitierung und Entlassung ihres Kriegsgegners aus der Reichsacht einsetzen. Ein solcher Vertrag kam am 7.4.1409 in Polle zustande. Mit einer gewissen Erleichterung sicherlich, denn Kriege waren kostspielig, und eigentlich war es den Welfen ja vorrangig nur um die Grafschaft Everstein gegangen. Die Herzöge von Braunschweig hatten damit wichtige Ziele erreicht: Ende der lästigen Fehden am südlichen Rand ihrer Herrschaft, Vernichtung des streitlustigen Gegners und territorialer Gewinn. Otto wurde 1434 Herzog und Fürst von Lüneburg, hatte aber keine männlichen Nachkommen. Er regierte in Celle gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich II. Herzog v. Braunschweig-Lüneburg (-9.3.1478), der mit seinen Söhnen den Stamm fortsetzte. Die weiteren Teilungen innerhalb des Welfenhauses und der Weg der Grafschaft Everstein werden im Abschnitt zur Herrschaft Homburg erläutert. Die Angaben im Siebmacher Band: Souv1 S. 27-28 bezüglich des Übergangs von Everstein an die Welfen sind übrigens Unfug. Literatur: Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9 Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1 Großer Everstein, Rekonstruktion: http://burgrekonstruktion.de/main.php?g2_itemId=498/ Burg Everstein: http://www.samtgemeinde-bevern.de/de/samtgemeinde-bevern/tourismus/sehenswertes/burg-everstein.php Laserscanning Burg Everstein und Burg Homburg: http://www.denkmalpflege.niedersachsen.de/download/52861 Georg Schnath, Die Herrschaften Everstein, Homburg und Spiegelberg: http://www.geschichte-polle.de/Die_Herrschaften_Everstein__Homburg_und_Spiegelberg.pdf - Grafschaft Everstein und Herrschaft Homburg: http://www.geschichte-polle.de/html/teil_3_-_kap__2_und_3.html Eversteiner Fehde: Willy Gerking, Verbrannt und Beraubt, vor 600 Jahren fiel Lippe der Eversteinschen Fehde zum Opfer, http://www.geschichte-polle.de/Verbrannt_und_beraubt.pdf Fehden der Eversteiner: http://www.geschichte-polle.de/html/fehden_verheerten_unsere_dorfe.html Geschichte der Grafschaft Everstein-Polle: http://www.geschichte-polle.de/html/geschichte_der_ehem_grfschft_e.htmlEverstein-Naugard, Belehnung des Grafen Otto I. von Eberstein: http://www.geschichte-polle.de/html/belehnung_der_grafen_v__everst.htmlFr. Schreiber, Die Eversteiner und ihre Zeit - Ihr Herrschaftsbereich an Diemel und Oberweser: http://www.geschichte-polle.de/html/die_eversteiner_und_ihre_zeit.htmlFriedrich Wittkopp, Die letzte Eversteinerin: http://www.geschichte-polle.de/html/die_letzte_eversteinerin.html Prof. D. J. Meyer, Genealogie der Grafen von Everstein, Göttingen 1954. Stefan Pätzold, die Familie von Reden und die Welfen im späten Mittelater, Göttingen, http://cma.gbv.de/dr,cma,002,1999,a,01.pdf
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