Seiten: [1]   Nach unten
  Drucken  
Autor Thema: Epitaph Goldochs-Völker in Crailsheim  (Gelesen 478 mal)
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« am: 31. Juli 2011, 18:01:38 »

Anfrage zum Epitaph der Dorothea Goldochs geb. Völker (mit figürlicher Darstellung des Ehepaars) in der Völkers-Kapelle, Johanneskirche in Crailsheim, datierbar 1540
Inschrift: „Anno DM 1540 an der Rechten vaßnacht um newn or vormittag verschied die Erbar und Ernthugentsam Fraw Dorothea geborne Volckerin des Erbarn und vesten Georgen Goldochs von Berntzweiler seligl[ich] h[in]gelass[enen] Wittib, den beeden got gnad.“

Dargestellte Personen:
- Dorothea Völker *…, + 10.2. 1540, begr. Völkers-Kapelle, St. Johannes in Crailsheim, (römisch-katholisch), sie entstammte einer Patrizierfamilie aus Crailsheim, sehr wahrscheinlich Tochter des markgräflich brandenburg-ansbachischen Kanzlers Johann (Hans) Völker.
oo …
- Georg genannt Jörg Goldochs von Berntzweiler * (um 1470), + vor 1540
urkundlich erwähnt 1492-1517, (römisch-katholisch), Deutschordensvogt zu Dinkelsbühl, (wohl) Herr auf Bernhardsweiler bei Fichtenau nahe Dinkelsbühl. Da seine 3 Söhne Bernhardsweiler 1540 verkauften, muß es bereits in Jörgs Besitz gewesen sein. Das dortige einfache Schloß, ehemals mit einem Graben umgeben, wurde im ausgehenden 15. oder beginnenden 16. Jahrhundert von den Goldochs erbaut. Der Türsturz trägt die Jahreszahl 1511. Jörg Goldochs hatte auch Besitz in Eiberg bei Ellwangen, wo er 1495 eine Sägmühle an das Kapitel (der Fürstprobstei) von Ellwangen vertauschte. Im Jahr 1517 begann die Familie, die Wallfahrtskirche St. Anna in Bernhardsweiler großzügig auszubauen: (L. Schnurrer) "[1517] erbat sich die Dinkelsbühler Familie Goldochs von [der Stadt] Rothenburg Stein zum Bau einer St. Anna-Kirche in dem Dorf Bernhardsweiler. Deren imposanter Chor, angeblich erbaut von der Dinkelsbühler Bauhütte des Nikoklaus Eseler, ist noch erhalten; ihre Fertigstellung verhinderte die Reformation, die dann auch seit 1544 den Annenkult in Rothenburg beendete".
(Quellen: Es liegen mir bisher nur einzelne Quellenschnipsel vor, komplette Aufsätze zu den weiterführenden Familiengeschichten der Völker und Goldochs leider noch nicht)

Kinder:
- Heinrich, *(um 1520), + nach 1600(?),1543 (erst katholischer, dann evangelischer) Kanoniker,  Domherr und später Senior in Havelberg a. Elbe, Mark Brandenburg. Verheiratet, (mind.) 2 Töchter.
- David, erwähnt 1541-1546, zuerst in Rothenburg o. Tauber, dann in Crailsheim, verheiratet (?)
- Georg-Jörg, + (Türkenkriege) 18.10.1548 -Totenschild angeblich in Crailsheim
- (wohl) Katharina, erwähnt 1547, oo NN. Renner aus Rothenburg o. Tauber

Völkers-Kapelle, St. Johannes in Crailsheim


Grabmal Goldochs-Völker


Ahnenwappen des Epitaphs:
- links unten: Goldochs von Berntzweiler
- links oben: ?
- rechts oben: Eberhardt (aus Dinkelsbühl und Rothenburg o. Tauber)
- rechts unten: Völker (aus Crailsheim)

Wappen links unten: Goldochs


Wappen links oben: ? (Goldochs Mutter)


Wappen rechts oben: Eberhardt (Völker Muttter)


Wappen rechts unten: Völker


Bei den 3 bekannten Wappen handelt es sich um einen patrizischen Hintergrund aus Dinkelsbühl, Rothenburg o. Tauber und Crailsheim.
Wobei die Goldochs in den rittermäßigen Landadel aufstiegen.
Gesucht werden Hinweise auf das noch nicht identifizierte mütterliche Wappen des Georg-Jörg Goldochs.
Auf einem Epitaph der Enkeltochter Barbara v. Goldochs (verheiratet I. v. Milckau, II. v. Schleinitz) in Frauenhain/Sachsen, sind ebenfalls die Ahnenwappen Goldochs, Völker, Eberhardt dargestellt, das in Frage stehende 4. Wappen allerdings durch Beschädigung verloren. (Quelle: Gurlitt, Bau- und Kunstdenkmäler Sachsen- Großenhain (Land), Bd. 37, 1914, S. 54).
Es hat sich dort nur die zugehörige Namensintiale „v. F.“ erhalten (wobei mir das Adelsprädikat angesichts des Hintergrunds fraglich erscheint).

Ich dachte bei dem fehlenden Wappen bereits an Hubel aus Nördlingen, abgebildet im alten Siebmacher.
Das ginge aber mit „v. F.“ nicht gut zusammen.
Was gäbe es noch für Optionen für das Wappen mit dem Lamm?
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
rekem
Entwurfsforum
Sr. Member
*
Offline Offline

Beiträge: 333



« Antworten #1 am: 01. August 2011, 09:48:09 »

leider gibt es ziemliche Mengen von Wappen mit schreitendem Lamm.

Haben Sie schon geprüft ?
http://www.degener-verlag.com/assets/s2dmain.html?http://www.degener-verlag.com/53065796cc0d4f631/53065796cc0d4fa64/5306579a020e86c03.html
Gespeichert

mfG
MdH, MdWGfFK
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #2 am: 01. August 2011, 14:18:04 »

leider gibt es ziemliche Mengen von Wappen mit schreitendem Lamm.
Das dachte ich mit leider  Traurig

Allerdings dürfte zu dieser Zeit (2. Hälfte 15. Jh.) der Heiratsradius eher eingeschränkt gewesen sein.
Danke für den Hinweis: das Rothenburger Wappenbuch habe ich noch nicht eingesehen, da ich es nicht besitze. Ich werde es mir aber Mitte Augst in der Berliner Stabi kommen lassen.

Viele Grüße
Johannes
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
rekem
Entwurfsforum
Sr. Member
*
Offline Offline

Beiträge: 333



« Antworten #3 am: 01. August 2011, 14:55:54 »

im Schöler, Hist,FamWp i. Franken:
1. vom Rein, RSt Rothenburg, LehnsLt B, Würzburg, 16.Jh.
2. Löffelholz, RSt Nürnberg
3. Pastorius, RSt Weilheim
4. Lemmel, RSt Nürnberg + 1513
Gespeichert

mfG
MdH, MdWGfFK
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #4 am: 01. August 2011, 16:00:07 »

im Schöler, Hist,FamWp i. Franken:
1. vom Rein, RSt Rothenburg, LehnsLt B, Würzburg, 16.Jh.
2. Löffelholz, RSt Nürnberg
3. Pastorius, RSt Weilheim
4. Lemmel, RSt Nürnberg + 1513

Vielen Dank soweit.
1. vom Rein aus Rothenburg würde von der Gegend her gut passen. Ich hatte das Wappen auch im alten Siebmacher gesehen, allerdings nicht als Lamm gedeutet (sieht dort mehr aus wie eine Kreuzung von Hund und Schwein...). Es könnte sich auch mit der Initiale "v.F." einigermaßen ergänzen, "F" als Verlesung für "R" ist noch im Bereich des Möglichen.
2. Löffelholz, haben die ein Lamm oder einen Widder?
3. (Pastorius aus Weilheim, ist vielleicht schon etwas zu weit weg.)
4. Lemmel, Lämlein aus Nürnberg (und wohl Heilbronn) könnte vielleicht auch passen.

Ich möchte in Berlin auch die 2 Bd. Dinkelsbühler Urkundenbücher einsehen, vielleicht ergibt sich da ein Hinweis zu einer der genannten Familien.
Die konkrete Person werde ich kaum feststellen, aber eventuell die Familie einkreisen können- zumindest mit einem Fragezeichen.

Viele Grüße
Johannes W.


Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
A.Lenz
Entwurfsforum
Hero Member
*
Offline Offline

Beiträge: 1.660



« Antworten #5 am: 01. August 2011, 17:39:24 »

Lemmlein (Lemmel) könnte vom Schildbild her passen.

"In Rot auf goldenem Dreiberg ein silbernes Lamm".

Bei Löffelholz (Stammwappen) fehlt der Dreiberg allerdings.

"In Rot ein schreitendes silbernes Lamm".

Pastorius wird im Siebmacher als Geschlecht aus Windsheim angegeben.

"In Rot auf silbernem Boden mit vier Kuppen ein silbernes Lamm".

Rein, Fränkischer Uradel. Im 16. Jahrhundert erloschen.

"In Silber ein schwarzes Schaf".

Gespeichert
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #6 am: 01. August 2011, 20:15:26 »

Danke auch an Alois:
Dann wären also die Pastorius wieder im Spiel, denn Bad Windsheim ist schon recht in der Nähe von Rothenburg/Dinkelsbühl.
(Und- eingedenk der erhaltenen Initiale- kann "P" auch schnell zu einem "F" mutieren)
Danke auch für die Tingierungen, hierzu (wie zur Helmzier) kann man leider vom Stein her gar nichts sagen. Das hätte es natürlich erheblich erleichtert...  Unentschlossen

Viele Grüße
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #7 am: 01. August 2011, 20:39:32 »

PS.
Der Einwurf ist natürlich berechtigt, daß -bei den wenigen Anhaltspunkten, die das Wappen hergibt- der Boden oder Dreiberg nicht unbeachtet bleiben kann...
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
A.Lenz
Entwurfsforum
Hero Member
*
Offline Offline

Beiträge: 1.660



« Antworten #8 am: 02. August 2011, 07:04:41 »

Ebenfalls mit  Lamm auf Dreiberg:

Jobst Friderich, im Wappenbuch der Genannten der Reichsstadt Nürnberg

und

Niklas Friderich, von Würzburg stammend.
« Letzte Änderung: 02. August 2011, 07:19:54 von A.Lenz » Gespeichert
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #9 am: 02. August 2011, 20:39:32 »

Wuerde vom Wappen und der Initiale F. auch sehr gut passen.
Mal sehn, wer von denen eventuell im Zusammenhang mit Dinkelsbuehl stand...

Viele Gruesse
Johannes
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
A.Lenz
Entwurfsforum
Hero Member
*
Offline Offline

Beiträge: 1.660



« Antworten #10 am: 03. August 2011, 07:06:24 »

Lt. einer "Haller Chronik" stammt die Familie Goldochs aus Rothenburg.

Hier das Wappen aus der besagten Chronik:



Ansprechpartner: Stadtarchiv Schwäbisch-Hall
Gespeichert
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #11 am: 03. August 2011, 13:02:43 »

Vertreter dieser Patrizierfamilien, z.B. auch die oben mit Wappen erscheinenden Eberhardt, waren wohl in mehreren der nahebei gelegenen Reichstädte gleichzeitig unterwegs.
Die Goldochs sind noch in einigen, etwas entlegenen Fachzeitschriften behandelt. So habe ich mir für meinen Berliner Stabi-Aufenthalt eine ganze Literaturliste erstellt, darunter auch:  Zwinkernd
-Gerd Wunder (u. Georg Lencker), Die Bürgerschaft der Reichsstadt Hall von 1395 bis 1600, zum Jubiläum der Stadt Schwäbisch Hall, 1956

Leider ist selbst die Tingierung des Wappens Goldochs bisher nicht ganz klar: Der oberhalbe Ochse war entweder golden oder silbern. Wobei mir Gold wegen dem Namen als wahrscheinlicher erscheint. (Alte "Vergoldungen", z.B. großflächig in Kirchen oder an Statuen sind oftmals eigentlich nur gelb überlasiertes Silber als kostensparende Variante: das sieht man auf die Ferne gar nicht. Wenn die Lasur weggeht, bleibt natürlich nur das Silber. Das weiß ich aus meiner Erfahrung mit Restaurierungen).
Der Schild ist mal blau, mal grün: auch hier könnte das Grün von einem "krepierten" Blau herrühren.
Interessanterweise gab es in Augsburg bereits im 13. Jh. eine namensgleiche Familie, angeblich ein Zweig der bekannten Rehm, mit einem ähnlichen Wappen: in Blau ein (hier ganzer) goldener Ochse. Ob eine Verbindung besteht, kann ich noch nicht sagen. Es mag auch Zufall sein, da solche Namen aus Hausschildern heraus im städtischen Kontext entstanden...

Viele Grüße
Johannes
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
Albus
Entwurfsforum
Full Member
*
Offline Offline

Beiträge: 106



« Antworten #12 am: 29. September 2011, 17:12:24 »

Die Sache mit dem "Lamm-Wappen" hat sich nun geklärt dank der Zusendung der Dorfchronik von Bernhardsweiler, sonst in keiner Bibilothek erhältlich, durch einen freundlichen Helfer: Beim o.a. "Jörg Goldochs v. Berntzweiler" handelt es sich in Wirklichkeit um Vater und Sohn, die ich fälschlich zusammenmixte. Der auf dem Epitaph in Crailsheim dargestellte ist:
- Jörg (II.) Goldochs v. Berntzweiler + vor 1540
Eltern:
- Jörg (I.) Goldochs, Deutschordensvogt zu Dinkelsbühl, Herr auf Bernhardsweiler, erwähnt 1492-1517, + 1517
- Margarete Fuchshardt, + nach 1517, aus Dinkelsbühl
Die Fuchshardt/Fuchsart, Patrizier aus Nördlingen, hatten eine Linie in Dinkelsbühl, waren auch Vorbesitzer auf Bernhardsweiler.

Das mütterliche Wappen ist also gar kein "Lämmlein" (wie man sich täuschen kann Huch), sondern ein Fuchs auf einem Dreiberg. (Siebmacher, Bürgerliche 1, S. 35, Tf. 45). Durch eine Beschädigung am Rand sieht man den typischen Fuchsschwanz allerdings nur eingeschränkt.


Herzlichen Dank nochmal an alle fleißigen Helfer, wenn es auch nun ganz anders kam (wie so oft).

Viele Grüße
JvW.
Gespeichert

"Menschengeschlechter ziehen vorüber wie die Schatten vor der Sonne"
Seiten: [1]   Nach oben
  Drucken  
 
Gehe zu: