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Autor Thema: Schembartbücher  (Gelesen 253 mal)
AndreasP
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« am: 22. März 2011, 18:41:49 »

Die Fastnacht ist zwar schon vorbei, aber hier eine Übersicht über Nürnberger Schembartbücher.

Es gibt natürlich viel, viel mehr Handschriften als die bei von verschiedenen Usern bei den Commons hochgeladenen aus Los Nürnberg, Hamburg, Los Angeles und Oxford, aber dennoch ist die synoptische Übersicht dort, die ich zusammengestellt habe, m. E. schon ganz brauchbar:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Schembartlauf/Synopse

Auch wenn die Wikimedia Commons natürlich hier nur Originalscans spiegeln und in diesem Sinne kein originäres Angebot sind, zeigt die Seite vielleicht doch, dass solche institutsübergreifenden Repositorien gemeinfreier Werke ganz neue zusammenfassende Blicke ermöglichen können.

Die Bücher sind wohl alle erst im Nachhinein entstanden, als der Brauch durch die Reformation 1539 längst abgeschafft war. Sie sind deutlich voneinander abhängig, also wurde eins vom anderen abgemalt.

Da die Wappen der jeweiligen "Hauptleute" (also Anführer des Schembartlaufs) in allen Büchern auftauchen, sind sie auch Wappenbücher.

Einige der Wappen der "einfacheren" Leute, die dieses wichtige Fastnachtsamt bekleideten, wurden sicherlich später erfunden oder "frei Schnauze" zugeordnet, und die Namen variieren von Quelle zu Quelle auch. Georg Andreas Will hat die Varianten bereits 1765 ganz brauchbar zusammengefasst (siehe http://www.archive.org/stream/nurnbergischessc00will#page/n3/mode/2up ), und seine Liste habe ich einfach mal als Vorlage genommen.

Ein "Endres Volckhard" z. B. heißt dann auch mal "Andreas Wölker" oder "Hanns Vocker", und Wappen für ihn findet man verschiedene in den Büchern. Ein goldenes(?) Reh in blau (also wohl Fugger vom Reh), aber auch das fuggersche Lilienwappen, allerdings nicht gold/blau, sondern rot/silber. Womöglich war das ja wirklich ein Fugger, aber vielleicht ist auch nur die Phantasie der Maler bei dem Namen "Vocker" angesprungen; oder es gibt wirklich so ein Lilienwappen einer Familie Volckhard o. ä. Ich weiß es nicht.

Bei den weitaus meisten handelt es sich jedoch um Nürnbergische Geschlechterwappen durchaus bekannter Namen (viel Haller, Paumgartner, Tucher, Ketzel, Tetzel, Pessler, aber auch Ploben, Geuder, Rieter, Grundherr, Toppler, Ebner, Führer, Koler, Grabner, Thill).

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Gernot
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« Antworten #1 am: 23. März 2011, 09:22:42 »

Sehr schöner Fund.
Es gibt natürlich viel, viel mehr Handschriften als die bei von verschiedenen Usern bei den Commons hochgeladenen aus Los Nürnberg, Hamburg, Los Angeles und Oxford, ...
Vor ein paar Wochen habe ich ein paar Originale in der Handschriftensammlung der Nürnberger Stadtbibliothek gesehen. Einfach schön.

Zitat
... Die Bücher sind wohl alle erst im Nachhinein entstanden, als der Brauch durch die Reformation 1539 längst abgeschafft war. ...
Der Lorenzer Pfarrer, Humanist und Reformator Andreas Osiander wurde von den Schembartläufern verspottet und symbolisch in die Hölle verfrachtet. Er zeigte sich humorlos und setzte beim Rat ein Verbot durch.

Zitat
Einige der Wappen der "einfacheren" Leute, die dieses wichtige Fastnachtsamt bekleideten, wurden sicherlich später erfunden oder "frei Schnauze" zugeordnet, und die Namen variieren von Quelle zu Quelle auch. Georg Andreas Will hat die Varianten bereits 1765 ganz brauchbar zusammengefasst (siehe http://www.archive.org/stream/nurnbergischessc00will#page/n3/mode/2up ), und seine Liste habe ich einfach mal als Vorlage genommen.
Der Schembartlauf war ursprünglich ein Privileg der Nürnberger Metzger, als Dank dafür, dass diese sich nicht am Nürnberger Handwerkeraufstand 1348/49 beteiligten und weiterhin zum patrizischen Rat neigten. Später kauften die jungen Patriziersöhne aus den Geschlechtern den Metzgern das Recht zum Schembartlauf ab.
Der Umstand, dass es sowohl Hauptleute aus den Geschlechtern als auch aus Handwerkerfamilien gegeben hat ist für Nürnberg bemerkenswert.
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Gernot

Weiß der Geier...
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