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Autor Thema: Ein Meisterwerk aus Passau (in Wien)  (Gelesen 541 mal)
AndreasP
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« am: 19. Dezember 2010, 22:58:33 »

In der Sammlung alter Musikinstrumente in der Wiener Neuen Burg (das ist das klobige halbrunde Riesengebäude am Heldenplatz) findet sich der wundervolle "Passauer Liedertisch", 1590 vom Amberger Künstler Kaspar von der Sitt geschaffen.

Auf einer Tischplatte aus Solnhofener Plattenkalk sind die Noten dreier Lieder so eingraviert, dass man sie im Chor am Tisch sitzend singen kann. In der Mitte des Tisches das Wappen des Fürstbischofs Urban von Trennbach, um es herum gruppiert die Wappen der 22 Mitglieder des Domkapitels.

Einige (Text-)Informationen gibt es hier: http://www.kmz.de/scripts/passkomplett.asp?index=1146

Soweit ich weiß (bzw. soweit Google fündig wird), wurden bislang keine Bilder dieses Kunstwerks im Internet publiziert: eine Schande, der nun abgeholfen wurde:

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Passauer_Liedertisch

Die Bilder sind so gut oder schlecht, wie es in dem schummrigen Museum durch eine Glasplatte auf dem Tisch und ohne sich draufzustützen eben ging. Se lassen aber zumindest erahnen, was für ein faszinierendes Gesamtkunstwerk der Renaissance hier vorliegt.

Es gibt wohl noch einige ähnliche "Liedertische", die in Schlössern und Museen bis in unsere Zeit überlebt haben, darunter der "Amberger Liedertisch" desselben Künstlers. Leider habe ich keinen Überblick, wo sich diese Tische befinden und inwieweit sie auch heraldisch interessant sind.


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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #1 am: 19. Dezember 2010, 23:29:41 »

Wahnsinn! Vielen Dank für diese Entdeckung. Kannte ich noch nicht. Gar nicht so einfach mit den Spiegelungen, den Lichtverhältnissen und dem Aufnahmewinkel, vernünftige Photos zu bekommen. Prima gemacht!
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A.Lenz
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« Antworten #2 am: 20. Dezember 2010, 10:23:06 »

"Kaspar von der Sitt" war bis 1591 Bürger in Passau. Er war kaiserlicher Notar und kam dann als Modellist und Gildenschreiber 1598 nach Amberg. Vom ihm stammen mehrere sogenannte "Liedertische". Das sind geätzte "Solenhofer Steintischplatten", welche  außer anderem ornamentalischer Schmucke, Wappen und dergleichen Gesänge und Noten tragen.

Insbesondere sind nachstehende Arbeiten aus seiner Hand bekannt:

1. Der "Passauer Liedertisch" aus dem Jahre 1590, ursprünglich im Graf Herberstein'schen Kanonikatshofe (Domplatz, Haus Nr. 6) befindlich, mit dem Wappen des Fürstbischofs Urban von Trenbach und der 23 Mitglieder des Domkapitels und einem italienischen Liede, dessen Komponist Marc Antonio Ingregeri, der Autor der unter Palestrinas Namen am Karfreitage gesungenen Improperien ist. Nach dem Wegzuge des letzten Inhabers des Kanonikatshofes, des Grafen Joseph von Starhemberg, blieb der Tisch noch einige Zeit in dem zum Postamte adoptierten Kanonikatshofes stehen und kam dann im Jahre 1828 in das kaiserliche Schloß Laxenburg bei Wien, und im Jahre 1879 in das Hofmuseum in Wien.

2. Der Tisch des Herzog Wilhelm V. von Bayern vom Jahre 1591 im Schloß Hohenschwangau.

3. Die Tischpaltte von Amberg vom Jahre 1591.

(Zitat: Bilder aus der Geschichte des Bistums Passau, von Dr. Ludwig Heinrich Krick)
 
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AndreasP
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« Antworten #3 am: 20. Dezember 2010, 10:49:18 »

Vielen Dank für diese weitergehenden Informationen.
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AndreasP
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« Antworten #4 am: 20. Dezember 2010, 15:12:44 »

Ich hab aus den Fotos noch – so gut es ging – die Einzelwappen der Domkapitulare extrahiert und, soweit mir mit meiner bescheidenen paläographischen Erfahrung auf die Schnelle und ohne Literatur zum Bistum Passau möglich, die Namen halbwegs identifizert/transkribiert.

Die Dateien sind ebenfalls auf den Wikimedia Commons (Link siehe oben). Korrekturen sind dort natürlich wie immer wärmstens willkommen.
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