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Autor Thema: Kleiner Rundgang durch Linz (Oberösterreich)  (Gelesen 639 mal)
AndreasP
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« am: 21. November 2010, 21:00:04 »

Ein Nachmittag in Linz ergab einige zufällige Funde. Da ich kein Kenner der oberösterreichischen Wappen bin und auch keiner werden will, schreibe ich nur wenig zur Heraldik und lasse die Fotos weitgehend für sich sprechen. Größere Versionen gibt's per Klick aufs Foto.

Das Linzer Landhaus ist an allen Seiten mit schönen Bildhauerarbeiten geschmückt, die das oberösterreichische Wappen zeigen. Das Renaissance-Nordportal von 1570 mit den Wappen Österreichs unter der Enns (bzw. Altösterreich, Niederösterreich, das so genannte „Lerchenwappen“), Oberösterreichs und Gesamtösterreichs (bzw. „Neuösterreichs“, der „Bindenschild“) ist besonders eindrucksvoll:



Im Durchgang ist das Wappen großflächig auf eine Tür (oder waren es mehrere?) gemalt:



An der Fassade Klosterstraße findet sich noch ein Relief:



Und noch eins am Portal an der Promenade:



Im Durchgang findet sich noch ein Epitaph für den Guardian des verwaisten Minoritenklosters, Georg Haslhueber, der der „Landschaft“ 1536 das Klostergebäude verkauft hatte und damit die Grundlage für das Landhaus in der heutigen Gestalt legte. Hier sein Wappen:



Im wundervollen Renaissance-Innenhof steht ein Renaissance-Planetenbrunnen, der Personifizierungen der Planeten zeigt. Am (späteren) Brunnenbecken sind Wappen der habsburgischen Erblande angebracht. Leider habe ich von diesen keine detaillierten Fotos, aber der Innenhof soll doch im Bild gezeigt werden:



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AndreasP
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« Antworten #1 am: 21. November 2010, 21:13:43 »

Weiter geht's in der Altstadt. Nur jeweils einen Steinwurf voneinander entfernt sind die folgenden Wappen.

Gleich drei Wappen gibt es am so genannten „Losensteiner Freihaus“, benannt nach der Familie Losenstein, zwei davon am Erker:



Das sind links das Wappen der Losensteiner, rechts das der Herbersteiner (laut der offiziellen Denkmalsbeschreibung, erkennen kann man das m. E. zur Zeit nicht).

Am Schlussstein des Portals das Wappen der 1561 geadelten Familie Faschang:



Am „Kremsmünstererhaus“, dem Freihaus des Stifts Kremsmünster, prangt selbstverständlich das Wappen des Stifts:



Ich zitiere aus der offiziellen Denkmalsbeschreibung:
Zitat
Auf dem Scheitel des rundbogigen Portals ist das steinerne Stiftswappen angebracht, das von akanthusbesetzten Voluten und zwei Putten eingefasst wird, die einen bekrönenden Männerkopf mit Bischofsmütze an deren Bändern halten. Unten zwischen aufgerollten Bändern befindet sich ein Fratzenkof. In drei aneinandergefügten Ovalfeldern, die unten von Lorbeerzweigen eingefasst sind, sind Eber, Hund und Stier einzeln im Relief dargestellt. Unter den beiden ersten befindet sich die Jahreszahl 1710.

Auch am Freihaus des Stifts Wilhering, wiederum ganz in der Nähe, gibt es ein reich verziertes Stiftswappen aus der Zeit um 1700:



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AndreasP
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« Antworten #2 am: 21. November 2010, 21:29:40 »

Die Linzer Nibelungenbrücke bietet interessante Ausblicke auf moderne und postmoderne Architektur, darunter die Konzerthalle Brucknerhaus, das neue Kunstmuseum Lentos und das Ars Electronica Center. Blickt man von der Brücke zurück zur Innenstadt, fallen gleich die scheußlichen monumentalen "Brückenkopfgebäude" auf, die den Hauptplatz zur Donau abschließen und das einzige sind, was von Hitlers Lieblingsprojekt, nämlich dem monumentalten Ausbau seiner Heimat- und Lieblingsstadt Linz, gebaut wurde. Ein Mahnmal dazu an prominenter Stelle an einem üblichen Touristenpfad sucht man vergeblich. Auffällig ist jedoch die folgende bunte Vertriebenen-Gedenktafel an der Brücke:



Neben dem oberösterreichischen Wappen wird das Wappen der sudetendeutschen Landmannschaft gezeigt, das erst 1950 entstand und eine Kombination von Reichsadler, Deutschordenskreuz und dem Gitter aus dem Stadtwappen von Eger darstellen soll. Das recht ähnliche Wappen des "Reichsgaus Sudetenland" mit dem mährischen rot-silber-geschachten Adler konnte man natürlich beim besten Willen nicht verwenden, da es erst 1940 erfunden wurde, und ein früheres "sudetisches" Wappen gab es nicht.

Abschließen will ich den kleinen Rundgang mit zwei neuzeitlichen Bischofswappen.

Vor der Kirche der Barmherzigen Brüder steht eine Büste des Linzer Bischofs Rudolph Hittmair, deren Sockel sein Wappen zeigt:



Einer seiner Vorgänger war der in Linz heiligengleich verehrte Bauherr des Neuen Doms, Franz Joseph Rudigier. Seine Büste in diesem Dom zeigt sein Wappen (daneben steht sein Hochgrab, das bescheidenerweise wie ein hochmittelalterliches Kaisergrab gestaltet ist).



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« Antworten #3 am: 21. November 2010, 22:26:43 »

Ganz toll, vielen Dank fürs Einstellen!
Ich bin ein großer Fan dieser wundervollen Renaissance-Arkaden-Innenhöfe, im letzten Sommer hatte ich den in Schloß Eggenberg und den vom Grazer Landhaus gesehen, das läßt das Herz eines jeden Architekturfreundes höher schlagen.
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AndreasP
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« Antworten #4 am: 21. November 2010, 22:39:17 »

Renaissance-Innenhöfe:

Empfehlenswert in Deutschland auch

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Altes_Schloss,_Stuttgart

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Neuburg_Castle

und natürlich auch die traurigen Reste des Pellerhauses in Nürnberg

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nuernberg-pellerhaus-innenhof-nseite-v-sw.jpg

Sehr schön, wenn auch ohne Arkaden sind auch z. B.

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Schloss_Wolfegg

und in Vorarlberg http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Palast_Hohenems
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« Antworten #5 am: 21. November 2010, 23:10:02 »

Ooooh ja, und nicht zu vergessen den Innenhof der Plassenburg!
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