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Autor Thema: Wettbewerb: Die widersinnigstee Tingierung  (Gelesen 373 mal)
AndreasP
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« am: 15. November 2010, 10:05:06 »

Ja, mein eigenes Familienwappen verletzt die heraldische Farbregel und ist zu bunt.

Heute bin ich aber im Internet auf ein Wappen gestoßen, das wirklich äußerst widersinnig tingiert ist:

http://www.kotzenberg-familienforschung.de/Privat/Wappengeschichte.htm

"Ein blaues Schild zeigt in seinem Grunde einen grauen Berg, auf welchem eine braune, mit 2 nach auswärts stehenden Büffelbändern versehene, geflochtene Kiepe (Kotze) steht."

Auf dem beigegebenen Bild erkennt man selbstverständlich rein gar nichts, eine einzige dunkle Masse.

Eigentlich ein durchaus redendes Wappen, aber in etwas anderem Sinne als gedacht...

Wer kennt noch schlimmere?


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Gernot
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« Antworten #1 am: 15. November 2010, 10:31:26 »

"... und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode."
Die Helmdecken, rechts blau und braun, links blau und grau fügen sich perfekt in den ungewaschenen Gesamteindruck des Wappens ein.
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Gernot

Weiß der Geier...
Magistri
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« Antworten #2 am: 15. November 2010, 11:14:05 »

könnte das braun-schimmernde nicht gold gewesen sein? habe das schon desöfteren gesehen.

peter
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AndreasP
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« Antworten #3 am: 15. November 2010, 11:28:40 »

Das wäre eine plausible Erklärung, stimmt.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #4 am: 15. November 2010, 13:51:26 »

Mir rollen sich immer die Zehennägel hoch beim übertriebenen Gebrauch von "natürlich".

Und natürlich bei vollständiger Mißachtung aller Farbregeln.
Hier haben wir ein Beispiel, wo fast kein Metall vorkommt - nur der Bogen, sonst nur Farben:

Betegh de Csik-Tusnad, Siebmacher Band: Sibü Seite: 262 Tafel: 193:

Zitat
Gespalten von B. und R.; vorne auf gr. Boden ein ganz in R. gekleideter, links gekehrter Ungar mit hohen # Stiefeln, in der Rechten eine Lanze,in der erhobenen Linken einen gespannten g. Bogen samt Pfeil haltend, beide Waffen gegen einen # Bären gerichtet, welche hinten auf gr. Boden, den Ungar anzugreifen scheint.

Oder, ebenfalls fast kein Metall: Georg, Siebmacher Band: Sibü Seite: 9 Tafel: 9:

Zitat
Geteilt, oben in R. ein schwarzer Adler mit silbernem Säbel, unten in B. aus gr. Dreihügel wachsend # 6 speichiges Rad.

Und da hätten wir noch: Juhasz, Siebmacher Band: Un Seite: 276 Tafel: 209:

Zitat
In B. über gr. Boden auf br. Rosse (scheinbar) sprengend, ein ungarisch gekleideter Mann, in r. Rocke und # Kalpag, in der erhobenen Rechten einen Buzogany haltend.

Der Band Ungarn bietet hier sehr viel!  Ärgerlich Grinsend

Und ich kriege immer Haßanfälle bei Siebmachers Märchenstunde. Wohlgemerkt, der folgende Blason beschreibt ein einziges "Gemälde":

Frhr. v. Bujakovich, Band: Dal Seite: 100 Tafel: 71

Zitat
In B. im Schildfuß, verbreitet sich die offene See, aus welcher am rechten Schildrand ein steinerner Hafendamm hervorgeht, hinter diesem erhebt sich ein zur Hälfte sichtbares rötliches Castell, bestehend aus einer Ringmauer mit zwei gespitzten Zinnen und zwei Schießlöchern an deren linken äußeren Ecke ein kleines Erkerturm mit r. Spitzdach angebracht ist, über demselben erhebt sich am rechten Schildrand ein ebenfalls nur halb sichtbarer Turm mit zwei gespitzten Zinnen und einem offenen # Fenster, aus dem linken Schildrand aber bricht eine Fregatte in natürlicher Farbe mit vollen Segeln nach rechts steuernd halb hervor, über deren vorderen sichtbaren Mast der große g. Polarstern und rechts von diesem das g. Siebengestirn erscheint.
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AndreasP
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« Antworten #5 am: 15. November 2010, 15:34:06 »

Siebmachers Märchenstunde... hehe. Wirklich schöne unschöne Beispiele.

Natürliche Farben sind wirklich problematisch. Schon ganz ohne Farbe kann eine allzu natürliche Darstellung zu einer absurd unheraldischen Anmutung verhelfen...

Beispiel "von Vischer" aus Tyroffs Wappenbuch



Wenn's gut gemacht ist, kann aber eine noch so natürliche Darstellungsweise einem schönen Gesamteindruck wenig anhaben. Beispiel: Ehrenbuch der Fugger



(jetzt übrigens komplett auch bei den Wikimedia Commons, Vorteil: die Personen und Wappen lassen sich im Volltext nennen und in die entsprechenden Familien-Kategorien einsortieren; das kann dann natürlich auch per Volltext gesucht werden, und man findet daher schneller das passende, da die BSB auf ihren eigenen Seiten ja bislang nur eine äußerst grobe und unzureichende Inhaltserschließung anbietet. Adresse: http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Geheimes_Ehrenbuch_der_Fugger )

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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #6 am: 15. November 2010, 18:44:08 »

Das Vischer-Landschaftsgemälde ist auch ein echter Brüller. Das ist die Art Wappen, über die Hefner im "Grundsätze der Wappenkunst" so wortgewaltig ablästert. Und er hat ja so Recht!

Hier noch ein grausames - "metallfreies" - Beispiel mit 3x "natürlich": Delaiti, Siebmacher Band: Bad Seite: 95 Tafel: 56

Zitat
In B. auf gr. Boden mit n. Stamm ein gr. Baum, auf welchem links gewendet ein n. Vogel sitzt, an der linken Seite des Baumes springt ein n. Hund an dem Stamm in die Höhe.
« Letzte Änderung: 15. November 2010, 18:58:40 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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