Das Forum heißt ja "Heraldik & Kunst", und kombiniert findet sich beides natürlich auch im Kunsthistorischen Museum in Wien, durch das ich letzte Woche mal wieder gestreift bin.
Beginnen wir gleich mit dem Treppenaufgang. Stattliche Löwen mit dem habsburgischen Wappen grüßen (oder erschrecken, ja nach Sichtweise) die Eintretenden:

Die Antikensammlung bietet naturgemäß nichts Heraldisches im engeren Sinne, aber ein grandioses Beispiel für ein römisches Herrschaftssymbol, das später zum Wappenbild der deutschen Kaiser wurde. Der Adlerkameo aus der frühen Kaiserzeit hat über 20 cm Durchmesser! In der Literatur wurde sogar verschiedentlich vermutet, der staufische Adler ließe sich auf diese Kamee zurückführen.

Ein anderes Beispiel für eine heraldische Eigenart, die auf ein Motiv aus römischer Zeit zurückgeht, ist die seit Anfang des 19. Jh. bei kommunalen Wappen beliebte Mauerkrone. Hier ist sie einmal wirklich zum Aufsetzen, auf dem Haupt einer Stadtgöttin des 4. Jahrhunderts n. Chr.:

Weiter geht's in die Gemäldegalerie. Einen Wappenschild "in Benutzung" zeigt Lucas Cranachs d. Ä. posthumes (Fantasie-)Bildnis des heiligen Babenberger-Markgrafen Leopold III. (das Bild ist leider nicht richtig scharf geworden):

Albrecht Dürers berühmtes „Allerheiligenbild“ wird auch „Landauer Altar“ genannt, kommt aber nicht aus Landau, sondern weist auf die Stifterfamilie Landauer hin, die ihn für die Kapelle des Zwölfbrüderhauses in Nürnberg bestellt hatten. Näheres zum Bild siehe
http://de.wikipedia.org/wiki/Landauer_Altar. Hier interessiert uns der Rahmen, der neben der Inschrift zwei Wappen der Landauer zeigt. Mehr Details siehe
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Coats_of_arms_of_Landauer_family

Das anlässlich seiner Nobililtierung geschaffene Bildnis des Christoph Paumgartner von Christoph Amberger enthält ein sehr diskret in Grisaille-Malerei gehaltenes paumgartnerisches Wappen. Bei einem flüchtigen Blick auf das ganze Bild sieht man es kaum.


Etwas auffälliger sind die Wappen der Stifter in der "Marienkrönung" des Hans Süß von Kulmbach, 1514 in Nürnberg geschaffen.

Links ein mir unbekanntes Wappen (die Bilddatenbank des KHM schweigt sich ebenfalls aus), das zwei verschlungene Schwäne zeigt.

Rechts zwei Hausmarken:

In Wolf Hubers Passauer "Erlösungsallegorie" hat sich der Stifter, der Passauer Fürstbischof Wolfgang zu Salm zwar schlicht bekleidet, aber doch eher unangenehm prominent aufs Bild malen lassen und schaut uns direkt an, so dass der Gekreuzigte fast zur Nebensache wird (und natürlich nur den Herrn Bischof anschaut).

Links oben das Wappen des Passauer Bistums:

Rechts oben das Wappen des Hauses Salm in einem per Goldfaden (oder was immer das sein soll) am Himmel befestigten Lorbeerkranz:

Zu guter Letzt ein Bild, bei dem zwei fürstliche Wappen etwas unglücklich an den oberen Rand gedrängt wurden (vielleicht nachträglich?). Es handelt sich um Lucas Cranach des Jüngeren Großformat "Hirschjagd des Kurfürsten Johann Friedrich" vor der Kulisse des Schlosses Hartenfels in Torgau/Sachsen.

Rechts oben das Wappen des Kurfürsten:

Links oben das übliche dreiteilige kurpfälzische Wappen mit dem Pfälzer Löwen, den Wittelsbacher Rauten und dem Reichsapfel (in der KHM-Bilddatenbank fälschlich und anachronistisch "kurbayrisch" genannt):

Neben dem sächsischen Kurfürsten und seinem Gast, dem Kurfürsten von der Pfalz, sollen auch noch der Kaiser und der Herzog von Braunschweig auf dem Bild zu sehen sein – illustre Jagdgäste, die Johann Friedrich in dieser Form (laut Bildbeschreibung im KHM) nie in Torgau begrüßen durfte.