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Herold-vom-Rhein
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« am: 17. August 2010, 00:33:15 » |
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weil jemand gerade nach so was gesucht hat: Für die Sonderform einer Amphistere = zweiflügelige Schlange mit Kopf an jedem Ende, das hintere Ende verschlungen, und zwei Drachenflügeln gibt es einige Beispiele jenseits des hiesigen Tellerrandes: - Du Bourg de Sainte-Croix, Bresse: D'azur, à l'amphistère d'or. - Baillet de Silly, Île-de-France: D'azur, à la bande d'argent, accôtée de deux amphistères d'or. Aus dieser Familie stammt Jean Baillet (1478 - 1513). Quelle: Dictionnaire héraldique, Charles de Grandmaison, Paris 1861. Und es gibt noch eine Spur in Form eines Crests: Gwilt (Westminster-Zweig) - On a saltire or, interlaced by two amphisboenae azure, langued gules, a rose of the last, barbed and seeded proper. http://books.google.de/books?id=WmpmAAAAMAAJ eine echte Schlange nur mit zwei Köpfen findet sich in der DWR bei der Familie Stolz aus Bartfeld: In Gold auf schwarzem Dreiberg ein schwarzes Ankerdoppelkreuz, S-förmig umwunden von einer grünen Schlange mit zweitem Kopf anstelle des Schwanzendes. Ebenfalls eine reine Schlange nur mit zwei Köpfen ist im Siebmacher Galizien, Familie Zlota wolnosc: In B. zwei gegeneinander aufgerichtete Schlangen, deren Schwänze sich kreuzen und wie eine Schlinge in einander übergehen. Darüber und zwischen ihren Köpfen schwebt ein hohes Tatzenkreuz, alles von g.
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« Letzte Änderung: 18. August 2010, 13:28:00 von Herold-vom-Rhein »
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Janka
Gast
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« Antworten #1 am: 17. August 2010, 23:54:26 » |
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Danke, Bernhard!  Das "Vieh" ist also doch eine "gemeine Figur" und nicht nur eine Erfindung der Mythologie. Wenn Du nichts dagegen hast, werde ich die Daten in einen geplanten Heraldik-Wiki-Eintrag einfließen lassen (ich gehe da zur Zeit die "Wappentiere" Schritt für Schritt durch) -- natürlich mit Quellenangabe. Falls doch, sag hier kurz Bescheid -- dann "abklatsch" ich nur den WP-Beitrag rüber, der sich dank Deiner Recherche ja dann doch nicht als völlig verkehrt entpuppte. 1001 dankbare Grüße Andreas
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #2 am: 18. August 2010, 00:05:13 » |
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"Bescheid".
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Janka
Gast
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« Antworten #3 am: 18. August 2010, 00:22:31 » |
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"Bescheid". Schade, ich hatte schon von Dritten gehört, daß Du da sehr "egozentrisch" bist, deswegen meine freundliche Nachfrage. Ich weiß zwar, daß reine Datenangaben jederzeit zitiert werden könnten (egal, wer sie zuvor recherchiert hat), aber um des lieben Friedens Willen, halte ich mich gerne an Dein "Bescheid" und werde später im Heraldik-Wiki-Beitrag einfach auf Deinen HUK-Beitrag referenzieren. Ich denke, das ist in Deinem Sinn. Noch mal: 1001 dankbare Grüße Andreas
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #4 am: 18. August 2010, 11:12:38 » |
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Lieber Andreas, da ich keine Lust habe, in einem schwachen Versuch, nett zu sein, Arbeit zu investieren, nur um danach "Egozentrik" vorgeworfen zu bekommen, werde ich nie mehr etwas für Dich recherchieren.
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Janka
Gast
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« Antworten #5 am: 18. August 2010, 12:47:23 » |
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Lieber Bernhard,
es tut mir unendlich Leid, da ist wohl etwas völlig mißverständlich rüber gekommen. ICH bin überhaupt NICHT der angedeuteten Meinung (wie käme ich dazu) und wollte gar keinen "Vorwurf" aussprechen. Im Gegenteil: Ich war Dir sehr dankbar für die Info und fand die Forum-übergreifende Beantwortung toll!
Der Hinweis auf die komischen Gerüchte von Dritten um Deine Person war nicht böse oder als Vorwurf gemeint, sondern ich hatte fälschlicherweise angenommen, daß sie Dich interessieren könnten. Im Nachhinein betrachtet, war daß naiv von mir formuliert und um 0:31 Uhr sollte ich mich wohl besser nicht mehr bedanken. Ich entschuldige mich hiermit in aller Form bei Dir für die Formulierung. Bitte zieh nicht wegen so einer blödsinnigen Formulierung, mit der ich eigentlich genau das Gegenteil sagen wollte, wie es bei Dir leider angekommen ist, die Reißleine.
1001 entschuldigende Grüße Andreas
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #6 am: 18. August 2010, 13:26:57 » |
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Entschuldigung angenommen. Der Grund für "Bescheid" ist nämlich, daß ich selbst die bisherige Recherche für rudimentär und unvollständig, mithin nicht abgeschlossen halte. Nach dem Übereinandertürmen von 5 Steinen feiert man eben noch kein Richtfest.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #7 am: 18. August 2010, 17:35:47 » |
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Ausgiebiges Material über Ungeheuer im Allgemeinen und Besonderen, auch in der Heraldik, findet sich hier, immer hart an der Grenze zwischen wissenschaftlicher Forschung einerseits und Begeisterung für die ausufernde Phantasie mittelalterlicher Bestiarien andererseits, teil von renommierten Autoren, teils cum grano salis zu nehmen: http://www.dragonlore.co.uk/latest.shtmlDa gibt es recht viele pdf-Ausgaben, die es sich anzuschauen lohnt, zumal Du anscheinend systematisch Fabelwesen abarbeiten möchtest. Ich kann das jetzt nicht alles "filzen", ich empfehle aber, einfach mal systematisch durchzugehen und Beispiele zu sammeln.
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #8 am: 18. August 2010, 17:49:22 » |
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Eine echte Amphisbaene aus dem 15. Jh. auf einer Miserikordie in Buckinghamshire: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/5/57/EdlesboroughS02.jpgaus einem alten Bestiarium: http://www.monstropedia.org/images/0/01/Amphisbaena.jpgeine Amphisbaene in Frankreich an einer Kirche: http://www.patrimoine-ardeche.com/visites/images/chambonas07.jpgDie größte Schwierigkeit dürfte die exakte Definition der Begrifflichkeiten sein. Sinnvoll wäre, sich allein an der Ethymologie des Wortes "amphisbaene" zu orientieren und dann eine Unterteilung vorzunehmen nach Beine Ja/nein, 2 oder 4, Flügel ja/nein, drachenartig/schlangenartig etc.. Für diese Viecher gibt es wieder Unterbegriffe wie "Amphisbona", "Amphistere", bedingt auch "Amphiptere" etc. Z. B. würde das Titelbild von http://www.dragonlore.co.uk/magazines/issue110.pdf mit dem Crest von William Henry Maule auch unter den Oberbegriff fallen, aber vom drachenartigen Typus mit Flügeln. Der Wandel der Begrifflichkeit wird z. B. so dargestellt: - 1843 Serpent ailé, dont la queue se termine par une seconde tête de serpent.
- 1899 Serpent à deux têtes, dont les positions sont très variées.
- 1905 Figure de fantaisie représentant un serpent dont la queue, tournée en volute, se termine par une tête, ce qui en fait une à chaque extrémité.
Quelle: http://www.euraldic.com/gloss_a1.htmlDie Thematik ist erheblich komplexer, die begrifflichen Grenzen sind fließend. Begriffliche Eindeutigkeit besteht definitiv nicht.
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« Letzte Änderung: 18. August 2010, 23:15:30 von Herold-vom-Rhein »
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Herold-vom-Rhein
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« Antworten #9 am: 18. August 2010, 22:10:27 » |
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Wo wir gerade bei den seltsamen Wesen und dem Hinten-Vorne-Problem sind: Besonders faszinierend sind auch Wappen, in denen sich eine kreisrund gelegte Schlange in den eigenen Schwanz beißt. Dafür gibt es wenigstens ein paar gute Beispiele:
Gyulay v. Gyula, Siebmacher Band: UnE Seite: 60 Tafel: 39, geviert mit einer gekrönten, sich in den Schwanz beißenden Schlange an Herzstelle; 1. und 4. In B. ein gekrönter g. Löwe in der erhobenen Rechten einen Krummsäbel mit g. Parierstange, in der gesenkten Linken einen gr. Laubkranz haltend. 2. und 3. auf w. Wellen eine Sirene in der erhobenen Rechten einen Spiegel, die Linke in die Hüfte gestützt haltend. Unten eine eingepropfte g. Spitze mit eingebogenen Rändern, in welcher auf gr. Hügel eine r. gewaffnete w. Taube im Schnabel einen gr. Ölzweig haltend.
Familie Unkrich aus Hochstätten (DWR): In Silbern-schwarz in Form eines abgerundeten 'Z' gespaltenem Schilde eine einwärts gewendete, sich in den Schwanz beißende Schlange in verwechselten Farben.
Neff (Siebmacher Band: Ost Seite: 376 Tafel: 140): In R. eine g. sich in den Schwanz beißende Schlange.
Familie Kühn aus Heydekrug (DWR): In Blau eine sich in den Schwanz beißende, goldengekrönte goldene Schlange, ein silbernes Elchgeweih ringförmig umschließend.
Josika v. Branyicska (Siebmacher Band: Sibü Seite: 105 Tafel: 47): Geviert von R. und B.; die Vierung (Kreuzung) belegt mit einer r.-gefütterten g. Laubkrone; 1. und 4. eine einwärts gestellte, gekrönte, sich in den Schwanz beißende s. Schlange; 2. und 3. ein einwärts gekehrter, doppelschwänziger, s. Löwe, mit den Vorderpranken einen gr.-belaubten, entwurzelten Baum vor die Mitte des Leibes haltend.
Stermic von Vacrociata (Siebmacher Band: Dal Seite: 22 Tafel: 14): Geteilt durch einen r. Schrägrechtsbalken, besetzt mit 3 hintereinander aufwärts kriechenden g. Bienen, oben in B. 3 (2, 1) g. Sterne, unten in S. eine sich in den Schwanz beißende gr. Schlange.
Kis-Vardai (Siebmacher Band: Un Seite: 314 Tafel: 237): Pfahlweise aufgerichtete Hirschstange, umgeben von einer in den Schwanz sich beißenden Schlange.
Boysen, (Boysen-Haysen), Nordseeinsel Nordstrand (DWR): In Blau ein goldener Ring in Form einer linksschauenden, sich in den Schwanz beißender Schlange mit dem Kopf eines schopftragenden Vogels, schräg durchkreuzt von zwei roten Pfeilen mit den Spitzen nach oben, deren Flitsche von dem Ring überdeckt werden.
usw. - das Motiv ist nicht so ganz selten. Und sehr schön und harmonisch dazu.
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Janka
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« Antworten #10 am: 19. August 2010, 02:11:56 » |
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Booh eh ... Bernhard, mach langsam. Laß mich das erst mal alles verdauen. So schnell schießen die Preußen nicht. Die Intentionen des Heraldik-Wiki gehen nicht in Richtung "Doktorarbeit", sondern in Richtung "Referenz auf die Doktorarbeiten" sowie "Ansicht von ein paar Beispielen". Tenor: "Schau her, wenn Du zu dem und dem heraldischen Thema ernsthaft etwas wissen willst, dann schau mal in die und die heraldische Quellen -- und bilde Dir Deine eigene Meinung. Und Verlaß Dich nicht auf die paar Beispiele, die wir Dir hier zeigen." Wie gesagt: Das Heraldik-Wiki kann niemals die fundierte Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Fachliteratur ersetzen. Sie wird, da bin ich mir sicher, irgendwann in vielen Fällen ein nützlicher heraldischer Einstiegspunkt zu einem Thema sein, einer, der mehr bietet, als eine Enzykl. wie die Wikipedia, aber mehr auch nicht. Um in Deinem Beispiel zu bleiben: Im Heraldik-Wiki werden wir tatsächlich in vielen Fällen nur 5 Steine übereinander getürmt finden -- aber die 5 Steine zeigen dann den Weg, wie und wo und mit welchen Quellen man gegebenenfalls heraldisches Richtfest feiern kann.
In diesem Sinne: Ich melde mich, wenn ich noch weitere Fragen habe.
1001 dankbare Grüße Andreas
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Gernot
Entwurfsforum
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« Antworten #11 am: 19. August 2010, 08:47:30 » |
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...sich in den Schwanz beißenden Schlange... Dies ist ein Motiv aus der nordischen Mythologie: die Midgardschlange, welche die gesamte Welt umschlingt. Thor kämpft zweimal vergeblich mit ihr, bevor er sie mit seinem Hammer erschlägt, selbst aber ihrem Gift erliegt. Daneben gibt es noch die Darstellung zweier Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen. Nach meinen Informationen ist das aber kein originär europäisches Motiv und erst mittels Esoterik in die Heraldik geschwappt.
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Gernot
Weiß der Geier...
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