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Autor Thema: Ein Wappenzeichner und seine Arbeiten  (Gelesen 953 mal)
Herold-vom-Rhein
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« am: 15. März 2010, 19:38:54 »

Wer ist dieser streng blickende Herr, Wappenzeichner, Graveur etc.?
Um ihn und seine Arbeiten wird es in den nachfolgenden Postings gehen. Ihr habt alles, was Ihr braucht, in der Wappenzeile.
Das Bild muß authentisch sein, denn der Gesuchte schrieb über dieses Portrait: "Für Aehnlichkeit garantiert der Zeichner, soweit es die dicken Conturen zulassen."



« Letzte Änderung: 16. März 2010, 18:49:50 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert
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« Antworten #1 am: 16. März 2010, 18:49:23 »

War eigentlich nicht so schwer: Ich stelle es hier ein, also ist er > 70 Jahre tot. In der Mitte Großherzogtum Hessen, links Mainz, also aus der Zeit, als Mainz dazugehörte. Die Bienen sind draußen, also ist Napoleon Vergangenheit. Und dann bleiben nur ganz wenige Künstler übrig, genau genommen nur: Clemens Kissel.

Ausführlich:

Ein Portrait-Exlibris aus dem Jahr 1891 entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für sich selbst. Im Zentrum steht die Portrait-Zeichnung. Rechts unter dem das Portrait einschließenden Kreis ist das Werk signiert und datiert. Neben den werbenden Schriftzügen ist besonders die Reihe mit den fünf Wappen von Interesse: In der Mitte befindet sich das das Staatswappen des Großherzogtums Hessen, in Blau ein gekrönter, golden bewehrter, von Silber und Rot neunmal geteilter Löwe mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein silbernes Schwert schwingt. Auf dem Schild eine Rangkrone. Ganz links ist das Mainzer Stadtwappen in einer zeittypischen Form, unter einem roten Schildhaupt in Silber zwei durch ein rotes Kreuz verbundene, schräg gestellte, sechsspeichige, rote Wagenräder. Im Gegensatz zum heutigen Stadtwappen sind die Farben von Fläche und Doppelrad invertiert, außerdem wird das Stadtwappen heute ohne das Schildhaupt geführt. Das Rad leitet sich vom Hochstiftswappen ab, wurde jedoch unterscheidend verdoppelt. Die schrägstellung entwickelte sich während des 16. Jh. Das Schildhaupt kam hinzu, als 1811 das Mainzer Rad als Wappensymbol wieder anstelle der vorher verwendeten napoleonischen Symbolik gestattet war, erst mit drei Bienen, später ohne, viele Übergangsformen bildend. Erst 1915 trennte man sich endgültig vom Schildhaupt, und es bildete sich die heute gültige Form heraus. Rechts daneben sehen wir die drei Schildchen der Maler und Künstler, die 2:1 und silbern in rotem Feld geführt werden. Ganz rechts außen ist das persönliche Familienwappen Kissel, in Gold ein aufrechter schwarzer Bär, der in seinen Vorderpranken ein Gefäß trägt.



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #2 am: 16. März 2010, 18:52:09 »

Ein auf 1886 datierter und mit "CK signierter Exlibris-Entwurf von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für den Mainzer Bischof Dr. Paulus Leopoldus Haffner (geb. 21.1.1829, amtierte als Mainzer Bischof 1866-2.11.1899). Es handelt sich nur um ein "Vorbild", wie Kissel selbst es nennt, in einem üppigen Neorenaissance-Rahmen. Der Entwurf folgt klassischen Gestaltungsprinzipien mit dem Hochstiftswappen (in Rot ein silbernes Wagenrad) als Herzschild, dem persönlichen Familienwappen des Bischofs aufgelegt, welches geviert ist, Feld 1 und 4: in Rot 3 (2:1) goldene Krüge oder Kannen, Feld 2 und 3: in Schwarz ein einwärts aufspringender, goldener Löwe mit einem goldenen Kreuz in den Vorderpranken. Dieses Wappen findet sich in moderner Form als Glasfenster übrigens im Mainzer Dom. Paul Leopold Haffner, der "schwäbische Philosoph auf dem Bischofsthron", stammte aus Horb und studierte im nahen Tübingen. 1855 kam er nach Mainz als Professor der Philosophie, zuvor war er Repetent am Wilhelmsstift in Tübingen. Das Bischofsamt übernahm er nach einer Zeit der Sedisvakanz wegen des Kulturkampfes. Er galt als engagierter und bisweilen auch kämpferischer Bischof, der auch Mitbegründer der "Görres-Gesellschaft zur Pflege der katholischen Wissenschaften" war. Auf dem Schild mit vier nach hinten eingerollten Ecken und einer nach vorne eingerollten Fußspitze ruht eine reich verzierte Inful, schräg dahinter als einziges Attribut der Bischofsstab. Die beiden unten aus der Inful herabhängenden Bänder werden im Stile einer Helmdecke rechts und links des Schildes angeordnet. Hauptaugenfänger der Komposition ist der breite Rahmen mit Beschlag- und Rollwerk, dazwischen Engelsköpfe, Fruchtgebinde und florale Details.



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #3 am: 16. März 2010, 18:53:42 »

Ein Wappen-Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für den königlich preußischen Rittmeister Boguslaw von Garczynski. Oben die Inschrift "Symbolum Bibliothecae", unten der nette Hinweis "Bücher schonen, baldigst zurückgeben", ein Beispiel für ab und zu auf Exlibris anzutreffende hoffnungsvolle Ermahnungen des Verleihenden. Rechts und links der Helmzier ist das Exlibris datiert, unterhalb des phantasievollen Rahmens mit "CK" signiert. Das Wappen der polnischen v. Garczynski wird beschrieben im Siebmacher Band: Gal Seite: 7 Tafel: 5, Band: Pr Seite: 8 Tafel: 9, Band: PrAE Seite: 12 Tafel: 7, vgl. auch Rautenberg-Garczynski im Siebmacher Band: PrE Seite: 77 Tafel: 65. Der Schild zeigt in Blau eine mit den Spitzen nach unten gerichtete (gestürzte), silberne, gesichtete Mondsichel, darunter ein aufrechter silberner Pfeil, von zwei goldenen Sternen beseitet. Auf gekröntem Helm mit blau-silbernen Decken ein natürlicher Pfauen- oder silbern-blauer Straußenfederbusch (je nach Quelle, hier letzteres), der normalerweise von einem silbernen Pfeil balkenweise von links nach rechts durchbohrt wird, welcher hier aber fehlt. Die in Schlesien begüterte Familie wurde 1839 in den preußischen Grafenstand erhoben.



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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Alex
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« Antworten #4 am: 16. März 2010, 18:56:33 »

...sehr interessant, wär ich nicht drauf gekommen....
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"...Ohne Arbeit wär das Leben öde
Also sing ich müde meine kleine Ode
An die Arbeit..."
Herold-vom-Rhein
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« Antworten #5 am: 16. März 2010, 19:25:27 »

Ein Wappen-Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für den Mainzer Buchhändler Karl von Zabern. Es ist eine hervorragend ausgeführte Familienwappen-Darstellung unter einem angeschnittenen Bogen mit Ort und Jahr innerhalb eines Rahmens aus acht Ornamenten aus komplex verschlungen, im jeweiligen Zentrum ein Rautengitter bildenen Federstrich-Ornamenten, die stilistisch leicht an Rokoko-Schnörkel erinnern. Das Wappen des hessischen Adelsgeschlechtes von Zabern wird beschrieben im Siebmacher, Band: He Seite: 31 Tafel: 36, ebenso im Rietstap/Rolland, und es zeigt in Blau zwei aufrechte, silberne, voneinander abgekehrte Streitbeile (Streitäxte) mit goldenen Stielen. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein blauer, beiderseits mit dem Schildbild belegter Flug. Man beachte übrigens die inhaltliche Nähe zum Wappen der von Habern und der von Sturmfeder (-> Wappengruppen).



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #6 am: 16. März 2010, 19:26:58 »

Ein Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für Curt von Münchow, Buchdrucker aus Gießen. Das Wappen zeigt in Silber drei (2:1) schwarze Mohrenköpfe mit rot-golden gewundenen Stirnbinden. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein Busch schwarzer Hahnenfedern oder grüner Schilfblätter oder Palmzweige (je nach Quelle). Hier trägt der schildhaltende Geharnischte mit Fähnchen in der Linken auf dem Kopf den gekrönten Münchow'schen Helm mit den Hahnenfedern. Das Ganze befindet sich in einem Rahmen aus Architektur, auf den Basen der beiden das Gebälk tragenden Pilaster ist typisches Handwerkszeug abgebildet. Zwei Löwen schauen aus den oberen Zwickeln hervor und halten die Enden von Lorbeergirlanden in ihrem Maul. Zu Füßen des Geharnischten ist das Werk mit "C. Kissel Mainz" signiert. Über dem Münchow'schen Schild sieht man das alte Gießener Stadtsiegel innerhalb einer es bezeichnenden Umschrift, ein Reitersiegel mit einem Ritter mit Gonfanon hoch zu Roß, auf dem Schild und auf der Pferdedecke jeweils ein Löwe, auf dem Helm als Zier ein paar Büffelhörner. Ein erstes Gießener Reitersiegel aus dem 13. Jh. zeigt als Motiv eine Art Lilie oder Lanzenspitze, das zweite bekannte Reitersiegel aus dem 14. Jh. zeigt die genannten Löwen, die keine anderen als die landgräflich hessischen sind, nur den Büffelhörnern fehlen die Kleestengel, wohl wegen der Feinheit weggelassen. Seit 1816 freilich fürhrt die Stadt Gießen ein ganz anderes Wappen, in Silber ein schwarz geflügelter, blaubewehrter und blaugezungter roter Löwe. Insgesamt ist dieses Exlibris eine typisch historistische Mischung, die ein mittelalterliches Reitersiegel, antikisierende Architektur, klassizistische Lorbeergirlanden zu einer Einheit in der Vielfalt kombiniert.



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #7 am: 16. März 2010, 19:28:13 »

Ein Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für H. E. Kissel, Graveur und Xylograph aus Mainz, offensichtlich ein naher Verwandter des Künstlers. Datierung und Signatur sind schwer zu entdecken, sie befinden sich auf den kleinen Tafeln, die an Bändern von der opulenten Einfassung herabhängen, etwa an der Grenze zwischen unterem und mittlerem Bilddrittel. Diese Einfassung ist sowie ein Unikat, oben Löwenköpfe mit weil ausgeschlagener Zunge, weiter unten ein geflügelter, dünner, langgezogener Leib, der unten in Floralia übergeht, äußerst phantasievoller Neo-Manierismus. Zu sehen ist das persönliche Familienwappen Kissel im Zentrum der Komposition, in Gold ein aufrechter schwarzer Bär, der in seinen Vorderpranken ein Gefäß trägt. Ganz unten auf dem eckigen Rahmen sehen wir das Wappen der Maler oder Künstler mit den 3 (2:1) silbernen Schildchen in rotem Feld, mit gekröntem Helm, aber ohne Helmzier.



Quelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #8 am: 16. März 2010, 23:49:56 »

Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893 entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für G. H. W. Werner, Buchdrucker in Langen (Hessen, Landkreis Offenbach). Die Komposition folgt stilistisch der Neo-Renaissance, das Vollwappen ist in eine ovale Kartusche eingepaßt, die an vier Stellen Rollwerk aufweist und in den Lücken dazwischen mit "Kraft - Stärke - Langen - Juli 1893" beschriftet ist. Oben stellt eine phantasievolle Maske die Verbindung zum Namensfeld her, unten befindet sich ein weiteren Schildchen mit Ortsbezug, zu beiden Seiten stehen Figuren auf säulengetragenen Podesten, über ihnen schließen Fruchtgebinde jeweils die Lücke zur ausgreifenden Ornementik. Das Wappen ist ein redendes, denn es bezieht sich auf eine mögliche Interpretation des Namens "Werner" und stellt im Schild einen Geharnischten dar, wobei sich "Wer(n)" entweder mit der Bedeutung "(be)wahren", "sich vorsehen, etwas gewahren" oder mit "wehren" assoziiert werden kann, "(h)er" aber von "heri" = "Menge, Heer(schar)" kommt. Der Geharnischte läßt sich entsprechend der möglichen Bedeutungen als Hüter, Wächter oder Krieger interpretieren. Und auf dem bewulsteten Helm findet sich als Helmzier ein wachsender, nach hinten abgewinkelter Schwertarm, insgesamt eine Neuschöpfung für den Eigner nach dessen Idee (Farben mir unbekannt, ohne Literaturbeleg). Der Wappenschild am unteren Rand der Komposition enthält das Stadtwappen von Langen, in Gold ein aufrechter grüner Eichenzweig (heute meist mit 8 Blättern dargestellt) mit drei roten Eicheln, der Stiel überdeckt von einem balkenweise gelegten, gestümmelten, schwarzen Ast.



Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #9 am: 17. März 2010, 00:13:10 »

Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1891 (an zwei Stellen datiert), entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für den Kunstgeschichtler Prof. Dr. phil. Rudolf Adamy (1842-1898). Die Devise lautet "suum cuique". Um den ganzen äußeren Rand läuft eine Ermahnung an den Entleiher. Dargestellt ist im Zentrum eher ein persönliches heraldisches Zeichen, denn die Inhalte sind vollständig auf den Inhaber zugeschnitten. Der Schild zeigt eine aus dem oberen Rand kommende Hand, die einen Zirkel hält, dessen zeichnender Schenkel pfahlweise steht und dessen fixierender Schenkel schräglinks weist, der Hintergrund ist wolkenartig gezeichnet, den Zeitumständen entsprechend keine klar definierte Farbfläche. Auf dem gekrönten Helm ein wachsender Knabe, der vor der Brust schräggekreuzt Feder und Zeichenstift hält (Farben mir unbekannt, ohne Literaturbeleg). Alle drei Attribute verweisen auf die Wissenschaften, in denen der Inhaber Bedeutendes geleistet hat. Dessen Hauptwerk ist übrigens "Architektonik auf historischer und ästhetischer Grundlage". Insgesamt handelt es sich um eine sehr personengebundene Komposition.



Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #10 am: 17. März 2010, 00:39:34 »

Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1893, entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für Dr. Karl Ebel aus Gießen. Die Datierung befindet sich auf dem Schriftband optisch links des Helmes. Da der Inhaber sich dem Bibliotheksfach widmete und 1921-1933 Direktor der Gießener Universitätsbibliothek war, wird der ganze obere Teil des Exlibris von einem Bücherstapel eingenommen. Links sehen wir auf dem Deckel eines Buches das alte Gießener Reitersiegel. Das aufgeschlagene Buch rechts daneben trägt die Eigentümerbezeichnung. Die Aussparung in dem genauerten Sockel bietet Platz für das Familienwappen Ebel, gemäß der Schraffur in Gold ein mit drei goldenen, sechsstrahligen Sternen belegter, schwarzer Schrägbalken, außen beiderseits mit je einem roten, dreiblättrigen Kleeblatt besteckt. Auf dem bewulsteten Helm drei Straußenfedern.

Hier könnte bitte mal jemand, der das hessische Wappenbuch hat, in Band 3, Familienwappen 1, Tafel 44 nachschauen, ob sich da weitergehende Angaben finden lassen.



Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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« Antworten #11 am: 17. März 2010, 00:50:51 »

Ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1886 (an zwei Stellen datiert, einmal im Schriftring neben dem Hut des neben Geschäftsinsignien sitzenden Knaben, ein zweites Mal unten auf dem Blatt, welches dieser beschreibt), entworfen von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911) für sich selbst als Mitglied der Hofkunstanstalt. Unten befindet sich noch der freundliche Rückgabehinweis für Entleiher von Büchern. Kissel verzichtet hier ganz auf die Darstellung eigener, selbst geführter heraldischer Attribute und gibt sich hier ganz als großherzoglich-hessischer Untertan, der als Mitglied der Hofkunstanstalt ausschließlich das Wappen des Landesherrn zeigt: In Blau ein gekrönter, golden bewehrter, von Silber und Rot eigentlich neunmal, hier nur achtmal geteilter Löwe mit Doppelschweif, der in der rechten Pranke ein silbernes Schwert schwingt. Auf dem Schild ist eine Rangkrone. Das Wappen wird von einem Engel gehalten.



Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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Gernot
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« Antworten #12 am: 17. März 2010, 08:03:01 »

Hochinteressant! Und künstlerisch ein Lehrbeispiel des Historismus am Vorabend des Jugendstils.
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Gernot

Weiß der Geier...
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« Antworten #13 am: 17. März 2010, 16:16:53 »

Sehr schöne Arbeiten.

Peter
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« Antworten #14 am: 18. März 2010, 23:44:43 »

Ein heraldisches Exlibris, entstanden spätestens 1893, links unten signiert von Clemens Kissel (3.5.1849 - 25.12.1911), für Leo Wörl aus Würzburg. Ein persönliches Familienwappen ist nicht vorhanden, dafür reichlich heraldische Hinweise auf territoriale Zusammenhänge. Leo Wörl war k. u. k. österreichischer und königlich bayerischer Verlagsbuchhändler in Würzburg. Ganz oben finden wir das Würzburger Rennfähnlein, das es in zwei Formen gibt. Das Hochstift Würzburg führte in Blau eine rot-silbern gevierte schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, und die Stadt Würzburg führt in Schwarz eine schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte rot-golden gevierte Standarte mit silbernem Schaft. In der Mitte finden wir das königlich-bayerische Staatswappen, wie es 1835-1919 verwendet wurde. In dieser Form ist es eine Schöpfung von König Ludwig I, Verordnung vom 18.10.1835. Diese Form des königlich-bayerischen Wappens symbolisierte zum ersten Mal die verschiedenen Stämme und Regionen Bayerns und war zugleich Ausdruck des offiziellen Titels: König von Bayern, Pfalzgraf bei Rhein, Herzog von Bayern, Franken und in Schwaben. Es ist geviert mit Herzschild, Feld 1: In Schwarz ein goldener, rot gekrönter Löwe (Pfalz am Rhein), Feld 2: von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Franken, sog. Fränkischer Rechen, Feld 3: Von Silber und Rot fünfmal schräglinks geteilt (hier etwas abweichend) und mit einem goldenen Pfahl belegt, ehemalige Grafschaft Burgau, steht für die Gebiete in Schwaben, Feld 4: In Silber ein blauer Löwe, golden bewehrt und golden bekrönt, Grafschaft Veldenz (das Feld erinnert daran, daß die in Bayern regierende Linie letztendlich die Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld ist, und genau zu deren ehemaligem Herrschaftsgebiet gehörte Veldenz), Herzschild: Von Blau und Silber schräg geweckt (Bayern, Haus Wittelsbach). Hier hat das königlich-bayerische Wappen die Form des mittleren Wappens mit den zwei gekrönten hersehenden, goldenen Löwen als Schildhaltern und königlich gekröntem Schild, aber ohne Wappenzelt und ohne Orden. Dieses Wappen befindet sich mit zwei anderen Wappenschilden gemeinsam in einem halbgeteilten und gespaltenen Schild, was heraldisch widersinnig ist, denn zum einen stellen die einzelnen Schilde separate Einheiten dar, und daß Prunkstücke wie Schildhalter in einen größeren Schild hineinrutschen, ist jenseits von grenzwertig. Es ist eben eine Komposition des Historismus, die sich eher am Künstlerischen orientiert. Dabei muß aber auch angemerkt werden, daß die Kombination von unten leicht zugespitzen Schilden mit geraden Ober- und Seitenkanten mit einem Schild mit konvex eingezogenen Rändern und zweimal bogig aufgewölbtem oberen Rand nicht stimmig ist. Es handelt sich genaugenommen um eine Schülerarbeit, die unter der Anleitung von Kissel angefertigt wurde. Optisch unten links ist ein zweimal gespaltener österreichischer Schild (Habsburg-Lothringen), Feld 1 in Gold ein blau gekrönter und ebenso bewehrter roter Löwe, Grafschaft Habsburg, Feld 2 in Rot ein silberner Balken, Erzherzogtum Österreich, Feld 3 in Gold ein roter, mit drei silbernen Alerions belegter Schrägbalken, Herzogtum Lothringen. Bei der Schraffur ist etwas durcheinandergekommen, die Pünktchen gehören aus Feld 2 heraus und in Feld 1 hinein. Und optisch rechts unten ist der ungarische Schild gespalten aus rechts siebenmal von Rot und Silber geteilt, Farbfolge hier abweichend silbern-rot, Alt-Ungarn, und links in Rot auf grünem Dreiberg ein silbernes Patriarchenkreuz, Neu-Ungarn. In dieser gespaltenen Form ist es heute noch als Staatswappen von Ungarn in Gebrauch, gekrönt mit der Stephanskrone.



Bildquelle: Clemens Kissel, 25 Bücherzeichen, entworfen und ausgeführt von Clemes Kissel zu Mainz, J. A. Stargardt Verlag, Berlin 1894.
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