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Autor Thema: Redende Wappen – und umgekehrt  (Gelesen 785 mal)
Gernot
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« am: 08. März 2010, 10:05:52 »

Es ist heraldische Tradition, dass Wappen einen Begriff des Namens aufnehmen und bildhaft beschreiben. Die Nürnberger Patrizierfamilie Behaim von Schwarzbach auf Kirchensittenbach hat diese Tradition umgekehrt, zuerst das Wappen und dann der „redende“ Name.

Vorausgeschickt eine weitere Kuriosität: Die Schreibweise der Behaims in Nürnberg variierte wie zu der Zeit üblich: Behem, Pöheim, Beheym, alles kam vor. Nun gab es aber in Nürnberg eine weitere angesehene, aber nicht ratsfähige Familie von Baumeistern und Geschützgießern. Um Verwechslungen auszuschließen einigte man sich darauf, dass die Ratsfamilie zukünftig Behaim heißen soll und die Baumeister Beheim.

Das Wappen der Behaim ist silber und rot gespalten mit einem schräglinken schwarzen Wellenbalken.


Das Wappen ist schon ein paar Jahrhunderte in Gebrauch, da erwirbt sich Christoph Jakob Behaim besondere kaiserliche Verdienste und soll in den Freiherrenstand erhoben werden. Es fehlt aber eine Grundherrschaft, denn anders als die meisten Nürnberger Ratsfamilien haben die Behaim keinen größeren zusammenhängenden Grundbesitz erworben. Aber ein Behaim ist ja geographisch nicht unbeholfen, schaut auf den Globus und findet in Böhmen das Örtchen Schwarzbach. Der schwarze Bach vom Wappen und Behaim aus Böhmen, fertig ist eine wunderbare und fast glaubhafte Legende. Nur, dass die Behaim schon immer, auch in den ältesten Quellen civis Nurenbergensis, Nürnberger Bürger sind und nichts auf eine böhmische, geschweige denn Schwarzbachische Herkunft weist.

Eine Grundherrschaft bekommen die Behaim dann doch noch durch Glück: Die Pfinzing sterben aus und die Behaim werden ausgelost für die Administration der Tetzelstiftung und der Herrschaft Kirchensittenbach, gemeinsam mit den Volckamer.

So werden sie dann auch 1809 in den bayerischen Adel immatrikuliert: „Behaim von Schwarzbach auf Kirchensittenbach“. Der eine Titel quasi ursupiert, der andere per Los gewonnen, nicht schlecht gelaufen für die Behaim.

Quelle: Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg, Nürnberger Forschungen (Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg), Band 31/2
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Gernot

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« Antworten #1 am: 08. März 2010, 18:48:37 »

ganz toller und hochinteressanter Aspekt, der die "redenden Wappen" um eine krasse Variante bereichert. Danke!
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Bernhard Fox
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« Antworten #2 am: 09. März 2010, 19:34:14 »

Eine sehr interessante Geschichte.  Zwinkernd
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« Antworten #3 am: 09. März 2010, 23:52:41 »

......mit einem schräglinken schwarzen Wellenbalken.....
das geht im Siebmacher mal so, mal so. Wie ist es denn nun korrekt, rechts oder links?  Lächelnd
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Gernot
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« Antworten #4 am: 10. März 2010, 09:23:38 »

Schräglinks.

Hier noch ein Bild des vermehrten Wappens:

http://img46.imageshack.us/i/behaimgro.jpg/

Und auf dem Martin-Behaim-Denkmal ist es auch schräglinks. http://www.nuernberginfos.de/denkmaeler-nuernberg/martin-behaim-denkmal.html
Ich nehme mal an, der Bildhauer wusste was er tat.

PS. Was ist eigentlich das bessere heraldische Deutsch: Gemehrtes oder vermehrtes Wappen?
« Letzte Änderung: 10. März 2010, 09:27:42 von Herold-vom-Rhein » Gespeichert

Gernot

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« Antworten #5 am: 10. März 2010, 09:28:03 »

Sorry, edit und zitat verwechselt und in etwa wiederhergestellt.

Zitat
Schräglinks.

Zitat
Hier noch ein Bild des vermehrten Wappens:
Dort nenne ich es schrägrechts.

Zitat
Und auf dem Martin-Behaim-Denkmal ist es auch schräglinks.
Dort nenne ich es schrägrechts.

Deswegen ja meine Nachfrage, denn im allerobersten Posting paßt das Bild auch nicht zum Text.

Zitat
PS. Was ist eigentlich das bessere heraldische Deutsch: Gemehrtes oder vermehrtes Wappen?
vermehrt ist üblich und heraldisch richtig.
Von der Grammatik her könnte man das anders sehen.
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Gernot
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« Antworten #6 am: 10. März 2010, 09:42:49 »

Uh. Tatsächlich. Öhm. Tja.

Aber hier ist er schräglinks und auch so beschrieben. http://img202.imageshack.us/img202/9661/behaimmittext.jpg Wenn man keine Tomaten auf den Augen hätte, springt einem der Unterschied ins Gesicht, gebe ich zu.

 Unentschlossen
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Gernot

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« Antworten #7 am: 10. März 2010, 09:51:16 »

Und im Schöler Tafel 18 ist er auch schräglinks in der Abb.
Im Siebmacher Band: Bay Seite: 27 Tafel: 22 ist er als unvermehrtes Wappen schräglinks in Abb. und Text, im vermehrten Wappen in der Abb. schrägrechts.
Also hat sich der Bildhauer vielleicht geirrt? Oder wurden beide Varianten geführt (obwohl es zwei unterschiedliche Wappen wären)? Oder von verschiedenen Zweigen in verschiedener Richtung?
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Gernot
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« Antworten #8 am: 10. März 2010, 10:19:13 »

Schrägrechts scheint das häufigere zu sein. Hier (http://www.sebalduskirche.de/index.php?id=103)  unten rechts das Stifterwappen des Behaimfensters in der Sebalduskirche - schrägrechts. Der stiftende Behaim hätte sich sicher beschwert, wäre sein Wappen fehlerhaft dargestellt. Und das Fenster ist schon von 1380.

Verschiedene Linien gibt es bei den Behaims eigentlich nicht.

Ich spekuliere mal: Entweder war die schräglinke Variante das Original, wurde aus irgendeinem Grund nach schrägrechts variiert und letzteres setzte sich dann durch. Oder, vielleicht wahrscheinlicher, in einem Wappenverzeichnis wurde einmal der Fehler mit schräglinks gemacht und darauf gründen sich die nachfolgenden falschen Darstellungen.
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Gernot

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« Antworten #9 am: 10. März 2010, 10:24:03 »

Oder jemand hat bei der Kirche von außen geschaut, als innen Licht war. Und alle haben bei diesem abgeschrieben.  Grinsend Grinsend Grinsend Grinsend

Im Ernst: Oder wir müssen einfach mit einer - äh - gewissen Unschärfe leben.

In der Kirche ist ja auch Gold statt Silber, so wie es aussieht?

Tip: Mach doch mal eine Anfrage an das Stadtarchiv.  Grinsend
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Gernot
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« Antworten #10 am: 10. März 2010, 14:17:45 »

Ich habe noch etwas: Die  Sitzordnung in der Ratstube. Der Behaim sitzt in der Ecke hinten rechts. Vermehrtes Wappen mit Wellenbalken schrägrechts.

http://img26.imageshack.us/img26/3536/ratsstube.jpg
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Gernot

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« Antworten #11 am: 10. März 2010, 14:37:37 »

Toller Fund. So langsam bekommen wir eine Mehrheit für schrägrechts.  Lächelnd
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G.Metter
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« Antworten #12 am: 10. März 2010, 19:45:40 »

tja...hier Nochmal

http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Behaim.jpeg
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/26/Nuernberg-behaim-denkmal-v-so.jpg
http://nerger.biz/wissenschaftler_3/wissenschaftler_4/wissenschaftler_5/wissenschaftler_6/wissenschaftler_7/a_behaim2_gb.jpg
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