Es ist heraldische Tradition, dass Wappen einen Begriff des Namens aufnehmen und bildhaft beschreiben. Die Nürnberger Patrizierfamilie
Behaim von Schwarzbach auf Kirchensittenbach hat diese Tradition umgekehrt, zuerst das Wappen und dann der „redende“ Name.
Vorausgeschickt eine weitere Kuriosität: Die Schreibweise der Behaims in Nürnberg variierte wie zu der Zeit üblich: Behem, Pöheim, Beheym, alles kam vor. Nun gab es aber in Nürnberg eine weitere angesehene, aber nicht ratsfähige Familie von Baumeistern und Geschützgießern. Um Verwechslungen auszuschließen einigte man sich darauf, dass die Ratsfamilie zukünftig Behaim heißen soll und die Baumeister Beheim.
Das Wappen der Behaim ist silber und rot gespalten mit einem schräglinken schwarzen Wellenbalken.

Das Wappen ist schon ein paar Jahrhunderte in Gebrauch, da erwirbt sich Christoph Jakob Behaim besondere kaiserliche Verdienste und soll in den Freiherrenstand erhoben werden. Es fehlt aber eine Grundherrschaft, denn anders als die meisten Nürnberger Ratsfamilien haben die Behaim keinen größeren zusammenhängenden Grundbesitz erworben. Aber ein Behaim ist ja geographisch nicht unbeholfen, schaut auf den Globus und findet in Böhmen das Örtchen Schwarzbach. Der schwarze Bach vom Wappen und Behaim aus Böhmen, fertig ist eine wunderbare und fast glaubhafte Legende. Nur, dass die Behaim schon immer, auch in den ältesten Quellen
civis Nurenbergensis, Nürnberger Bürger sind und nichts auf eine böhmische, geschweige denn Schwarzbachische Herkunft weist.
Eine Grundherrschaft bekommen die Behaim dann doch noch durch Glück: Die Pfinzing sterben aus und die Behaim werden ausgelost für die Administration der Tetzelstiftung und der Herrschaft Kirchensittenbach, gemeinsam mit den Volckamer.
So werden sie dann auch 1809 in den bayerischen Adel immatrikuliert: „
Behaim von Schwarzbach auf Kirchensittenbach“. Der eine Titel quasi ursupiert, der andere per Los gewonnen, nicht schlecht gelaufen für die Behaim.
Quelle: Peter Fleischmann, Rat und Patriziat in Nürnberg, Nürnberger Forschungen (Einzelarbeiten zur Nürnberger Geschichte, herausgegeben vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg), Band 31/2